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«Wolkenbruch» in der Kirche

Dem fulminanten Anfang folgte ein fulminantes Ende. Mit dem Film «Wolkenbruch», der in der reformierten Kirche in Anwesenheit des Produzenten Hans Syz gezeigt wurde, ging die diesjährige Winterreihe «Erwartungen» fürs Erste zu Ende.

  • Jaël führt Motti in Israel in die Geheimnisse der Liebe ein. Fotos: zvg

  • Produzent Hans Syz stellte seinen Film in der reformierten Kirche persönlich vor. Foto: Heinrich Boxler

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Einleitend gab Hans Syz Einblicke in die Arbeit des Filmproduzenten. Als er auf das Buch «Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse» gestossen sei, habe er als ehemaliger Kameramann gleich erkannt, dass sich die Geschichte für einen Film bestens eigne. Da heisse es dann, rasch zu handeln und sich die Rechte am Stoff zu sichern, bevor andere darauf stossen. Sogleich sei auch festgestanden, dass bei dem besonderen Stoff am ehesten der Buchautor Thomas Meyer selbst das Drehbuch schreiben solle. Der erfahrene Produzent stand ihm in filmtechnischen Gestaltungsfragen zur Seite. 

Als Regisseur konnte Michael Steiner gewonnen werden. Während der Produzent jeweils für die gesamten Bereitstellungs- und Finanzfragen zuständig ist, sorgt der Regisseur für die kreative Umsetzung. Nach Bedarf nimmt er auch Einfluss auf das Drehbuch. Voraussetzung für ein geglücktes Filmprojekt sei, dass der Produzent daran wirklich interessiert ist. Hans Syz' Begeisterung für diesen Film war denn auch durchwegs spürbar.

Der Film

Nach der Einführung wurde der Film gezeigt. Die Mutter des 25-jährigen Mordechai Wolkenbruch findet, es sei höchste Zeit, dass ihr Sohn eine jüdische Frau heirate. Bereits hat die Mame (Mutter) sieben Treffen mit möglichen Heiratskandidatinnen arrangiert. Aber Motti, wie Mordechai genannt wird, will nicht anbeissen. Es fällt ihm umso schwerer, als er sich an der Universität in Laura, eine Schickse, das heisst in eine Nichtjüdin, verliebt hat. Schon schöpft die Mutter neue Hoffnung, sie sei mit Michal Süskind an ihrem Ziel angelangt. Sie weiss nicht, dass sich Michal und Motti abgesprochen haben, Liebe vorzutäuschen. Beide hoffen, auf diese Weise endlich Ruhe zu bekommen. 

Als die Mutter erfährt, dass sich ihr Motti mit einer Schickse eingelassen hat, bricht für sie eine Welt zusammen. Er wird zum Rabbi geschickt, der einen Aufenthalt in Israel empfiehlt. Motti soll mit einer geeigneten Braut zurückkehren. Stattdessen gerät er dort an eine attraktive Frau, die ihn in die Geheimnisse der Liebe einführt. Nachdem Motti zurückgekehrt ist und Laura mit nach Hause gebracht hat, ist Feuer im Dach. Als er dann erst noch vorgibt, er ziehe zu einem Freund, hält ihn die Mame für schwul und wirft ihn mitsamt seinen Kleidern aus dem Haus. Er sucht Zuflucht bei Laura. Für sie kommt alles zu überstürzt. Als sie ihm deshalb erklärt, sie sei für eine Beziehung nicht bereit, ist Motti völlig zerstört. In Abweichung vom Buch bittet der Vater Motti am Telefon, zurückzukehren. Man wolle in Ruhe mit ihm sprechen. So endet der Film versöhnlich, obwohl offenbleibt, ob Motti das Angebot annimmt.

Die Geschichte einer Loslösung

Der Film gibt Einblicke in jüdische Lebensweisen. Er zeigt auf, wie sich Motti Schritt für Schritt aus engen Fesseln löst und zu einem liberalen Juden wird. Erst kauft er eine Brille, wie sie Juden gewöhnlich nicht tragen. Dann schneidet er sich den Bart, besucht eine Party, verzichtet zeitweise auf seine Kippa und bringt die Schickse Laura ins jüdische Haus. Mit diesen Aktionen führt der Film weit über das Judentum hinaus und steht für die Befreiung aus engen Erwartungen, aus denen junge Menschen ausbrechen müssen. 

Ein erfolgreicher Film

Hans Syz griff nach der Präsentation gleich die Frage auf, wie der Film in jüdischen Kreisen aufgenommen werde. Mit Genugtuung stellte er fest, dass er bei den Zürcher Juden gut angekommen sei. Kritik kam lediglich vonseiten sehr streng orthodoxer Juden. Die Filmemacher haben Wert darauf gelegt, dass bei allem Humor die jüdische Lebensweise in keinerlei Weise lächerlich gemacht wird. Falsch wäre nur der Schluss, jede jüdische Heiratsvermittlung laufe ähnlich ab. 

Hohes Lob wurde den grossartigen Schauspielern zuteil. Ob aber die köstliche Rolle der Mame (Inge Maux) nicht überzeichnet sei, wurde gefragt. Hans Syz ist der Ansicht, dass man einer solchen Mutter durchaus noch heute in Süditalien begegnen könne.

Mit bisher 350'000 Eintritten bricht «Wolkenbruch» Rekorde unter den Schweizer Filmen. Netflix hat die Weltrechte für ihn erworben. Der Film wurde von der Schweiz ins Rennen um den Oscar in der Kategorie «Bester internationaler Spielfilm» geschickt. Man hätte ihm diesen Erfolg von Herzen gegönnt.

Ein letzter vertiefender Abschluss der Winterreihe erfolgt im Gottesdienst vom 8. März. 

xeiro ag