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Pachthofübergabe am Landschaftsumgang

Der jährlich stattfindende Landschaftsumgang der Gemeinde Meilen widmete sich dieses Mal den Themen Biodiversität, Artenvielfalt und Naturschutzprojekte. Zudem wurde der Pachthof «Vorderer Pfannenstiel» vorgestellt und nach einem Neu- und Umbau offiziell dem Pächterpaar übergeben.

Die eigentliche Pachtübergabe des «Vorderen Pfannenstiels» war bereits am 1. April 2021 erfolgt. Bevor die neuen Pächter, Anna Voggensperger und Marco Staub, in vollem Umfang in die Pacht eintreten konnten, mussten aber noch die Gebäude saniert und der neuen Betriebsform angepasst werden. Was vorher ein Milchkuhbetrieb war, ist heute ein Mutterkuhbetrieb mit Angusrindern. Am vergangenen Samstag wurde mit einem Tag der offenen Tür in Verbindung mit dem Landschaftsumgang über die Neuerungen berichtet, es wurden Hofführungen durchgeführt und der Betrieb vorgestellt.

Alphornkonzert zum Empfang

Die gut 30 Teilnehmenden des Landschaftsumgangs, die mit einem Alphorn-Konzert auf dem Hof empfangen wurden, erhielten an fünf verschiedenen Stationen alle wichtigen Infos über Landwirtschaft und Landschaft, Architektur und Bau, Photovoltaik, die Tiere und ihre Haltung und über die Maschinen auf dem Hof.

Ueli Dolder von der Landschaftskommission (LaKo) erklärte etwa, wie schwierig es sein kann, Ökologie und Ökonomie unter einen Hut zu bringen. «Biodiversität und viel produzieren, das beisst sich eigentlich. Einerseits möchte man effizient und ökonomisch arbeiten und möglichst viel produzieren, gleichzeitig ist man verpflichtet, zu mehr Biodiversität beizutragen», sagte er und erklärte, dass viele Landwirte ihre Flächen aufteilen, um beidem gerecht zu werden. Dass sich Ökoflächen mit unterschiedlichen Pflanzen lohnten, sei unbestritten. «Pro Pflanzenart finden rund zehn Insektenarten einen neuen Lebensraum», sagt Ueli Dolder. Wunsch der LaKo ist es darum, dass auf dem Pachthof künftig zusätzliche Ökoflächen entstehen.

300 Solarpanels und ein neuer Liegebereich

Auf Ökologie wurde auch beim Um- und Neubau viel Wert gelegt. So wurde die bestehende Scheune, das sogenannte Ökonomiegebäude, aufgewertet, neu isoliert und mit einem Mistschieber ausgestattet, der mit dem neuen Anbau, dem Liegebereich der Mutterkühe, verbunden wurde. Güllegrube und Miststock mussten sinnvoll und passend geplant und umgesetzt werden. Der 70 Meter lange Mistschieber, der für die Planer und in der Umsetzung eine Herausforderung darstellte, erleichtert nicht nur die Arbeit des Pächterpaars, sondern ist auch der Gesundheit der Kühe zuträglich. Da der Boden damit schnell und einfach sauber gehalten werden kann, sind die Tiere weniger anfällig auf Krankheiten wie etwa Klauenfäule.

Auf dem Dach des Neubaus und dem Ökonomiegebäude wurde eine Solaranlage installiert. Insgesamt 300 Panels sind auf den beiden Dächern verbaut worden.

Pfannenstieler Kreisssaal

Seit einem Jahr sind Anna Voggensperger und Marco Staub nun auf dem Hof. Anders als ihre Vorgänger betreiben sie einen Mutterkuhbetrieb und halten keine Milchkühe. Platz haben sie für 28 Kühe und ihre Kälber. Der Stall bietet zusätzlich Platz für acht «Teenager», also jene Rinder, die für die eigene Jungzucht eingesetzt werden, und verfügt quasi über einen eigenen Kreisssaal, die Abkalberbox. «Hier haben die kalbernden Kühe mehr Ruhe, können sich ein paar Tage vor der Geburt auf die Niederkunft vorbereiten und sich danach gemeinsam mit dem neugeborenen Kälblein erholen», sagte Marco Staub. «Nach zehn Monaten bei der Mutter findet ein natürlicher Abnabelungsprozess statt, die Mutterkuh fühlt sich nicht mehr für das Kalb verantwortlich. Die Kälber werden dann entweder für die Zucht weitergegeben, wir setzen sie für die eigene Jungzucht ein oder sie gehen in die Fleischproduktion zum Metzger», sagte er weiter. Neben den Kühen gibt es auf dem Hof Hühner, Enten und Zwerggeissli.

Wichtig für die Arbeit auf dem Hof sind die Maschinen. Ein Traktor, ein Frontmähwerk mit Drehwerk, ein Motormäher mit Balken, ein Schwader, ein Ballenwerk, ein Ladewagen und der Heukran sowie der oben erwähnte Mistschieber erleichtern die Arbeiten auf dem Hof.

Zmittag vom Grill und Geschenke

Nach der Führung lud die Gemeinde zu Wurst, Salat und Getränken, bevor Gemeinderat Alain Chervet in einer Ansprache alle Gäste begrüsste und über die Geschichte und Zukunftsvisionen des Pachthofs informierte. Zum Schluss überreichte er dem Pächterpaar im Namen der Gemeinde Meilen ein Geschenk und die besten Wünsche für gutes Gelingen.

Eine Wanderung mit Mehrwert

Begonnen wurde der Landschaftsumgang übrigens wie gewohnt bei der Linde am Bahnhof Meilen. Von dort gings mit dem Bus bis zur Haltestelle Roren und zu Fuss über den Hirzenberg via Jakob-Ess-Weg zum Pachthof am Herrenweg 375. Es war eine abwechslungsreiche Wanderung mit fachlichem Input durch Hanspeter Tschanz von der Fachstelle Naturschutz des Kantons Zürich. Er informierte über die ökologischen Auflagen, unter denen die neuen Pächter ihre Parzellen bewirtschaften müssen, da diese an Standorten mit grossem Potenzial für artenreiche Magerwiesen oder -weiden liegen. Er erklärte, welche Pflanzen für die Biodiversität wichtig sind, wie Naturschutzprojekte vor Ort umgesetzt werden können und was eine Magerwiese oder Magerweide ist, wie sie aufgewertet werden kann und wie sie zu bewirtschaften ist.

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