Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Tief beeindruckende künstlerische Qualität

Am 21. Mai um 17 Uhr öffnet das Ortsmuseum seine Türe für eine Ausstellung, die sich nur dem Kunstschaffen von Meilemern und Meilemerinnen widmet: «Meilen Kreativ». Es ist eine Schau, die viel Kunst präsentiert und vor allem immer wieder zeigt, wie viele Menschen in Meilen kreativ sind.

Es sind alle Kunstrichtungen vertreten, und es gibt zwischen den ausgestellten Arbeiten Qualitätsunterschiede, aber kein ausgestelltes Werk fällt ab – und das ist bei dieser Fülle erstaunlich. Die Ausstellung ist vorzüglich gehängt, und so ergibt sich doch eine Einheit. Man achtete darauf, dass in jedem Zimmer Bilder gezeigt werden, die eine stilistische Gemeinsamkeit besitzen.

Auffallend ist, dass hier 19 Frauen, aber nur fünf Männer offensichtlich kreativ sind und es wagen, ihre künstlerischen Arbeiten zu zeigen. Sind die Männer in Meilen weniger kreativ oder haben sie Angst, den Frauen hier zu unterliegen?

Wunderschöner Mohn, hingebungsvolle Musikantin

Betritt man das Museum von der Kirchgasse her, dann werden die Besuchenden im Raum auf der rechten Seite von einem wunderschönen Mohnbild empfangen, das durch sein kräftiges Rot Wärme ausstrahlt und die Schauenden in Ferienstimmung versetzt. Es befinden sich in diesem Raum auch zart gemalte Blumenaquarelle sowie ein neckisches Aquarell mit zwei Heugümpern. Von der Decke hängen Mobiles in zarten Pastellfarben. Tritt man dann in den Zwischengang, beeindrucken hervorragende chinesische Tuschzeichnungen, gegenüber die fünf Bilder in zartem Pastell.

Gegenpol bilden drei Bilder, die zweimal ein Mädchen und einmal einen Mann im Zentrum haben: einmal musiziert das Mädchen hingebungsvoll auf seinem Cello, auf dem nächsten zeigt es sich meditierend und lächelnd und beim dritten Bild befindet sich ein Zitronenhändler mit frischen Früchten in der Hand. Alle drei Bilder sind mit einem wunderschönen Blau gemalt.

Beschwingt in den Gewölbekeller

Den Weg in den Gewölbekeller weist ein hervorragend gemaltes und gestaltetes Gartenbild. Zwischen üppigen Blättern in verschiedenen Grüntönen leuchten weisse Blüten. Es ist ein förmlicher Blütenrausch. Beschwingt betritt man dann den Gewölbekeller und ist tief beeindruckt von der künstlerischen Qualität der hier ausgestellten Werke. Links an der Wand begrüsst ein tiefroter Apfel auf schwarzem Hintergrund, auf dessen Haut sich glänzende Wassertropfen befinden, den Besucher. Am liebsten würde man direkt hineinbeissen. Anschliessend folgen von derselben Künstlerin drei abstrakt gemalte Bilder in herrlichen, jeweils einheitlichen Farbtönen und vollendeter Harmonie. Es folgt dann ein von einer anderen Künstlerin geschaffenes, grossartiges expressionistisches Bild. Sie lässt die Farben fliessen und erzielt so eine unglaubliche Dynamik, wobei hier auch der Rahmen beeindruckend ist. Anschliessend folgen drei Porträts, eines von einem Kind sowie von zwei jungen, wunderschönen Damen. Diese Künstlerin beherrscht das Zeichnen mit dem Kohlestift. Aber sie beweist mit einem starken Winterbild, dass sie auch eine hervorragende Malerin ist.

Beeindruckend, stark und interessant

Ebenso stark ist das Bild von der reformierten Meilener Kirche. Der Blick schweift von oben über die Umgebung, auf die Fähre auf dem See, auf das andere Ufer, und er geht weiter bis zu den Glarner Alpen. Einen optischen Genuss bieten die Aquarelle, die die schönen Plätze von Zürich zeigen sowie die naturwissenschaftlichen Zeichnungen von Holzrinden und Blumen. Einen künstlerischen Hochgenuss bilden die Schwarzweiss-Fotografien. Hier sieht man auch, welche Möglichkeiten die neuen Techniken bieten und wie viel Arbeit und Können hinter einer solchen Fotografie stecken.

Zwei künstlerische Höhepunkte bilden die Darstellungen mit südlichen Motiven. Sie alle entstanden während der Coronazeit und sind ein genaues Abbild der heutigen Zeit. Da ist ein herrlicher, mittelalterlicher Saal ohne Menschen, auf einem anderen Bild sieht man wenige Menschen mit Abstand auf der Strasse und auf dem Pflaster steht: Abstand halten.

Besonders beeindruckend ist aber das Landschaftsbild. Man sieht das Meer, die Sonne, die langsam untergeht und sich noch auf der Wasseroberfläche spiegelt. Sie scheint schwach durch die Blätter einer Palme hindurch, aber auf dem Boden unterhalb derselben befindet sich eine Coronamaske. Die starke Bildaussage wird noch unterstrichen durch die schlanken, sich tänzerisch bewegenden Frauenfiguren aus schwarzem Material, die sich auf einem Podest befinden, und die abstrakt mit Pinsel und Spachtel gemalten Bilder, die vorhergehend gezeigt werden. Den Abschluss bilden vier sehr interessante, wie gemalt wirkende textile Farbkompositionen in den Farben Rot, Gelb, Türkis und Blau.

Wichtige Elemente der Kunst vereint

Begibt man sich wieder ins obere Stockwerk, so sind dort Plastiken aus verschieden Materialien ausgestellt, z. B. ein schwarzes Cello, sowie karikaturistisch dargestellte Figuren, die eine Lichtinstallation bilden. Links und rechts davon vermögen die ausgestellten Bilder den ganzen Bereich aufzuwerten. Im letzten Raum befindet sich ein grossformatiges Bild nach Picasso sowie ein Bild gegen den Krieg. Leider ist dessen Aussage zu lieblich dargestellt. Es sind geschriebene Worte gegen den Krieg sowie zwei grosse Blüten, in deren Zentrum sich ein Rot befindet, als würde es dort brennen, aber der entstehende Eindruck ist noch viel zu milde. In der Fortsetzung befinden sich zwei Bilder, die wichtige Elemente der Kunst vereinen, nämlich einmal Wasser/Mond und Wasser/Sonne.  Eine wirklich sehr interessante und sehenswerte Ausstellung!

«Meilen kreativ», Ortsmuseum Meilen, Kirchgasse 14. Vernissage Samstag, 21. Mai, 17.30 Uhr. Offen samstags und sonntags 14.00 bis 17.00 Uhr und mittwochs 16.00 bis 19.00 Uhr. Bis 19. Juni.

Die ausstellenden Künstlerinnen und Künstler

Aline Steiger, Christian Schmidt, Christiane Werffeli, Egizia Moral, Hedy Suter, Inge Brunner, Jaime Rincón Kaija Gaehler, Lea Pianna, Madeleine Hürlimann, Maria Bertschinger, Maria Mathis, Marianna Marty, Marzie Saboorian, Michèle Samter, Monika Müggler, Nicole Arnold, Nobuko Moser, Werner Reusser, Ruth Graf, Svetlana Steiger, Thomas Spuhler, Hanspeter Stump, Victoria Rechsteiner.

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