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Neulich in Meilen: Corona, Baby!

Neulich, ich sass an der Bar und trank mein Bier, da schob mir mein Nachbar seine Zeitung hin, hielt den Finger auf einen Artikel und sagte: «Auch so ein Corona-Effekt.»

Ich las die Überschrift: «590 Babys! Geburtenrekord im Spital Männedorf.» – «Ist das nicht einfach weil immer mehr Leute an die Goldküste ziehen?» – «Ach was! Junge Menschen können es sich doch kaum mehr leisten, hierher zu ziehen. Nein, das ist Corona!» Ich blieb skeptisch und schaute offensichtlich auch so drein. Was meinen Nachbarn zum Nachdoppeln veranlasste. «Ich meine, ist doch klar. Man ist mehr zu Hause, arbeitet im Home Office oder man darf gar nicht arbeiten. Das bringt einen doch auf andere Gedanken.» – «Du meinst, die Liebeshormone kommen mehr zum Zug?» Mein Nachbar nickte kräftig. «Irgendwann kommt auch auf Netflix nichts Neues mehr, und schliesslich übernimmt Mutter Natur wieder das Steuer.»

Vielleicht hat er ja recht, dachte ich mir. Dann musste ich schmunzeln und sagte: «Das wäre dann ein neuer Anmachspruchspruch, für zu Hause: Hey – Corona, Baby!» – «Und schon entsteht ein Corona-Baby.» Er lachte und wir prosteten uns zu. Doch die Statistik liess mich nicht los. «Und du meinst wirklich, das lässt sich statistisch erhärten?» – «Da bin ich sicher. Das war schon früher so. Zu Beginn einer grossen Krise, zum Beispiel im Zweiten Weltkrieg, da gehen die Geburten zurück. Die Menschen haben Angst, sie werden vorsichtig. Aber dann steigen die Geburten wieder. Das Leben muss weitergehen.» – «Sie setzen Leben in die Welt, das dann bereit ist zu übernehmen, wenn die Krise vorbei ist.» – «Genau.»

Wieder brauchte ich einen Moment, um diesen Gedanken nachklingen zu lassen. Dann setzte ich wieder ein und sagte: «So gesehen könnte man Corona schon beinahe etwas Gutes abgewinnen. Denn das hiesse, dass die Krise uns dazu bringt, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren, nämlich auf das Geschenk des Lebens.» – «Das ist doch mal eine gute Nachricht mitten in dieser unguten Situation!» rief mein Nachbar aus. «Darauf trinken wir noch einen. Jimmy…». – «Nein, lass mal», unterbrach ich ihn. «Ich muss weiter. War aber ein gutes Gespräch!» – «Dito.» – «Bis nächste Woche, Jimmy!» – «Bis nächste Woche», hörte ich den Barkeeper mir nachrufen, als ich mit einem Lächeln auf die Strasse trat.

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