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Der Uetiker Mühleweiher zum Vergleich

«Meilens Weiher» als Serientitel mag in diesem Fall klingen, als wollten wir uns an Uetiker Gewässern vergreifen. Dies ist aber nicht beabsichtigt. Der Grund, einen Uetiker Weiher hier mit zu berücksichtigen ist der, dass der Äussere Dollikerbach von Uetikon her fliesst, und zwar bis heute von diesem noch existierenden Weiher her.

Der «auswärtige» Weiher ist zudem vorzeiten zusätzlich über eine Röhre mit Wasser aus dem Meilemer Beugenbach gespiesen worden. Betrachten wir den Mühleweiher in seiner heutigen Gestalt, so fällt seine sehr unregelmässige Form auf.

In der östlichen Hälfte wird er durch eine Art Landzunge unterteilt. Bei der nördlichen Mini-Bucht handelt es sich um einen Schlammfang. Dieser hat zum Zweck, das Schwemmmaterial so zurückzuhalten, dass es periodisch entfernt werden kann. Das Wasser fliesst dann vom Schlammfang in den Hauptteil des Weihers. Die südliche Mini-Bucht bildet einen wechselfeuchten Bereich, der sich anfangs natürlich gebildet hat und später noch ökologisch aufgewertet wurde.

Ein Problem bereitet die Wasserpest Elodea canadensis, ein invasiver Neophyt, der sich in Europa rasend verbreitet. Zwar reagiert er empfindlich auf Kälte, aber diese trifft nicht jeden Winter im nötigen Ausmass auf. Am ehesten wirkt sie, wenn dafür das Wasser des Weihers abgelassen wird, was beispielsweise im Winter 2021/22 der Fall war.

Seine Geschichte

Nun aber zur langfristigen Geschichte des Weihers. An dem schon sehr unterschiedlich benannten Bach, der auf Meilemer Gebiet Äusserer Dollikerbach heisst, gab es seit Alters her eine Mühle und später eine Messerschleiferei. Schon ein Vertrag von 1566 befasste sich zum Zweck des Mühlebetriebs mit einem Wasser-Durchleitungsrecht, und am Wohnhaus, in dessen Untergeschoss sich einst die Mühle befunden hat, ist die Jahreszahl 1586 eingemeisselt. Im Jahre 1832 wurde ein neues Mühlegebäude unterhalb des Wohnhauses erstellt und eines der drei Wasserräder dorthin versetzt. Damals erhielt der Inhaber auch eine neue Wasserrechtskonzession. Ob der Weiher einen natürlichen Ursprung hat (die unregelmässige Form könnte darauf schliessen lassen), gerade damals neu erstellt wurde oder schon vorher bestand, ist uns nicht bekannt.

1893 erhielt Julius Pfenninger sen., Messerschmied aus in Uerikon/Stäfa, als Besitzer der schon damals ehemaligen Mühle die Konzession, aus dem Weiher durch eine 110 m lange eiserne Leitung Wasser zu seiner Schmiede auf eine neu zu erstellende Turbine und von dort wieder in den Grossdorfbach (in Meilen eben der Äussere Dollikerbach) zurück zu leiten. Dabei blieb auch hier dem Staat bzw. dessen Pächter das alleinige Recht gewahrt, im Weiher das Fischereirecht auszuüben. An der Höhe des Auffangwuhrs (Staudammes) und damit des Wasserstandes änderte sich gegenüber der Vorgängerkonzession von 1832 nichts.

Die Messerschleiferei

In dieser bis um etwa 1930 bestehenden Messerschleiferei wurden Messer nicht nur geschliffen, sondern auch hergestellt: so Tafelmesser, Taschenmesser, ganze Essbestecke, dazu Rasierklingen und -apparate, «sämtliche Werkzeuge für Obstbau» etc. bis zum Rasenmäher – alles aufgeführt im Firmenkatalog, den das Ortsmuseum Uetikon aufbewahrt. Nach der Schleiferei nutzte eine Weile auch noch eine mechanische Werkstatt den Weiher mittels einer Turbine.

Im nächsten Beitrag kehren wir für eine neue Art von Weihern und Tümpeln wieder  nach Meilen zurück.

 

 

Der Uetiker Mühleweiher in Kürze

Ursprung: Mühle-, dann Fabrikweiher

Typus: Kanalweiher

Lage: bergseits Mühleweg bzw. -strasse und Bachweg in Uetikon

Höhe über Meer: 442 m

Fläche: ca. 12 a

Heutige Funktion: Zierweiher

Zustand: bestens gepflegt und vielfach besucht; problematisch der Neophatenbefall

 

www.schweizersee.ch/mueliweiher_uetikon

 

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