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Zu Recht begeistertes Publikum

Mentorin Annette Bartholdy begrüsste die den Kirchenraum fast füllende Zuhörerschaft – wie es sich gehört mit Corona-Masken ausstaffiert – zum anstehenden Schubert-Programm, ehe die zwei Protagonisten ihre Bühne betraten.

Der Pfad des Lebens: Unter dieses Motto stellten Ilker Arcayürek und Simon Lepper ihre persönliche Auswahl von Schubert-Liedern: Eine «persönliche Winterreise» in vier Teilen war für das Winterprogramm der Vier Jahreszeiten angesagt.

Der Liebe waren die ersten fünf Gesänge gewidmet: Fischerweise – Liebhaber in allen Gestalten – An Silvia – Alinde – Willkommen und Abschied. Nach unprätentiös intoniertem Vorspiel des Pianisten stieg der Tenor mit fein abgestufter Dynamik behutsam ein. Die vom Text suggerierten Emotionen nahm Simon Lepper wachsam und durchhörbar auf, das gute Einvernehmen der beiden Künstler aufzeigend. So gefiel in «An Sylvia» der hörbar gestaltete Unterschied von Begleit- und Führungs-Funktion Simon Leppers ebenso wie das tragende Forte und sein verhaltenes Piano. In «Alinde» fand des Pianisten Anschlags-Differenzierung im ausklingenden Diminuendo schönste Bestätigung.

Richtig Schubert-like

Die Sehnsucht war Grundlage im zweiten Abschnitt, dies mit den Liedern Dass sie hier gewesen – Du bist die Ruh – Auf dem Wasser zu singen – Auf der Bruck. Perfektes Zusammenwirken zeigte sich hier mit faszinierend gebotener Verhaltenheit, richtig Schubert-like! Sie gelang dem Tenor textgetreu in «Du bist die Ruh» ausserordentlich gut. Beim frisch angegangenen «Auf der Bruck» erfreute man sich an der Wiedergabe der gebotenen Gegensätzlichkeit.

Farbenreiche Dynamik

Mit «Suche nach innerem Frieden» war der dritte Abschnitt betitelt. Er enthielt die Lieder Die Sterne – Bei Dir allein – Lachen und Weinen – Der Wanderer. Simon Lepper verlieh in ersterem der akkordischen Begleitung markig Ausdruck, während sich Ilker Arcayürek in sensiblem Sotto-voce erging. Eine Qualität prägt alle vier Lieder:  Sehnsucht/Verzweiflung, Lachen/Weinen gefielen wegen sensibler Darstellung von Dur- und moll-Wechseln sehr gut. die farbenreiche Dynamik beider Interpreten trug das Ihre dazu bei, Passagen wie «Ich bin ein Fremdling überall» Nachdruck zu verleihen.

Stimmliche Auslotung

Resignation findet sich bei Franz Schubert immer wieder, gehört zu seinem Werdegang. In «Der Unglückliche» sorgten Dur-Passagen bis zur 2. Strophe für erstaunliche Zuversicht. Immer wieder faszinierte die hervorragende Gestaltung des musikalischen Materials. In «Die Götter Griechenlands» gefiel das akkurate Zuspielen des Motivs, in «Du liebst mich nicht» das wunderbar gehauchte Schmachten und in «An die Freunde» die stimmlich ausgelotete Text-Hintersinnung.

Sympathisch agierende Künstler

Als «Erlösung» war gut programmiert das Lied «Des Fischers Liebesglück», wo schon die Einführung höchst musikalisch interpretiert wurde. An Schubert’scher Text-Vertonung könnte man sich ohne Ende laben, sodass eine Zugabe den Riesen-Applaus unterbrechen musste. Mit «Nacht und Träume» entliessen die sympatisch agierenden Künstler das zu recht begeisterte Publikum in den nahenden Abend. Man war erfüllt.

Die nächste Veranstaltung findet am 27. März statt: Quatuor Terpsycordes spielt Haydn-Streichquartette.

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