Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Wie retten wir die Goldküste

Philipp Kutter war Ehrengast am Sommerplausch der CVP Meilen. Der Leiter Städtepolitik der CVP Schweiz und langjährige Stadtpräsident von Wädenswil referierte zum Thema «Verdichtung, Anonymität, Verkehrskollaps – Wie retten wir die Goldküste?»

  • Referent und Nationalrat Philipp Kutter (hinten rechts) mit Nationalrats-Kandidierenden aus dem Bezirk: Edith Bucher, Kantonsrat Lorenz Schmid, Marzena Kopp, Helga Hetzer. Foto: zvg

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Trotz des regnerischen Wetters fand sich eine stattliche Anzahl Zuhörer im Badhüsli Feldmeilen ein – offenbar hatte die CVP Meilen mit dem Thema einen Nerv getroffen. 

6,2 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner leben in den Schweizer Grossstädten und in den Gemeinden darum herum. Allein in der Agglomeration ohne Städte sind es rund 3,8 Millionen Menschen, und es werden immer mehr. Im Richtplan sieht der Kanton Zürich vor, dass hier 80 Prozent des Bevölkerungswachstums stattfinden soll. Auch die Gemeinden an der Goldküste sind betroffen.

Kleine Häuser werden durch grosse ersetzt. Züge, Busse und Strassen sind voll, da die meisten Menschen an ihren Arbeits- oder Ausbildungsplatz pendeln. Das führt auch dazu, dass das Gemeindeleben stirbt, denn der Lebensmittelpunkt ist woanders. Die Identifikation mit dem Wohnort nimmt ab. Vereine, Läden und Restaurants kämpfen um ihr Überleben. 

Eine grosse Herausforderung ist schliesslich die gesellschaftliche Entwicklung. Die Menschen werden älter, die Zahl der Einzelhaushalte steigt. Die Folgen sind Einsamkeit und Anonymität.

Insgesamt stehen die Gemeinden vor grossen Herausforderungen – und werden dabei ziemlich alleine gelassen. Anders als die Grossstädte und die Berggebiete finden die Agglomerationen in Bundesbern praktisch kein Gehör. CVP-Nationalrat Philipp Kutter will das ändern. «Ich setze mich in Bern für die Agglomeration ein», sagte Kutter bestimmt. Er findet es äusserst wichtig, dass die Lebensqualität auch in den Gemeinden um die grossen Städte erhalten bleibt – trotz Verdichtung und Pendlerstrom. 

Bundesrat ist gefordert

Dem Bundesrat stellte Nationalrat Kutter in dieser Frage ein schlechtes Zeugnis aus. Zwar schreibe der Bundesrat Schönes über die Bedeutung der Agglomeration, tue aber wenig dafür. Einziges Instrument seien die Agglomerationsprogramme, mit denen besondere Verkehrsprojekte unterstützt werden. Aus diesem Grund hat der langjährige Wädenswiler Stadtpräsident den Bundesrat mit verschiedenen Vorstössen dazu aufgefordert, den Agglomerationen mehr Beachtung zu schenken und die Agglomerationspolitik zu erneuern. Dabei soll ein besonderes Gewicht auf raumplanerische Fragen, die Mobilität und die Wirtschaftsentwicklung gelegt werden. 

Kutter will beileibe nicht alles an den Bund delegieren. «Wir müssen schon selbst auch etwas tun, damit unsere Dörfer und Städte lebenswert bleiben», sagt der Wädenswiler Stadtpräsident. Besonders anspruchsvoll sei es, in einer Agglomerationsgemeinde die Identifikation der Menschen mit ihrem Wohnort zu stärken. «Das ergibt sich aus der Lage», sagt Kutter dazu. «In eine Grossstadt fährt man hin, durch eine Agglo-Gemeinde fährt man durch.» 

Schlafstädte verhindern

Dennoch gebe es Mittel, mit denen man verhindern könne, dass die Gemeinden zu reinen «Schlafstädten» werden: Begegnungsorte mit Aufenthaltsqualität, ein Ortskern mit Charme seien wichtig. Natürlich gehört gute Infrastruktur für Familien (Schulen, Sporthallen) und Senioren (betreutes Wohnen) dazu, wie auch aktive Vereine und ein vielfältiger Veranstaltungskalender. Ebenfalls ist ein regionales oder lokales Medium wichtig. «Medien sind wichtige Plattformen und fördern die Identifikation mit der Gemeinde», sagte Kutter. Zudem sei es wichtig, die Menschen bei aktuellen Fragen mitzunehmen, zum Beispiel bei grossen Arealentwicklungen. «Wer mitbestimmen kann, fühlt sich stärker zugehörig.» 

Nach dem Referat und Beantwortung der Fragen aus dem Publikum dauerten beim anschliessenden Dessert und Kaffee die Diskussionen noch lange Zeit an.

xeiro ag