Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

«Wir müssen uns auf unsere Innovationskraft besinnen»

Die Auswahl des Redners für die 1.-August-Rede in Meilen ist Chefsache: Gemeindepräsident Christoph Hiller lädt jeweils hochkarätige Persönlichkeiten aus Forschung, Diplomatie, Kultur, Bildung, Politik etc. ein, zu den Meilemerinnen und Meilemern zu sprechen.

  • Matthias Rebellius: «Ich war freudig überrascht, dass ich als Festredner angefragt wurde.» Foto: zvg

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2020 wird ein wichtiger Vertreter der Industrie vor die Festgemeinde treten. Matthias Rebellius ist Länderchef von Siemens Schweiz sowie COO des Bereichs Smart Infrastructure. Wir haben uns mit dem 54-Jährigen an seinem Lieblingsort in Meilen getroffen, dem Feldner «Horn», und uns mit ihm über die Vorbereitung auf seinen Auftritt, seinen Arbeitgeber Siemens und natürlich auch über Corona gesprochen. 

Herr Rebellius, wie ist Ihr Engagement als Meilemer Festredner entstanden?

Angesprochen hat mich Christoph Hiller bereits vor mehr als einem Jahr. Also sogar noch bevor ich Meilemer Bürger wurde – er war mit seiner Anfrage schneller als die Eidgenossenschaft mit der Einbürgerung selber.

Wie haben Sie reagiert?

Ich war freudig überrascht und habe keinen Moment gezögert zuzusagen. Meilen ist für meine Familie Heimat geworden, auch wenn wir unsere Wurzeln in Deutschland haben. Wir leben jetzt seit 17 Jahren hier, die Kinder waren zehn und sieben Jahre alt, als wir hierherzogen, und wir fühlen uns sehr wohl. Ich bin mir der Ehre und auch der Verantwortung bewusst, die ich mit dem Amt des Festredners übernommen habe.

Kennen Sie denn die Meilemer Bundesfeier mit ihrem typischen Ablauf von vormittäglicher Festrede, gemütlichem Zusammensitzen und abendlichem Feuerwerk?

Aber ja. Ich habe den Anlass nur in den drei Jahren verpasst, in denen wir in Amerika lebten. Die Feier ist immer etwas Besonderes, die Redner der vergangenen Jahre haben ganz unterschiedliche Bereiche abgedeckt, da freut es mich, jetzt in dieser Reihe die Industrie vertreten zu dürfen.

Hat Ihnen der Gemeindepräsident Tipps gegeben?

Er hat gesagt, ich soll bitte nicht nur über Corona reden, aber nur schon das gemütliche Beisammensein wird durch Corona wahrscheinlich etwas eingeschränkt sein. Man kommt am Thema nicht vorbei.

… und Sie als Mann der Wirtschaft, tätig auf der ganzen Welt, haben dazu ja auch sehr viel zu sagen.

Natürlich hat dieses Thema uns alle berührt, und speziell in der Wirtschaft werden wir noch einige Zeit an den Folgen zu leiden haben. Corona macht aber auch aus der Globalisierung ein Stück weit wieder Lokalisierung, man will sich unabhängiger machen von China, USA und anderen Volkswirtschaften, ohne diese Bewegung aber zu übertreiben, da wir im Gegensatz zu diesen nur über einen begrenzten Binnenmarkt verfügen. Deshalb ist eine kontrollierte und langfristig gute Zusammenarbeit mit den grossen Wirtschaftsnationen sowie der Europäischen Union entscheidend. Sie ist unser wichtigster Absatzmarkt. 

Ist Ihre Rede bereits in groben Zügen fertig? 

Ich beschäftige mich bereits seit einiger Zeit damit, Corona hat natürlich den ersten Entwurf inhaltlich noch verändert. Ein Aspekt meiner Rede wird sein, auf persönliche Erfahrungen in der Schweiz einzugehen, auch gerne mit Bezug zu Meilen. Wenn wir dann über die Industrie in der Schweiz sprechen, so macht uns die Ausstellung im Dorfmuseum über «verschwundene Industrien» in Meilen die Veränderung sichtbar. Wahrscheinlich werden einige Zeitzeugen im Publikum sitzen, die sich noch an die Fabriken im Dorf erinnern. Die De-Industrialisierung in der Schweiz ist ein Fakt und schreitet seit Jahren voran. Und trotzdem steckt darin auch etwas Positives: So beweist sie doch, dass Länder wie die Schweiz sich kontinuierlich weiterentwickeln und daraus neue Jobs im Bereich Dienstleistungen und der Digitalisierung entstanden sind. Dazu müssen wir uns weiterhin auf unsere Innovationskraft besinnen. Das gelingt auch: Wir stehen in den Rankings als innovativer und attraktiver Standort noch immer sehr gut da, und ich werde auf Beispiele eingehen, wo die Schweiz in Sachen Innovation bahnbrechend war und ist. 

Was tut Ihr Arbeitgeber Siemens für die Schweiz?

Siemens ist mehr als nur die fast 6000 Arbeitsplätze im Land. Wir haben sehr viel Wertschöpfung – «Made in Switzerland» – im Land. In den neuen Standort Zug haben wir 200 Millionen Franken investiert und damit ein Commitment zum Standort Schweiz abgegeben. Viele sind sich dessen vielleicht gar nicht bewusst, aber Siemens gibt es in der Schweiz seit 125 Jahren, und fast jeder kommt mehrfach täglich mit Produkten und Lösungen von Siemens in Kontakt: Sei es in der Gebäudetechnik, der Industrie, der Stromversorgung, in der Gesundheitsbranche oder der Bahntechnik. 

xeiro ag