Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

«The Pianoduo» in Höchstform

Mentorin Annette Bartholdy begrüsste die zahlreichen Zuhörer zum Eröffnungskonzert der 15. (!) Saison der von ihr ins Leben gerufenen Konzertreihe «Vier Jahreszeiten», die sie unter das Motto «Die vier Elemente» stellte. Den Anfang macht das Wasser.

  • Dreingaben waren die logische Folge der wohlverdienten Standing Ovations des Publikums für die zwei exzeptionellen Tastenkünstler. Foto: zvg

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Das vielgekrönte Pianistenduo «The Pianoduo» aus Litauen ist mit reichem Palmarès geschmückt, und auch CDs belegen sein immenses Niveau.

Mit Edvard Grieg eröffneten die beiden Künstler Vilija Poskute und Tomas Daukantas den Programmreigen. Vom Komponisten selbst stammt die Bearbeitung für vierhändiges Klavier. Aus den beiden Peer-Gynt-Suiten op. 45 und 55 waren mehrere Sätze angesetzt. Schon in den ersten, partiturgerecht zart angegangenen Takten der «Morgenstimmung» erheischte der enorm gepflegte Anschlag Bewunderung.

Die alsdann gesteigerte Dynamik tat das Ihre dazu, und die Abstufung von thematischem Material begeisterte. Das stetige Accelerando im Bergkönighallen-Marsch berückte ungemein – das muss ein sehr agiler Bergkönig gewesen sein!

Berückende Anschlagskunst

Franz Schuberts Fantasie f-moll op. 103 D.940 stellt fast ein «Must» für Klavierduos dar – ist entsprechend bekannt, aber auch gefürchtet. Hier war schon der Themen-Duktus erster Güte: genial nachempfunden und wiedergegeben mit treffend gestaltetem Harmoniewechsel in nie gehörter Darstellung. Diskant-Spiel in feinster Anschlagskunst, faszinierende Registerwechsel mit Bass-Partien belegten Agogik von Feinstem in immer wieder berückender Anschlagskunst über die gesamte Klaviatur. Nach vollmundiger «Schlussgruppe» dann das Hauptthema: Der Lohn war Begeisterung!

Szenenapplaus

Aus Camille Saint-Saëns' Oper «Samson et Dalila» nahmen sich die Interpreten die Sätze «Prélude – Mon coeur s'ouvre à ta voix» und «Danse Baccanale» vor. Der Komponist bediente sich hierbei einiger seiner älteren Sätze. Die Bearbeitung stammt von keinem Geringeren als dem französichen Komponisten und Instrumentierer Paul Dukas. Auch sie ist von Genialstem.

Vilija Poskute und Tomas Daukantas übergaben musikalisches Material von der Hand der einen genialst in die Hand des andern, stuften Begleit- und Themenmaterial hervorragend ab, das End-Tremolo im Diskant verklang in feinstem Pianisissimo, ehe bacchanales Draufgängertum arabischen Zuschnittes dank behendester Fingertechnik einen kaum in den Bänken sitzen liess – der Szenenapplaus war absolut opportun.

Mitreissende Interpretation

Von Bedrich Smetanas «Moldau» gibt es viele Fassungen. Die hier gebotene stammt vom Komponisten. Der Werdegang vom kleinen Bächlein zum grossen Strom erfährt diverse Schattierungen böhmischer Heimatmusik. Kommt der Beginn in Tastengewand doch recht anders daher als mit Orchester, nähert sich die vierhändige Fassung orchestraler Klanglichkeit immer mehr an. «The Pianoduo» liessen auch hier nichts anbrennen, begeisterten mit ihren Qualitäten: Man sah die tanzenden jungen Landfrauen geradezu bildlich vor sich, bevor stetige Gangart ruhigen Fluss-Strom suggerierte, und bewegter Fluss mit Tiefgang mittels eifrigem Übergreifen der vier Hände das Publikum gleichsam mitriss.

Im Januar geht's weiter

Standing ovations waren bei derartiger Begeisterung vorhersehbar. Sie erwirkten zwei Dreingaben: Mottogemäss von Camille St.Saëns «Le Cygne» und von Aram Khatchaturian den «Säbeltanz», den die Künstler mit ungeheurer Verve darboten, die schon kochende Begeisterung nochmals kulminieren lassend.

Freue man sich also auf das nächste Konzert: am 12. Januar 2020 sind unter dem Motto «Feuer» die «Quatuor Terpsychordes» und Bandeonist William Sabatier mit Werken von Maurice Ravel und Astor Piazolla zu hören – klingt verheissungsvoll.

xeiro ag