Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Von Generationenprojekten und Sofortmassnahmen

Der Gemeinderat lädt Inhaber und Betreiber von Geschäften und Industrie jeweils Anfang Januar in den Löwen-Saal und bietet einen Überblick über das politische Geschehen im Dorf. Diesmal blieb sogar Zeit für einen Rückblick auf 2019.

  • Alex Jenny berichtete vom aktuellen Status Quo beim Projekt «Markthalle». Foto: MAZ

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Gemeindepräsident Christoph Hiller präsentierte den pünktlich um halb acht erschienenen Gewerblern am Dienstag zu Kaffee, Gipfeli, Käse und Joghurt in dreissig Minuten die Highlights aus über 200 Fotos, die er tagebuchartig gesammelt hat und die das vergangene Jahr im Dorf abbilden – von den neuen Pappeln in der Seeanlage über die erste Fahrt der S20 bis zum Weihnachtsmarkt im Dorfzentrum. 

Anschliessend übergab er das Wort Hochbau-Vorstand Heini Bossert, der ein Generationenprojekt vorstellte: Die Bau- und Zonenordnung (BZO) wird in Meilen nur alle 30 Jahre revidiert. Im 2020 ist es wieder soweit. An mehreren Abenden Anfang März setzen sich die Stimmberechtigten an bis zu fünf aufeinanderfolgenden Gemeindeversammlungen mit der Revision der Nutzungsplanung auseinander. Neben der BZO müssen auch der Zonenplan und dessen Ergänzungspläne besprochen und beschlossen werden.

Wohnen und Gewerbe sollen sich durchmischen

Für die Anwesenden besonders interessant: Das Revisionsthema Gewerbezonen. Bossert betonte, dass neu möglichst Mischnutzungen vorgesehen sein sollen. Während Wohnen und Gewerbe früher bewusst voneinander separiert wurden, versucht man sie heute zusammenzubringen, um die Isolation und Verdrängung des Gewerbes zu verhindern. «Arbeitsplätze sind wichtig, damit man in Meilen auch arbeiten kann und nicht nur wohnen», sagte Christoph Hiller dazu. 

Ausserdem soll die bisherige Einschränkung von Verkaufsflächen fallweise aufgehoben werden, dies zugunsten von mehr Freiraum für sinnvolle Entwicklungen. 

Neu soll auch festgeschrieben werden, dass sogenannte Grosszentren mit über 15'000 Quadratmetern Verkaufsfläche in Meilen nicht zugelassen sind. Zum Vergleich: Die neue «Markthalle», die im Zentrum beim Dorfplatz gebaut wird, hat total rund 1000 Quadratmeter Ladenfläche.

Noch kein Ankermieter für die Markthalle

Markthalle-Investor Alex Jenny (Stiftung Gemeinnütziger Wohnbau Letzigraben und Hochhaus Immobilien AG, Zürich) berichtete, dass der Baurechtsvertrag inzwischen unterzeichnet ist, und dass auch der Gestaltungsplan durch den Kanton Zürich genehmigt wurde. Der Zeitplan sieht vor, dass die Baueingabe im Oktober dieses Jahres erfolgen soll, der Baustart im Sommer 2021, der Bezug rund zwei Jahre später – alles unter der Voraussetzung, dass keine Einsprachen erhoben werden.

«Noch kann ich keinen Mieter für die Verkaufsebenen präsentieren», sagte Jenny. Man sei aber im Gespräch mit Interessenten und könne allenfalls im zweiten Quartal dieses Jahres «Nägel mit Köpfen» machen. Eine logistische Herausforderung stehe bevor, falls zeitgleich mit dem Neubau die Dorfstrasse saniert wird.

Wie Gemeinderat Peter Jenny berichtete, ist dort als notwendige Sofortmassnahme zunächst die Sanierung des Knotens Burg-/Dorfstrasse und der Dorfbachbrücke fällig (Mai bis Dezember). Das «Dreieck» wird damit zur normalen Kreuzung mit Vortrittsregelung.

Was das weitere Schicksal der Dorfstrasse betrifft – sie ist im Verkehrsrichtplan aktuell als Tempo-20-Zone vorgesehen –, so wird erst nach «runden Tischen» mit diversen Interessenvertretern entschieden. 

Peter Jenny lüftete auch das Geheimnis der dünnen Kabel, die zurzeit in Bahnhofstrasse und Kirchgasse am Boden entlang des Trottoirs verlegt sind: Sie dienen der Steuerung des Bohrkopfs für die Bohrungen im Zusammenhang mit der Kühlungsanlage, welche die Midor erstellt. Das Technikgebäude zu dieser mit Zürichseewasser gespiesenen Anlage entsteht zurzeit neben der Löwen-Haab. Noch bis am 29. Mai ist die Seeanlage durch dieses Projekt besetzt.

Bauchwehprojekt «Pumpwerk» am See

Weitere Projekte zeigte Gemeinderätin Irene Ritz. Ausgehend von weiterhin zunehmenden Schülerzahlen ist auf der Allmend erneut ein Provisorium nötig, abgestimmt über das 7-Millionen-Projekt wird im Juni an der Urne. Trotz eben fertiggestelltem Neubau wird zudem in der Schulanlage Feldmeilen auf 2023 bereits ein Erweiterungsbau fällig.

Für die Feuerwehr-Einstellhalle an der Bruechstrasse, gebremst durch einen Rekurs, wurde inzwischen ein neues Baugesuch eingereicht. Im Südteil des DOP steht die dringend notwendige Totalsanierung an, die ab 2024 in Angriff genommen wird. Für die Sanierungszeit sollen Provisorien bereitgestellt werden, so etwa für die Jugendmusikschule.

Ein «Bauchwehprojekt» erwähnte Irene Ritz speziell: Die Liegenschaft Pumpwerk an der Seestrasse beim Horn sollte eigentlich schon seit Jahren als Bistro zum Verweilen einladen, doch sehr komplizierte Verhältnisse mit diversen Auflagen auch seitens des Kantons haben bisher alle Projekte zum Scheitern gebracht. Bis Ende 2021 ist eine Zwischennutzung durch die Jugendarbeit geplant, was langfristig geschehen soll, entscheidet der Gemeinderat im April an seinem «Strategietag».

Erfreuliches hingegen aus dem Strandbad Dorfmeilen: Der Kanton sucht Gebiete für die Umgestaltung zu Flachufer-Zonen mit ökologischer Aufwertung. Erste Studien zeigen nun, dass die Uferzonen in der Meilemer Dorfbadi grundsätzlich sehr gut geeignet wären. Wenn alles läuft wie geplant, leisten Bund und Kanton relevante Beiträge zur Umgestaltung; es sind aktuell diverse Varianten in Bearbeitung. 

Marco Masucci vom Handwerks- und Gewerbeverein Meilen (HGM) bedankte sich schliesslich im Namen aller Frühstücker für die Einladung: «Wir merken immer wieder, dass das Gewerbe dem Gemeinderat wichtig ist und stossen mit unseren Anliegen auf offene Ohren.» Was ihn allerdings noch interessieren würde: Was wird aus dem Café Glück?

Christoph Hiller erklärte: Die Pächter des Cafés hatten Küche, Mobiliar, Boden und Lüftung auf eigene Kosten eingebaut. Diesen Innenausbau hat ihnen die Gemeinde nun im Oktober abgekauft (allerdings nicht auch den Namen «Glück»). Man stehe nun kurz vor dem Abschluss eines Pachtvertrags mit einem Interessenten, und die Eröffnung unter neuem Namen sei im Verlauf der nächsten Monate geplant.

xeiro ag