Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Weihertypen nach Nutzungsart

Seit Anfang Jahr erscheint im Meilener Anzeiger eine Serie zum Thema «Meilens Bäche und Weiher», die hinsichtlich den Bächen am 18. Juni ihren Abschluss fand. Vor zwei Wochen (Nr. 34/21) erschien die erste Folge zum Thema Weiher auf Gemeindegebiet.

  • Auf dem Zweienbachweiher konnte die Dorfjugend Schlittschuh laufen Foto: HB 1976

  • Das Beispiel Fischweiher (aus einer alten Chronik). Foto: AGZ 1996

  • Bei Mühl- und Fabrikweihern gab es unter- und oberschlächtige Mühlräder. In Meilens Tobeln war wegen des Gefälles das oberschlächtige Rad die Regel. Illustration: H.P. Bärtschi

  • Der Bruderhalweiher als Fabrikweiher mit Zulauf, Überlauf und Grundablass. Foto: StAZH

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Alle Meilemer Weiher dienten einem bestimmten Zweck, aber nicht jeder demselben – und einige mehreren.

Fischweiher 

Sie sind die älteste Form künstlicher Weiher, stammt doch das Wort aus dem Lateinischen «vivarium» («Behältnis für lebende Tiere», vgl. auch frz. «vivier»). Schon die Römer kannten Fischweiher, Karl der Grosse ordnete für jede Pfalz einen an; auch zu vielen Klöstern gehörten sie. Mit dem Spätmittelalter verbreiteten sie sich auf der zürcherischen Landschaft. Auch andere Weiher wurden zusätzlich als Fischweiher genutzt, in jedem Fall natürlich mit einem Rechen am Auslauf, damit die Fische nicht wegschwammen. Zum Einbringen der «Ernte» musste das Wasser vollständig oder zum grossen Teil abgelassen werden können. Amphibien sollte man nicht im selben Weiher ansiedeln wollen wie Fische.

Eisweiher

Der Begriff hat eine doppelte Bedeutung: Wegen der geringen Tiefe frieren (froren) Weiher, speziell windgeschützte, natürlich eher zu als Seen. So dienten sie vor Erfindung von Kältemaschinen u.a. zur Entnahme von Eisblöcken im Winter, um im Sommer in Kellern oder Höhlen verderbliche Güter zu kühlen. Der Verfasser erinnert sich aus Kindheitstagen, dass der «Tante-Emma-Laden» der Frau Bürgin von der Bierbrauerei regelmässig nicht nur mit Bier, sondern eben auch mit riesigen Eisquadern beliefert wurde. 

Heute dagegen versteht man unter Eisweihern ausschliesslich solche zum Schlittschuhlaufen im Winter. Dazu dienten sie natürlich auch schon früher, wobei sich die beiden Nutzungsarten gelegentlich durchaus in die Quere kommen konnten. Klassische Eisweiher fürs Schlittschuhlaufen waren in Meilen z.B. der Zweienbachweiher und der untere Hänyweiher, in Küsnacht für die Eisgewinnung der Rumensee. (Vgl. dazu für Meilen Heimatbuch 1976).

Feuerweiher

Speziell auf dem Lande war es früher kaum möglich, ein in Brand geratenes Haus zu retten – kein Wunder, dass Brandstiftung so streng wie Mord und Raub geahndet wurde. Einen bescheidenen Fortschritt ermöglichten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zwei neue Gegebenheiten: Einerseits der Einsatz mobiler, aber noch von Hand betriebener Feuerspritzen samt Druckschläuchen, womit ein Wasserstrahl aus Distanz in den Brand geschleudert werden konnte. Andererseits – da Hydrantennetze meistenorts noch fehlten – die Schaffung von Feuerweihern als Wasserreservoirs. Für Meilen haben wir ein Beispiel unter dem Beitrag «Zweienbach» erwähnt; andere spezielle Feuerweiher sind uns aus Meilen nicht bekannt. Hingegen findet sich damals in den meisten Wasserrechtskonzessionen der Vorbehalt, der betreffende Inhaber sei verpflichtet, «seinen Wassersammler bei Feuerausbruch den Behörden zur Verfügung zu stellen». Insofern war jeder einigermassen zugängliche Weiher auch ein Feuerweiher. (Für eine spezielle Abbildung siehe den ersten Beitrag unserer Serie.)

Mühle- und Fabrikweiher

Mühle- und Fabrikweiher brauchte man vor allem dort, wo das vorhandene Fliessgewässer eine für den Betrieb oft zu geringe oder zu unregelmässige Wassermenge lieferte, so dass die spöttisch als «Wolkenbruchbetriebe» bezeichneten Firmen mit ihrem «Wassersammler» auf diesen für eine beschränkte Zeit zurückgreifen konnten. Hauptsächlich wollte man damit aber die ungenutzten Nacht- und Wochenendabflüsse auffangen. Auch wurde schon geäussert, dass das gestaute Wasser als eine Art «Anschubhilfe» gedient habe, um den Anfahrwiderstand des Wasserrades zu überwinden, wenn die Wassermenge für den fortlaufenden Betrieb durchaus genügt hätte. Dies alles gilt selbstredend auch, wenn Wasserrad oder Turbine nicht eine Mühle oder Fabrik, sondern eine Fräse oder mechanische Säge antrieb. Leider ist in Meilen kein einziges Wasserrad erhalten geblieben.

Ein Rechen bot speziell beim Einlauf eines Kanalweihers Schutz vor Geschwemmsel. Exemplarisch zeigt der Planausschnitt zum Bruderhalweiher drei Elemente eines Weihers: Ein Kanal als Zulauf (oben links) vom Püntenbach her (diagonal durch den Plan verlaufend). Ein Überlauf (Bildmitte) führt das Wasser mit (kurzem) Kanal in den Bach zurück, und der Grundablass (gestrichelt darunter) erlaubt es, den Weiher fallweise ganz zu leeren. Rechts unten die Charrhaltenstrasse, nach rechts in Richtung Obermeilen führend.

Übrige Weiher

Burg- und Schlossweiher konnten der Verteidigung dienen – der heutige bei der Burgruine Friedberg ist allerdings nicht historisch. Grössere Weiher dienen heute auch Badezwecken, wozu die Meilemer Weiher kaum dienlich sind. Wenn kein bestimmter Zweck mehr vorhanden ist und jemand trotzdem den Unterhalt übernimmt, kann aus jedem kleinen Stillgewässer noch ein Zierweiher werden – aber nur dann.

xeiro ag