Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

West-östlicher Austausch

Die begnadete Meilemer Violinistin Elea Nick ist noch keine 20 Jahre alt, hat aber schon viele Erfolge gefeiert. Kürzlich erweiterte die junge Musikerin ihren Horizont in Richtung Osten.

  • Elea Nick und Dirigent José Luis Maúrtua mit dem Shaanxi Symphony Orchestra in der Tonhalle Maag. Foto: zvg

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Gemeinsam mit ihrer Mutter Cornelia Nick und Renato Bizzotto, China-Kenner und Solo-Oboist der Zürcher Symphoniker, weilte sie eine Woche in der chinesischen Provinz Shaanxi. Dort studierte sie gemeinsam mit dem Shaanxi Symphony Orchestra ein hochkarätiges musikalisches Programm ein. Anschliessend flog das Orchester für Auftritte nach Zürich und nach Wien. Wie Orchestermanager Jiang Long betont, ist dies der erste Auftritt des Orchesters in Europa seit seiner Gründung vor 62 Jahren.

Wertvoller musikalischer Austausch

«China war eine wundervolle und überaus wertvolle Erfahrung», sagt Elea Nick. China habe sie sehr fasziniert, vor allem, dass sie das Land und die ganz andere Kultur habe hautnah erleben dürfen. Aber auch die musikalische Arbeit mit dem Orchester unter der Leitung von José Luis Maúrtua sei überaus bereichernd gewesen: «Die chinesischen Orchesterkolleginnen und -kollegen waren immer sehr freundlich und hilfsbereit.» Auch das gemeinsame Konzert in China hat sie sehr genossen. Gewisse kulturelle Unterschiede gebe es allerdings: «Sie machen ganz anders klassische Musik, denn es ist ja nicht die Musik, mit der sie aufgewachsen sind.» 

Darauf angesprochen, ob sie denn ein konkretes Beispiel nennen könne, überlegt Elea Nick und meint schliesslich, sie könne es nicht benennen, aber es sei wirklich einfach anders. Aufgefallen sei ihr aber, dass die chinesischen Kollegen ihre eigene Musik – konkret das chinesische Werk von Wang Xilin (*1937) – viel gelöster und emotionaler spielten als das Violinkonzert in e-moll von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) oder die 8. Symphonie von Antonín Dvorák (1841–1904). Vielleicht könne man es so formulieren, dass sie die westliche Musik mit viel Respekt und Ernst behandelten, meint Elea Nick abschliessend.

Ausverkaufte Tonhalle Maag

Zum Engagement mit dem Shaanxi Symphony Orchestra gehörte aber nicht nur ein Auftritt in China. Das Orchester mit dem peruanischen Dirigenten José Luis Maúrtua reiste im Anschluss an den Auftritt in China auch nach Europa und trat zusammen mit Elea Nick in der Tonhalle Maag auf. Das Konzert vom vergangenen Sonntag fand vor ausverkauften Rängen statt. Nicht nur, dass das Zürcher Publikum die junge Violinistin das Mendelssohn-Konzert spielen hören wollte. Man war mindestens genauso gespannt auf die musikalische Darbietung des Shaanxi Symphony Orchestra. 

Ein wunderbarer Einstieg in den Abend gelang den Musikerinnen und Musikern mit dem «Prelude to Torch Festival» von Wang Xilin. Hier konnte das Publikum ungewohnte Melodien entdecken und dabei einen kleinen Einblick in die chinesische Kultur erhalten. 

Zu zahme Chinesen

Höhepunkt des Abends war natürlich der Auftritt von Elea Nick im Violinkonzert in e-moll von Felix Mendelssohn Bartholdy. Dieses gerne und oft gespielte Violinkonzert ist eines jener Werke, die dem Solisten keine Zeit zum Einstieg lassen. Vom ersten Moment an ist die Solo-Violine präsent und nimmt den Saal für sich ein, was Elea Nick wunderbar gelang. Betörende Töne und wundervolle Pianissimi entlockte sie ihrem Instrument und begeisterte damit das Publikum. Den grossen orchestralen Auftritt hatte das Shaanxi Symphony Orchestra dann mit der 8. Symphonie von Antonín Dvorák. Etwas zahm wirkte die Interpretation der chinesischen Musikerinnen und Musiker. Man hätte sich etwas mehr Feuer gewünscht, etwas mehr Zug in den einzelnen Registern. Doch die diversen solistischen Einwürfe der Bläserinnen und Bläser waren überzeugend, und das Finale gipfelte schliesslich in einem überaus markanten Schlusspunkt. 

xeiro ag