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Der Bruderhalweiher

Einst, aber noch im 20. Jahrhundert, gab es eine Zeit, da im Gebiet des Beugenbachs gleichzeitig gleich drei Weiher bestanden, alle ursprünglich im Zusammenhang mit der Firma Häny bzw. deren Vorgängern, und so wurden sie auch Häny-Weiher genannt.

Etwas schwierig ist es, die genaue Entstehungszeit der drei Weiher zu eruieren, denn die Aktenlage ist eher prekär. So wissen wir zwar, von wann der älteste Weiher stammt, aber nicht zwingend, welcher es ist. Anders als beim Dorfbach beginnen wir hier beim obersten, dem Bruderhalweiher, weil wir ihn für den ältesten halten.

Bereits 1850 auf der Karte verzeichnet

Erstaunlicherweise fällt der Name Bruderhalweiher in kantonalen Akten erst in einem Regierungsratsbeschluss von 1947(!). Dabei ist er bereits auf der berühmten Wild-Karte von zirka 1850 verzeichnet (und nicht erst, wie das AWEL meint, auf der Siegfriedkarte von 1880). Dieser Weiher, gelegen bergseits der heutigen Charrhaltenstrasse beim Flurnamen «Wasenplatz», ist erstaunlich weit vom Standort der Fabrik entfernt, was zwar ein schönes Gefälle ermöglicht, aber auch lange Zuleitungen erforderte. Urkundlich taucht der Weiher 1868 wegen Dammbruchs in einem Meilemer Gemeinderatsprotokoll auf; sein Unterhalt wurde bei den damals ständigen Besitzerwechseln anscheinend vernachlässigt – vielleicht, weil es unterdessen bereits eine Alternative gab.

Der vorerst illegale erste Fabrikweiher

Was war denn gemäss Wasserrechtsakten der Anfang? 1816 ersuchte Heinrich Amsler, Gemeinderat und «Sonnen»-Wirt, die Regierung um eine Konzession dafür, mit einem Wasserrad «unsere bereits existierende Baumwollen Manufactur zu erleichtern und zu befördern». Denn diese verfügte bisher nur über ein «sehr leichtes Wasserwerk», das den Fabrikanten öfters gezwungen habe, mangels Wasser den Betrieb zu unterbrechen und die Arbeiter «geschäfte- und brotlos stehen lassen zu müssen». Nun erhielt er die «hochobrigkeitliche» Bewilligung, «an dem sogenannten Beuggerbach auf dem von ihm erkauften Stück Land ein Waßerwerk zu Betreibung einer mechanischen Spinnerey zu errichten». Dabei sollte das Wasser beim Wasserfall (direkt bei der heutigen Hängebrücke) gefasst und in anscheinend offenen «Kengeln» auf das Rad geführt werden. Dafür musste Amsler einen Zins in der Höhe von «zwey Mütt Kernen» (165 Litern Getreide) zahlen.

Erst 1824 wurde wegen einer Klage des nicht gerade befreundeten Zigerreibe-Inhabers weiter unten am Bach ruchbar, dass Amsler unterdessen eigenmächtig sowohl einen «Waßersammler [=Weiher]» angelegt als auch die Wasserleitung neu «in Deucheln» [Tücheln, also Röhren aus ausgehöhlten Baumstämmen] geführt hatte. Der Regierungsrat bewilligte dann Amsler, allerdings unter Auflagen, die Beibehaltung der Anlage. Die grosse Entfernung zur Fabrik könnte eine Erklärung dafür sein, dass die Erstellung des Weihers nicht sofort bekannt wurde. Nochmals: Welcher Weiher das war, wird nicht genannt, und dass es der Bruderhalweiher war, ist nur eine Annahme – man beachte zusätzlich die Ausführungen bei den folgenden Beugenbachweihern.

Ein Fabrikweiher verliert seine Funktion

Der Bruderhalweiher jedenfalls fällt auf durch seine fast rechteckige Form und die hohen Dämme, was beides den künstlichen Aspekt der Anlage betont. Ursprünglich durch einen Zulaufkanal vom Püntenbach her gespeist, verfügte er auch über einen Abfluss zu diesem und war trotz seiner Künstlichkeit noch Mitte des letzten Jahrhunderts eindeutig eine beschauliche Zier der Landschaft, jedem durch den Wald streunenden Buben bekannt.

Die 1885 nach Meilen gekommene Firma Häny als Nachnachfolgerin des Fabrikgründers war schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts durchs Netz gespiesen elektrifiziert, brauchte also den Weiher für die Produktion längst nicht mehr. So anerbot sie sich schliesslich 1988, das sehr sanierungsbedürftige Gewässer der Gemeinde Meilen «schenkungsweise abzutreten». Dazu war der Gemeinderat gerne bereit, denn die Bevölkerung würde dies «zu schätzen wissen» – von Tieren war damals nicht die Rede. Aber es kam erst fünfviertel Jahre später zu einem Kreditbeschluss für die Sanierung, was Eduard Häny verschnupft als «hinhaltend» bezeichnete und deswegen sein Angebot wieder zurückzog. 1990 erfolgte dann die Abtretung doch noch – jetzt allerdings an den Kanton.

Eldorado für Amphibien, aber kaum eine Zier

Seither ist dessen Fachstelle Naturschutz Eigentümerin des Weihers und für dessen Unterhalt zuständig. Das alte Wasserrecht wurde 2008 gelöscht, da man am Bachzu- und -ablauf und an den Dämmen aufwändige Arbeiten hätte ausführen müssen. So wurde die Fassung am Püntenbach geschlossen, und der nunmehrige Tümpel, stark verlandet, da nur noch durch Regen- und einsickerndes Hangwasser gespiesen, ist dicht bewachsen von Schilfröhricht und Schachtelhalmen. Damit ist er gut geeignet als Laichgewässer für Wasserfrösche, Erdkröten, Unken und Molche, ja gilt sogar als Meilens «bedeutungsvollster Amphibienstützpunkt».

Gegen diese Funktion ist natürlich überhaupt nichts einzuwenden. Hingegen stellt der Weiher keineswegs mehr eine Augenweide für Meilens Bevölkerung dar, für welche ja die Gabe gedacht war. Ob sich menschliche und amphibische Bedürfnisse nicht miteinander verbinden liessen? Der Weiher muss ja nicht zwingend zum Schlittschuhlaufen benützt werden können, wie dies einst im Winter für Kinder und Jugendliche der Fall war.

Der Bruderhalweiher in Kürze

Ursprung: Fabrikweiher

Typus: Kanalweiher

Heutige Funktion: Tümpel für Amphibien

Lage und Zugang: zwischen Charrhalten- und Püntenstrasse

Fläche: 13 a

Höhe über Meer: 549 m (frühere Angaben: 556 m)

Zustand: am Verkrauten und Verlanden

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