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«Unsere 'Regierung' ist enorm gut»

Im Juli vor drei Jahren zog fast das ganze Alterszentrum mit Sack und Pack ins «Exil» in Küsnacht. Nun findet bald die «Züglete» in den Neubau statt. Bewohnerin Elisabeth Kirchner ist sicher, dass sie sich auch in den neuen Gebäuden wohl fühlen wird.

  • Elisabeth Kirchner im Küsnachter «Exil». Sie ist sicher, dass sie auch im frisch erbauten Weiherhaus wieder gut betreut wird. Foto: MAZ

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Die 94-Jährige ist hellwach: Manchmal wollen ihr zwar gewisse Ereignisse aus der nahen Vergangenheit nicht mehr einfallen, aber vieles weiss sie ganz bestimmt, so zum Beispiel, dass sie im besten Alterszentrum wohnt. «Die ‘Regierung’ hier ist enorm gut, sie geben sich so viel Mühe – ich staune immer wieder, wie persönlich die Pflegenden auf die Leute eingehen, wir müssen nichts entbehren», sagt sie.

In Meilen zu Hause

Ein ganzes Leben lang hat Elisabeth Kirchner, die in Zürich geboren wurde und dort die Schwesternschule absolvierte, mit Leib und Seele als Hebamme gearbeitet, auch im Spital Männedorf. Sie kennt also den Alltag in der Pflege. Alles in allem habe sie sicher viertausend bis fünftausend Babys auf die Welt geholfen, erzählt sie. 

Selber blieb sie ledig und hatte keine Kinder, aber immer einen grossen Bekanntenkreis. In Meilen wohnte sie an der Haltenstrasse, bis sie zuerst in eine Alterswohnung auf der «Platten» zog und dann in eine Wohngruppe im «Tobelhaus», das inzwischen nicht mehr existiert. 

Vom Tulpenbaum zur Hängebuche

An den Weiher und den schönen Tulpenbaum direkt daneben kann sich Elisabeth Kirchner noch gut erinnern. In den letzten drei Jahren ist ihr aber auch die Hängebuche vor ihrem Zimmer in Küsnacht ans Herz gewachsen, zwei Fotos auf ihrem Schreibtisch zeigen den Baum mit hellgrünen Blättern im Frühling und farbig im Herbstkleid. Und erst die Seesicht: «Wenn ich im Zimmer im Bett liege und die Augen offen halte, sehe ich die Schiffe durchs Fenster fahren.» Im Alter müsse man auch gar nicht mehr jeden Tag nach draussen gehen, vor allem, wenn der Rücken nicht mehr so recht will. «Der Tag ist mir trotzdem zu kurz, ich habe immer etwas zu tun: Lesen oder Korrespondenz.» Und wenn Besuch kommt, wird die Kaffeemaschine angestellt.

Langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Der «Züglete» von Küsnacht nach Meilen sieht die ehemalige Hebamme absolut gelassen entgegen. «Ich bin eine, die sich keine Sorgen macht», sagt sie. Ausserdem erinnert sie sich positiv an den Umzug von Meilen nach Küsnacht vor drei Jahren. «Es hiess: Um acht Uhr müsst ihr das Zimmer verlassen und am Abend nach Küsnacht kommen. Ich verbrachte den Tag dann bei Bekannten und traf um fünf Uhr hier ein. Alles war parat, sogar die Bilder hingen schon an den Wänden, man fühlte sich sofort wieder zu Hause.»

Auch die Tatsache, dass sie viele der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon seit Jahren kennt, und dass sie diese auch in Meilen wieder antreffen wird, schätzt sie sehr. «Im Speisesaal arbeiten zum Beispiel zwei Männer aus Sri Lanka», erzählt sie, «die wissen ganz genau, wer was gern hat. Sie kennen uns und unsere Mödeli.» Abends gibt es jeweils beim Gutenachtsagen noch einen kleinen Schwatz mit dem Pflegepersonal. Kurz und gut: «Also ich kann es Ihnen empfehlen, das Alterszentrum!»

xeiro ag