Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Zu den Agrarinitiativen

Endlich durften wir ein Musterbeispiel für eine funktionierende Marktwirtschaft kennen lernen: die Landwirtschaft in der Schweiz.

Wie konnte ich das so lange übersehen? Die Milliarden-Subventionen der Steuerzahler (80% davon für unsere überglücklichen Nutztiere) sind ja gar keine Kosten, sondern einfach eine Investition und effizient dazu. Um die überdüngten, Pestizid-belasteten Böden und Gewässer, Antibiotikaresistenz, Artensterben etc. können sich unsere Kinder dann kümmern: die sollen auch etwas für das Gemeinwohl tun. Und mit den vielen Tonnen importierter Futtermittel, Dünger und Treibstoffe setzt sich die konventionelle Schweizer Landwirtschaft ja für den offenen Welthandel ein – und stellt gleichzeitig unsere nachhaltige, hohe Selbstversorgung unter Beweis.

Wow! Da spielt es glatt auch keine Rolle mehr, dass Fleisch, Milchprodukte und Eier die Böden, Gewässer und das Klima insgesamt viel stärker belasten als pflanzliche Nahrungsmittel. Der objektive Vergleich mit der DDR soll auch nicht durch belanglose Ähnlichkeiten der beiden Länder verwässert werden wie der interessenskonfliktfreien Zusammenarbeit von Staat und Industrie: Gott sei Dank sitzen bei Agroscope, dem eidgenössischen Zentrum für landwirtschaftliche Forschung, in wichtigen Positionen zufällig gleich mehrere «Ehemalige» des Agro-Chemie-Konzerns Syngenta, der übrigens einem der grössten Chemiekonzerne in China gehört.

Toll, wie sehr sich unsere Landwirtschafts- und Chemie-Vertreter, angeführt von einem echten Ritter (!), nun sogar im Ausland um Umweltschutz sorgen. Garantiert ist es darum «fake news» oder einfach Zufall, dass sie im Schweizer Parlament kürzlich eine Vorlage zum schrittweisen, verbindlichen Abbau der Pestizidbelastung zu Fall gebracht haben. 

Übrigens: von moderner, nachhaltiger Landwirtschaft mit Zukunft verstehe ich natürlich genauso wenig wie unsere Brunnenmeister und die Hunderten Bäuerinnen und Bauern in unserem Land, die sich trotz Drohungen für die Trinkwasser- und Pestizid-Initiativen einsetzen.

 

xeiro ag