Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Meilen stellt vor: Nicole Ruckstuhl

Wer sorgt dafür, dass in Meilen alles rund läuft? Wir porträtieren Menschen, die im Dorf wirken.

Man stellt sich das eigentlich recht simpel vor: Im Wahlbüro sitzen am Abstimmungssonntag Helferinnen und Helfer, die die eingegangenen Briefe öffnen, die Stimmzettel entnehmen, sortieren und zählen. «Ganz früher wurde tatsächlich von Hand ausgezählt», weiss Nicole Ruckstuhl. Aber das war lange vor ihrer Zeit in Meilen, und die reicht inzwischen elf Jahre zurück.

2010 bewarb sie sich auf ein Inserat hin, in dem für die Gemeinde Stimmenzähler gesucht wurden. «Darauf hatte ich nur gewartet», sagt sie lachend. Denn mit dem Stimmenzählen verbindet Nicole Ruckstuhl eine lange Tradition: Schon ihre Mutter war Mitglied des Wahlbüros in Küsnacht, und als Nicole volljährig wurde, folgte sie deren Beispiel, gerade auch am neuen Wohnort: «Auf diese Weise konnte ich in Meilen ein soziales Kontaktnetz knüpfen, es gibt ein schönes Taschengeld, und ich mag die Tätigkeit an sich.»

Diese besteht zuerst darin, einige tausend Umschlänge mit den Stimmzetteln darin zu öffnen. Bereits vorher wurde durch die Verwaltung kontrolliert, ob die Stimmrechtsausweise unterschrieben sind. «Anders als viele Leute denken, wissen wir Stimmenzähler nicht, wer wie abgestimmt hat», sagt Nicole Ruckstuhl: «Wir erhalten nur die grauen, gelochten Umschläge mit den Stimmzetteln darin und können sie deshalb nicht einer bestimmten Person zuordnen.»

«Wir Stimmenzähler wissen nicht, wer wie abgestimmt hat.»

Für das Öffnen der Couverts wird seit einigen Jahren eine Maschine verwendet, für welche man ein gewisses Händchen haben muss, denn es ist zentral, dass kein Stimmzettel einen Schaden davonträgt. Vor allem darf nichts von den Zetteln abgeschnitten werden. Denn: Heute werden die Stimmen nicht mehr gezählt, sondern man wägt sie und ermittelt so das Resultat; der Einsatz von Präzisionswaagen zum Stimmenzählen ist seit 2003 offiziell vom Bundesrat erlaubt. «Ist das Papier zu leicht, weil beim Öffnen des Umschlags eine Ecke abgeschnitten wurde, wird das Endergebnis der Abstimmung verfälscht», erklärt Nicole Ruckstuhl. Auch Stimmzettel, die mit Klebestreifen geflickt worden sind, müssen separat gezählt werden, denn sie sind schwerer, als sie sein dürfen.

Sind die Zettel aus den Umschlägen befreit, wird sortiert: Ja, nein, leer, ungültig. Das geschah bis vor der Corona-Pandemie ausschliesslich im Gemeinderatssaal, jetzt sind die rund zwölf jeweils im Einsatz stehenden Stimmenzähler auf mehrere Räume verteilt. Gearbeitet wird ruhig und konzentriert. Wahlhelfer müssen korrekt, zuverlässig und vertrauenswürdig sein, und einen guten Leumund haben: «Es ist immer friedlich», sagt Nicole Ruckstuhl. Am vorletzten Sonntag schaute erstmals kurz die Gemeindepolizei vorbei, «weil es halt eine spezielle Abstimmung war mit dem Covid-Gesetz».

Steht manchmal auch etwas Amüsantes auf den Stimmzetteln? – «Höchstens mal ein Nein mit drei Ausrufezeichen oder einfach ein Fragezeichen, einen Gruss an die Wahlhelfer habe ich noch nie gesehen.»

Sind die Zettel sortiert, werden 100er-Stapel abgezählt. Die halbkreisförmigen Aussparungen am Rand sind übrigens bei jeder Vorlage an einer anderen Stelle, so dass man auf einen Blick sieht, wenn ein Stimmzettel am falschen Ort gelandet ist. Die Stapel gehen dann in die Verwaltung und werden gewogen, und aus dem Gewicht wird die Stimmenzahl ermittelt.

«Ein Zettel mit Klebstreifen oder abgeschnittener Ecke verfälscht das Resultat»

Meist ist der Job am frühen Nachmittag erledigt. Dann geht Nicole Ruckstuhl nach Hause zu ihrer Familie, verrät aber nichts über ihre Prognose betreffend Resultat, denn das ist verboten. Auch nach unserem Gespräch wird sie nach Hause eilen: «Ich habe Guetzliteig vorbereitet.» Die gelernte Konditorin/Confiseurin pröbelt und backt leidenschaftlich gerne, aktuell vor allem verschiedene Brote, aber auch ihr Tiramisu nach eigenem Rezept ist berühmt. Eigentlich wäre es jetzt auch die Zeit, wo sie jeweils als «Samichlausgehilfin» mit dem Samichlausbus unterwegs ist und dabei mit Kindern spielt und ihnen vorliest – wegen der Corona-Pandemie fällt dieses Engagement jedoch, leider, auch dieses Jahr aus.

Steckbrief

Nicole Ruckstuhl, 42, verheiratet, 2 Buben (11- und 14-jährig)

Tätigkeit: Mitglied des Wahlbüros (Stimmenzählerin) bei der Gemeinde Meilen

Wohnort: Meilen

Hobbys: Backen, Garten, Wandern

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