Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Verlust trotz grossen Mehrleistungen

Die Corona-Pandemie prägte den Geschäftsverlauf des Spitals Männedorf 2020. Nach einem sehr guten Jahresstart folgten herausfordernde Monate.

Das Operationsverbot während der ersten Corona-Welle und die Mehraufwendungen für die Behandlung der Covid-Patientinnen und -Patienten führten zu einem Verlust von 3,15 Mio. Franken. 

Insgesamt behandelte das Spital Männedorf 7812 stationäre Patientinnen und Patienten, nur 278 weniger als im Vorjahr, aber deutlich weniger, als im Budget vorgesehen. Bei den ambulanten Leistungen war trotz wochenlanger Einschränkungen ein Anstieg um 2,4% gegenüber Vorjahr zu verzeichnen.

Besonders schwierige zweite Covid-Welle

Das Spital Männedorf startete sehr gut ins 2020. Im Januar und Februar 2020 verzeichnete das Spital eine Steigerung im stationären Bereich von 2,3 Prozent, im ambulanten Bereich sogar von 9 Prozent gegenüber Vorjahr. Mit dem Beginn der Corona-Pandemie erfolgte dann aber ein abruptes Ende der erfreulichen Entwicklung.

Ende Februar und Anfang März bereitete sich das Spital auf die Behandlung von Corona-Patienten vor. Innert kürzester Zeit wurde eine zusätzliche Intensivpflegestation eingerichtet, eine Bettenstation wurde in eine Isolierstation umgewandelt und über 300 Mitarbeitende wurden für den Umgang mit Covid-Patientinnen und -Patienten geschult.

Diese Vorbereitungen waren mit einem hohen Aufwand verbunden. Gleichzeitig führte das verordnete Operationsverbot von nicht lebensnotwendigen Eingriffen zu empfindlichen finanziellen Einbussen, da das Spital Männedorf im elektiven Bereich für 2020 einen Ausbau spezifischer medizinischer Angebote geplant hatte. Die dafür rekrutierten Spezialisten hatten aufgrund der Pandemie keine Chance, ihre Leistungen zu etablieren. Alle Kräfte mussten über Monate auf die Covid-Patientinnen und -Patienten konzentriert werden. 

Bereits nach der ersten Corona-Welle verzeichnete das Spital Männedorf einen Verlust von über 3 Mio. Franken. Die Zuversicht, das Ergebnis bis Ende Jahr noch substanziell korrigieren zu können, schwand im Oktober mit der zweiten Welle, welche die Schweiz mit voller Wucht traf und die Spitäler an ihre Belastungsgrenzen brachte. Im November und Dezember behandelte das Spital teilweise bis zu 30 stationäre Covid-Patientinnen und -Patienten gleichzeitig. Auch in dieser Phase mussten Operationen verschoben werden, bei denen ein Risiko bestand, dass die Patienten nach dem Eingriff einen Intensivpflegeplatz benötigen. 

Um den Notfall zu entlasten wurde schon im Frühjahr ein, Covid-19-Testzentrum etabliert, in dem täglich bis zu 150 PCR-Tests vorgenommen wurden.

Rückgang im stationären Bereich wegen Corona-Pandemie

Das Operationsverbot im Frühling und die Kapazitätsengpässe während der zweiten Welle führten zu einem Rückgang der stationären Patientinnen und Patienten um 3,4% gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt behandelte das Spital Männedorf 7812 stationäre Patienten. Bei den ambulanten Leistungen verzeichnete das Spital einen leichten Anstieg um 2,4%. Die Fallschwere (CMI) stieg um 1,8% auf 0.956, was insbesondere auf die Behandlung von komplexen Covid-Krankheitsbildern zurückzuführen ist. Die Bettenauslastung lag bei 79,4% und damit weit unter dem Vorjahreswert von 86.4%. Diese Entwicklungen führten zu einem Betriebsertrag von 135,9 Mio. Franken, was deutlich unter den Erwartungen liegt, weil die Coronapandemie zu einem Ertragsausfall von rund 1,5 Mio. Franken führte.

Kostenseitig war ein coronabedingter Anstieg sowohl bei den Sach- als auch bei den Personalkosten zu verzeichnen. Neben den Mehraufwendungen für die Testinfrastruktur und das Schutzmaterial schlug vor allem das zusätzlich benötigte Personal zu Buche. Insgesamt sind zusätzliche Personalkosten von rund 900‘000 Franken auf die Bewältigung der Coronapandemie zurückzuführen.

Der Verwaltungsrat hat trotz der finanziellen Einbussen entschieden, allen Mitarbeitenden für die ausserordentliche Leistung im Jahr 2020 eine Prämie von maximal 500 Franken abhängig vom Beschäftigungsgrad auszuzahlen.

Das Ergebnis widerspiegelt nicht die erbrachte Leistung

Das Jahresergebnis 2020 ist ein Rückschlag und wird der grossen Leistung aller Spital-Mitarbeitenden nicht gerecht. Das Spital Männedorf hat proportional zu seiner Bettenzahl vor allem in der zweiten Welle deutlich mehr Covid-Patienten behandelt als die meisten anderen Zürcher Spitäler. So wurden in Männedorf im Durchschnitt fast doppelt so viele Covid-Patienten behandelt wie im Spital Zollikerberg. Nicht zu vergessen ist, dass jeder stationäre Verdachtsfall bis zum Vorliegen des Testresultats isoliert werden muss. Dies ist mit hohem organisatorischem Aufwand verbunden und geht mit entsprechendem Reibungsverlust einher.

Vertiefung der Kooperationen mit dem USZ

Trotz der sehr aufwändigen Behandlung der Covid-Patienten konnte das Spital Männedorf 2020 einige wichtige Meilensteine erreichen und die Kooperation mit dem Universitätsspital Zürich (USZ) weiter vertiefen. Seit November arbeiten die beiden Häuser auch im Fachbereich der Thoraxchiurgie enger zusammen. Prof. Dr. Isabelle Schmitt-Opitz, Direktorin der Klinik für Thoraxchirurgie am USZ, und ihr Team führen neu Sprechstunden und Operationen in Männedorf durch. Eine ähnliche Kooperation besteht seit Januar 2021 auch mit der Klinik für Endokrinologie und Diabetologie des USZ: Dr. med. Andrea Babians-Brunner, Kaderärztin am USZ, bietet zweimal wöchentlich Sprechstunden in Männedorf an.

Ein wichtiger Meilenstein war zudem die Zertifizierung des gemeinsamen Brustzentrums USZ-See im Juni, für welche die Auditoren Bestnoten erteilten.

Dass das Spital Männedorf hohe Qualitätsstandards bei der Behandlung der Patientinnen und Patienten hat, zeigen auch das Gütesiegel für Hernienchirurgie und der erste Platz beim CSS Quality Award, mit welchen das Spital im Herbst ausgezeichnet wurde. Zudem wurden das Spital Männedorf 2020 und auch 2021 von der Handelszeitung zur drittbesten Arbeitgeberin im Bereich Gesundheit und Soziales gekürt.

xeiro ag