Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Testen im Regenschutz

Coronatests, Schutzmasken und Schutzbekleidung sind Mangelware. Dennoch testen bereits seit Montag vergangener Woche Meilemer Ärzte ihre Patienten auf das Coronavirus. Unter ihnen ist auch die Rheumatologin Petra Rindova.

  • Petra Rindova behandelt Corona-Verdachtspatienten in improvisierter, aber zweckmässiger Schutzkleidung.  Fotos: zvg

  • Aufgenommen von einem Angehörigen: Eine Patientin mit Verdacht auf Infektion mit Covid-19 wird unter freiem Himmel getestet. (Foto vom 19. März.) Foto: zvg

1/1

«Die Situation ändert sich stundenweise», sagt Dr. med. Petra Rindova. Seit mehr als zwei Wo-chen führt sie Coronatests durch, teilweise auch im Rahmen des ärztlichen Notfalldienstes. Sie ist der Meinung, dass die Gefährlichkeit des Virus noch immer von vielen Menschen unterschätzt wird, zu Beginn der Krise sogar von einigen ihrer Kolleginnen und Kollegen.

Letzte Woche führten Petra Rindova und ihre Arztkollegin Dr. med. Daniela Tyercha Tests in ihrer Praxis an der Dorfstrasse durch. Um die Nicht-Corona-Patienten vor einer Ansteckung durch potenziell Corona-infizierte Patienten zu schützen, wurde in einem eigenen Raum auf einem separaten Stockwerk getestet, mit einer vom normalen Praxisbetrieb abgetrennten Wartezone. «Wir haben das Glück, dass dies bei uns aufgrund einer eben vollendeten Praxiserweiterung möglich ist – nicht alle können das so einrichten», sagt Petra Rindova. Mittlerweile überlegt sie sich allerdings, die Tests aus Sicherheitsgründen wenn möglich nicht im Gebäude, sondern draussen durchzuführen.

Schutzmasken auf dem Schwarzmarkt gekauft

Sie selber fühlt sich mit den derzeitigen Richtlinien des Bundes nicht ausreichend vor einer Ansteckung geschützt. Bestmöglicher Schutz ist aber zentral. Hätte die Ärztin unbemerkt das Virus, könnte sie es einem Patienten weitergeben; bereits seien einige Kolleginnen und Kollegen im Kanton Zürich erkrankt, sagt sie, und auch einige der Tests, die sie selber an Patienten durchführte, waren positiv. Rindova trägt für den Testabstrich bei ihren Patienten einen Regenmantel, eine Schutzmaske, die sie auf dem Schwarzmarkt gekauft hat, eine grosse Brille aus dem Bau-markt, eine Plastik-Duschhaube und Schutzhandschuhe. Die Notfall-Patienten testete sie teilweise in deren Garten, also unter freiem Himmel. Desinfektionsmaterial kaufte sie bei einer Apotheke, welche die kostbare Ware im eigenen Labor herstellt.

«Man muss in dieser Situation improvisieren», sagt die Ärztin, die Schweiz sei in dieser Hinsicht zu perfektionistisch und deshalb sage man lieber, man solle gar keine Masken tragen, denn diese wären höchstwahrscheinlich nicht ausreichend verfügbar. In ihrer Heimat Tschechien ist das anders. «Die Leute haben dasselbe Problem wie wir, und deshalb nähen sie sich die Masken selber.» Es gelte das Prinzip «du schützt mich, ich schütze dich», Maskenpflicht für alle.

Einkauf zumindest mit Schal vor dem Gesicht

Ein Problem kann die Ärztin trotz Improvisation nicht lösen: «Wir haben nach wie vor weder genug Testmaterialien noch genug Testkapazitäten. Ich bestelle vierzig Stäbchen für Abstriche und erhalte zehn geliefert.» Dadurch kann man nicht so flächendeckend testen, wie es die Epidemiologen empfehlen. Besser wird es vermutlich erst, wenn Roche die erforderlichen Geräte für den hochautomatisierten Coranavirustest in grosser Zahl herstellen kann.

Umso zentraler ist es, die Neuansteckungen sofort mit allen Mitteln zu reduzieren. Den Meilemerinnen und Meilemern empfiehlt Rindova deshalb, nur noch mit Handschuhen und Schutzmaske einkaufen zu gehen. Sind keine medizinischen Masken vorhanden, ist ein Schal oder ein Tuch vor Mund und Nase immer noch besser als gar kein Schutz. Das Tuch vor dem Gesicht schützt auch, wenn man sich mit den Händen unbewusst an Mund oder Nase fasst. Zu Hause angekommen, sollte man sich nach dem Einkauf nebst den Händen auch das Gesicht gründlich mit Wasser und Seife reinigen. Risikogruppen sollen strikte zu Hause bleiben, denn es bestehen mittlerweile perfekte Unterstützungsangebote in Meilen (quartiernetz.org). 

Test nur nach strengen Kriterien des BAG

Der Meilener Anzeiger hat sich auch bei anderen Meilemer Ärzten erkundigt, unter welchen Bedingungen sie Coronatests durchführen. Aus den Antworten haben sich folgende Grundsätze herauskristallisiert, die strikt eingehalten werden: Es werden nur bestehende Patienten getestet, dies nur nach telefonischer Voranmeldung und nur, wenn die Patienten die strengen Kriterien gemäss BAG (Bundesamt für Gesundheit) erfüllen: Patienten mit erhöhtem Komplikationsrisiko (über 65 Jahre, Diabetes, Herzkreislauferkrankungen, chronische Atemwegserkrankungen, Erkrankungen und Therapien die das Immunsystem schwächen, Patienten mit Krebserkrankungen und Hypertonie); Gesundheitsfachpersonen; Personal von Alters- und Pflegeheimen; Personen mit schweren Symptomen (Hospitalisierung erforderlich). Alle Personen mit Husten und/oder Fieber, die diese Kriterien nicht erfüllen, begeben sich ohne Testung direkt in die Selbstisolation.

xeiro ag