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Direkte Hilfe dank direkten Kontakten

Am 15. Januar wurde der südpazifische Inselstaat Tonga nach einem Vulkanausbruch von einem Tsunami heimgesucht – mit katastrophalen Folgen. Der Meilemer Luka Müller ermöglicht Hilfe vor Ort und gründete deshalb gemeinsam mit seiner Frau Sandra Studer und dem ehemaligen Schweizer Botschafter auf Tonga den Verein Help Tonga Switzerland.

Tonga besteht aus über 170 Inseln, 36 davon sind bewohnt. Die ganze Welt war entsetzt, als vor vier Wochen der Unterwasservulkan Hunga Tonga-Hunga Ha’apai ausbrach. Es folgten ein gewaltiger Tsunami und eine riesige Aschewolke. Die Eruption zerstörte Häuser und ganze Gemeinden; jeder Grashalm, jedes Lebewesen auf Tonga wurde von einer dicken Ascheschicht bedeckt. Jegliche Kommunikationswege waren unterbrochen.

Einsatz seit vielen Jahren

Sofort gingen Hilfsangebote aus der ganzen Welt ein, die allerdings wegen der Corona-Pandemie nur schwer in die Tat umgesetzt werden konnten. Fremde sollten die Insel, die bis anhin dank strikten Restriktionen vom Virus verschont geblieben war, erst gar nicht betreten. Hilfsgüter durften nur mit einem Kran von den Schiffen auf die Insel gehievt werden, möglichst ohne direkten Kontakt von Mensch zu Mensch.

Der Meilemer Luka Müller, Ehemann der Moderatorin und Sängerin Sandra Studer, hat einen besonderen Draht zu Tonga: Sein Urgrossvater hat eine Einheimische geheiratet und sich auf Tonga niedergelassen; sein Grossvater und Vater sind auf der Insel geboren. Vor 18 Jahren hat er in Tonga einen Familientrust gegründet, der sich nun schon seit vielen Jahren mit diversen Projekten für den Inselstaat einsetzt. So investierte er in Solaranlagen, unterstützt Landwirtschaftsprojekte, finanziert Ausbildungen und hilft seiner Familie vor Ort. Es leben noch heute viele Cousins, Onkel und andere Familienmitglieder auf Tonga. Seit 2019 ist Luka Müller Honorarkonsul des Inselstaates.

Erst acht Tage nach der Naturkatastrophe gelang es Luka Müller, telefonischen Kontakt mit seinen Verwandten aufzunehmen. Deren Schilderungen liessen ihn nicht lange zögern: Gemeinsam mit seiner Frau und dem ehemaligen Schweizer Botschafter für Tonga, Dr. David Vogelsanger, gründete er den Verein «Help Tonga Switzerland» (HTS), um den vielen betroffenen Menschen auf der Insel zu helfen. «Es war uns wichtig, diese Soforthilfe von unseren schon bestehenden Projekten zu trennen. Unserer Familie in Tonga helfen wir privat über den Trust. Was wir mit Help Tonga einnehmen, geht an die allgemeine Bevölkerung.», versichert Luka Müller. Und wichtig ist ihm, zu betonen: «Alle Verwaltungs- und Organisationskosten decken wir persönlich. Jeder gespendete Franken kommt also vollumfänglich den Menschen in Tonga zugute.»

Synergien nutzen

Die persönlichen Beziehungen zum Inselstaat sind jetzt von grossem Nutzen und unglaublich wertvoll. «Tonga ist nicht einfach zu erreichen. Dank unseres langjährigen Engagements können wir auf Vertrauenspersonen vor Ort setzen, mit denen der Trust schon seit Jahren zusammenarbeitet. Die Hilfe kann so schneller und effizienter koordiniert werden», sagt Luka Müller. Die direkten Kontakte zu Menschen, die auf Tonga leben, helfen besonders auch angesichts der Corona-Problematik sehr.

Unterstützt wird HTS zudem von Hayden Braddock, der die Projekte des Trusts in Tonga koordiniert und überwacht, und von Müllers tongaischer Cousine Clairlene Müller. Beide leben in Neuseeland. Obwohl die zwei Organisationen unabhängig voneinander sind, ist es sinnvoll, Synergien zu nutzen. Der neu gegründete Verein kann vom Know-how des Trusts profitieren.

900 Haushalte mit Brot und Trinkwasser versorgt

Eine erste Hilfestellung wurde bereits umgesetzt: Eine Bäckerei vor Ort konnte dem Tsunami standhalten. Auch der Lagerraum für das Mehl ist unbeschadet. «Wir haben dem Betrieb die Produktion abgekauft. So behalten die Arbeiter ihren Job und ihren Lohn, und die Einheimischen können mit frischem Brot und Trinkwasser versorgt werden. Letzteres dank Wasserreinigungsgeräten, die wir normalerweise für unsere Kavaplantage – ein Projekt des Trusts –  verwenden», sagt Luka Müller. Insgesamt 900 Haushalte können so beliefert werden, 200 pro Tag.

Hilfe soll langfristig sein

Die Hilfe vor Ort wird phasenweise angegangen und soll langfristig helfen. Nun folgt Unterstützung bei den Reinigungsarbeiten. Wasserstahlgeräte, Gebläse, professionelle Reinigungsgeräte, Abfalleimer, Schaufeln und weiteres Material werden beschafft und vom neuseeländischen Auckland per Container transportiert. Reparaturmaterial für zerstörte Solaranlagen und neue Solarinstallationen für die Stromversorgung werden in dieser Phase ebenfalls organisiert und installiert.

In Phase drei steht der Aufbau einer nachhaltigen Wasserversorgung aus Quell- und Regenwasser auf dem Plan. «Die Situation ist prekär. Auch weil das Land wegen erster Covid-Fälle in den Lockdown musste. Abgesehen davon, dass viele Menschen obdachlos geworden sind, fehlt es jetzt akut an Nahrung und Trinkwasser», sagt Sandra Studer, die gemeinsam mit ihrem Mann und den Kindern schon zweimal im Pazifikstaat zu Besuch war. «Ich habe grossen Respekt vor den Menschen auf Tonga. Sie leben intensiv mit der Natur und dem Bewusstsein, dass diese Natur manchmal zerstörerisch sein kann. Wie schon vor vier Jahren, als der Wirbelsturm Gita alles plattmachte. Die Menschen sind bewundernswert positiv und resilient. Vielleicht nicht zuletzt auch wegen ihrem starken Glauben. Den erlebt man eindrücklich in den traditionellen Gottesdiensten. Etwas vom Schönsten, was ich in Tonga gesehen habe.»

Nun hofft sie, dass auch dank der Hilfe von HTS die unbeschwerten Zeiten bald zurückkehren.

Help Tonga Switzerland (Verein zur Unterstützung von Tonga), UBS, 6300 Zug, IBAN: CH12 0027 3273 1866 7101U.

www.helptonga.ch

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