Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Traumwohnung wird zur Albtraumwohnung

Als wir im Oktober 2018 in unsere Traumwohnung mit 43 Quadratmeter grosser Terrasse in Feldmeilen einzogen, konnten wir es fast nicht erwarten, bis sommerliche Temperaturen es erlaubten, die herrliche Seesicht von draussen anzusehen.

Wir wurden beim Einzug darüber informiert, dass die Bahn «Bahnarbeiten» vornimmt und einige Nächte unruhig werden, doch dass die Arbeiten im Sommer abgeschlossen seien. 

Im April 2019 wurde auf der Höhe unserer Wohnung wegen der neuen S20 eine Weiche eingebaut. Der Geräuschpegel, wenn die Bahn darüber fährt, hat sich seither vervielfacht. Aus einem Vorbeigleiten ist aufgrund der Weiche ein Vorbeirattern geworden.

Seit Juni dieses Jahres ist die S20 von Montag bis Freitag am Morgen mit vier Extrazügen und am Abend mit drei Extrazügen im Einsatz. Wir wussten, dass die S16, die bis anhin am Bahnhof Herrliberg/Feldmeilen auf ihre Rückfahrt nach Zürich gewartet hat, ab diesem Zeitpunkt an unserer Terrasse vorbeifahren wird, um auf dem Wendegleis zu warten, bis die S20 vorbeigefahren ist. Was wir aber nicht wussten, ist, dass die S16 auch auf das Wendegleis fährt, wenn die S20 nicht im Einsatz ist. Also den ganzen Tag über und auch am Wochenende. 

Dies generiert für uns Anwohner acht weitere Züge pro Stunde (vier Mal hin und zurück), die vorbeirattern und enorm quietschen, wenn die langsam anfahrende S16 über die Weiche fährt. Die Bahn wird während ihres Aufenthaltes auf dem Wendegleis nicht mal abgestellt, somit ist nonstop ein Rauschen zu hören.

Unsere Anfragen über das SBB-Portal wurden mit kurzen Sätzen abgetan, von wegen Pünktlichkeit und Stabilität. Zudem wird um Verständnis für die aktuelle Situation gebeten. Es sind anscheinend auch keine lärmreduzierenden Massnahmen geplant. Wir können nun nicht mehr bei geöffneten Fenster telefonieren oder geschäftliche Beratungsgespräche führen (wir arbeiten von zu Hause aus!), wenn ein Zug vorbeifährt. Gespräche müssen rund zwölfmal pro Stunde unterbrochen werden, und erholsames Schlafen ist weder mit offenem noch geschlossenen Fenster möglich. 

Unserer Meinung nach sind diese vier Fahrten pro Stunde ohne Frequenz der S20 völlig sinnlos und generieren für Anwohner und Umwelt unnötige Belastungen. Wir sind sehr enttäuscht von den SBB. Bis anhin wollte niemand persönlich vorbeikommen, um sich ein Bild zu machen. Wir können einfach nicht verstehen, weshalb das so geplant wurde und keine Rücksicht auf Anwohner und Umwelt genommen wird. Bis anhin war auch keine Verbesserung betreffend Pünktlichkeit und Stabilität zu spüren. Wir glauben, dass es einfach machbar wäre, hier wieder mehr Lebensqualität für alle Anwohner zu schaffen. 

Ende Juni wurden weitere Arbeiten vorgenommen. Eine Nacht voller Schleifgeräusche, und seither ist auch noch dieses Hoch-Frequenz-Geräusch sehr extrem.

Das Bundesamt für Umwelt setzt sich aktuell für Temporeduktionen als Lärmschutzmassnahme ein, da der (Strassen)-Lärm nicht nur lästig ist, sondern auch die Gesundheit der Menschen gefährdet. 

xeiro ag