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Ein zum Klavierrezital mutiertes Bach-Programm

Der weit gereiste Pianist und Komponist Benjamin Engeli fackelte nach der Krankmeldung von Protagonistin Annette Bartholdy – sie hätte im Bach-Programm die Bratsche spielen sollten – nicht lange.

Er erklärte sich kurzerhand bereit, ein Soloprogramm mit Werken von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Frédéric Chopin und Ludwig van Beethoven zu realisieren.

Furioses Meisterwerk

Das 1841 entstandene Meisterwerk von Felix Mendelssohn-Bartholdy, die Variations sérieuses d-moll op. 54, wird vielfach als seine beste Klavierkomposition eingestuft. Benjamin Engeli erwies sich in allen Teilen als klanglich sensibler Interpret. Anklänge an Schumann’sche Tasten-Handhabung (die beiden Komponisten schätzten sich ausserordentlich!) vermochten ebenso zu gefallen wie die Fugato-Struktur und die Überleitung zum verhaltenen Dur-Choral. Das furiose Finale liess der Künstler partiturgerecht in feinem Diminuendo ausklingen – man war ehrfürchtig begeistert.

Vertrackte Sonate

Es folgte Frédéric Chopins Sonate Nr.2, h-moll op 35. Der damals in Frankreich lebende Komponist schrieb seine zweite Klaviersonate in den Jahren 1839/1840. Die Sonate gilt als vertrackt, viele der gängigen Form- und Harmoniegesetze sprengend. Bezeichnend hiefür steht Robert Schumanns Rezension von 1840: «So fängt nur Chopin an und so schliesst nur er: mit Dissonanzen durch Dissonanzen in Dissonanzen.» Benjamin Engeli hat einhörbar Zugang zu diesen «schwierigen» Verhältnissen!

Nach mächtig-gewichtigem Einstieg liess er seinen behänden Fingern akrobatisch-freien Lauf, um satte Legato-Akkorde folgen zu lassen. Ebenso vielfarbig gestaltete  er den «alten Schunken» «marche funèbre»: Im finalen Presto liess der Interpret Behändigkeit und fulminante Schlussakkorde aufblitzen.

Unorthodoxe Komposition

Ludwig van Beethovens Sonate E-Dur op. 109 passte mit ihrer Unorthodoxie der Kompositionsanlage gut in die Programmcharakteristik. Die pianistische Handhabung ist partiell reduziert, die Dimension wesentlich kleiner geworden, gesamthaft einem schlichteren Stil à la Haydn frönend. Für Benjamin Engeli ein gefundenes Fressen: Seine Versiertheit in allen Belangen liess die späte Beethoven-Sonate in etlichen Schattierungen durch den Kirchenraum gleiten, das Beethoven’sche Machwerk glänzte förmlich. Es kann von feinster Anschlagskunst berichtet werden, die in der stürmisch erklatschten Dreingabe, dem Impromptu Ges-Dur op.90 D.899 von Franz Schubert, nochmals genossen wurde.

Man merke sich schon jetzt das Datum der nächsten Jahreszeit-Veranstaltung: Am 4. September spielt das Trio Rafaele Werke von J. Haydn, D. Schostakowitsch und F. Mendelssohn-Bartholdy.

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