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Neulich in Meilen: Kriminal-Tango

Neulich trank ich mein Bier in der Bar und kam mit Jimmy ins Gespräch. «Hazy Osterwald wäre dieses Jahr hundert Jahre alt geworden.» – «War ein Grosser.» – «War ein Meilemer!» – «Der wohnte doch in Feldmeilen, oder?» – «An der Bünishoferstrasse. Musste seine Villa verkaufen.» – «Es war die Scheidung, die ihn teuer zu stehen kam, nicht wahr?» – «Die war bestimmt nicht gratis», sagte ich.

Nach einer Pause fuhr Jimmy fort:  «Die Ex muss ihn ausgenommen haben wie eine Weihnachtsgans.» – «Ja, sagt man. Habe aber auch gelesen, dass er ohnehin schon in finanzieller Schieflage war.» – «Er musste die ganze Hütte verkaufen.» Jimmy war an das rückwärtige Desk neben der Kaffeemaschine gelehnt und blickte in den Raum. «Samt Inventar sogar!», sagte ich. «An einem bestimmten Tag gab es eine Art open house, und alle konnten durch die Räumlichkeiten laufen und die Einrichtung kaufen.» – «Im Ernst?» Nun schaute er zu mir. «Hat mir jemand erzählt, der damals vorbeigegangen ist», erklärte ich ihm. – «Muss bitter gewesen sein.» – «Vor allem war Hazy selber dabei! Hat die Leute begrüsst und Unterschriften verteilt.» – «Auweia. Das könnte ich nicht: Freundlich lächelnd dabei stehen, wenn sie mir das Haus unterm Arsch wegkaufen.» – «Ich nehme mal an, dass er auch nicht gerade Tango dazu getanzt hat», sagte ich, hob mein Glas an die Lippen und liess nun auch meinen Blick durch den Raum schweifen.

«Ob ihn diese Bar hier zum Kriminal-Tango inspiriert hat?» – «Wie kommst du darauf.» – «Naja, ‘dunkle Gestalten, rote Laterne’ …» – Jimmy legte den Kopf schräg. «Aber da ist kein Jackie Brown und auch keine Baby Miller.» – «Also, die da», ich zeigte auf eine Lady am Ende der Theke, «die würde eine gute Baby Miller abgeben.» – «Trotzdem, ich glaube nicht, dass diese Bar ihn zum Song inspiriert hat.» – «Wieso nicht?» – «Nun, zum einen fehlt ‘der Herr mit dem Kneifer’», sagte Jimmy mit verschränkten Armen. «Vor allem aber: diese Bar gab’s noch gar nicht, als Hazy den Song schrieb.» – «Ok, das ist ein Argument», musste ich zugeben. Jimmy deutete auf mein leeres Glas. «Ich nehme an, du nimmst kein zweites mehr, oder?» – «Richtig», antwortete ich und zahlte. «Dann bis nächste Woche.» – «Ja, bis in einer Woche!» Ich trat in die noch junge Nacht hinaus und summte leise: «Und sie tanzten einen Tango, Jackie Brown und Baby Miller …»

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