Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

«Sind Sie einverstanden, dass wir Sie jetzt gegen Covid-19 impfen?»

Seit Mittwoch letzter Woche ist das Impfzentrum des Bezirkshauptorts geöffnet. Wir durften eine Seniorin an ihrem ersten Impftermin begleiten.

  • Trotz eben erhaltener Impfung weiterhin mit Maske – immerhin ist sie orange! Elsbeth Casparis, 79, auf dem Schulhausplatz beim Impfzentrum. Foto: MAZ

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So richtig gerne lasse sie sich nicht impfen, sagt Elsbeth Casparis und weist auf ihren gelben internationalen Impfausweis. Die letzte Impfung liegt tatsächlich mehr als zehn Jahre zurück: zum Schutz vor Tetanus nach einem Hundebiss. Die folgenden Zeilen auf der Doppelseite sind alle leer. 

Heute soll sich das ändern: Am zweiten Tag nach Eröffnung des Impfzentrums in Meilen wird sich die 79-jährige Meilemerin gegen Covid-19 immunisieren lassen und danach einen neuen Eintrag ins Büchlein erhalten, knapp einen Monat später wird der zweite folgen. Es ist ein Eintrag, um den sie manche beneiden. «Auch wenn ich kein Impf-Fan bin, die Covid-Impfung muss man schon machen lassen», sagt Elsbeth Casparis, «da habe ich nicht lange überlegt.» Angemeldet hat sie sich via Telefon-Hotline, und drei Tage später lag der Brief mit Termin und QR-Code in ihrem Briefkasten: Freitag, 14.00 Uhr.

Warteschlange vor dem Zentrum

Vor dem Eingang zur Turnhalle Dorf warten bereits etliche Senioren allein oder zu zweit darauf, dass es losgeht, und ständig kommen neue dazu. Man hält Abstand – bis sich die Türe öffnet. Nun muss der Mann von der Flughafenpolizei, der hier zum Einsatz kommt, beim Eingang mehrfach energisch um einskommafünf Meter Distanz in der Warteschlange bitten. «Nur die Vierzehnuhrtermine!» ruft er, denn es drängen sich auch einige Vierzehnuhrdreissig- und sogar ein Vierzehnuhrvierzig-Termin beim Eingang.

Bei der Zutrittskontrolle direkt nach der Türe zeigt Elsbeth Casparis ihr Blatt mit dem QR-Code und der sechsstelligen Nummer und darf anschliessend in die Turnhalle. Hier sind die 24 Impfkabinen aufgebaut, in denen das begehrte Vakzin – in Meilen ist es Comirnaty von Pfizer/Biontech – verabreicht wird. Vor den Kabinen, noch sind nicht alle in Betrieb, befindet sich ein weiterer Tresen, wo Casparis’ Ausweis und ihre Krankenkassenkarte kontrolliert und elektronisch erfasst werden, dann wird die 79-Jährige in eine Kabine geführt, wo die medizinische Praxisassistentin (MPA) Maja Denneberg sowie ein administrativer Helfer mit einem Tablet warten. 

Gesundheitsfragen in der Impfkabine

«Ich muss Sie nun ein paar Sachen fragen», sagt Denneberg: «Fühlen Sie sich gesund? Haben Sie Allergien? Nehmen Sie Blutverdünner?» Es ist ein gutes halbes Dutzend Fragen. «Ich bin gesund», sagt Elsbeth Casparis und ergänzt leicht belustigt: «Und ich hoffe, ich gehe hier auch gesund wieder raus!» 

Schliesslich stellt der Helfer zu Handen seines Protokolls auf dem iPad die entscheidende Frage: «Sind Sie einverstanden, dass wir Sie jetzt gegen Covid-19 impfen?» – «Sicher. Deshalb bin ich ja hier», antwortet Elsbeth Casparis schmunzelnd. Nun darf sie das Halstuch in ihrer Lieblingsfarbe Orange an einen Haken hängen, aus Jacke und Jäckchen schlüpfen und den linken Oberarm frei machen. Maja Denneberg setzt die Spritze an, die feine Nadel sticht zu, und schon ist es erledigt. «Sie werden morgen vielleicht einen schweren Arm haben und sich etwas matt fühlen», sagt sie zu Elsbeth Casparis. «Erst morgen?», fragt diese zurück. «Vielleicht schon früher, und vielleicht merken Sie gar nichts.» Pro 30 Minuten rechnet man mit sieben Personen, die pro Kabine geimpft werden können.

Die Reisekataloge sind schon parat

Nun wird der frisch Geimpften ein Zettel mit der Aufschrift «Wartedauer 15 Minuten, warten bis 14.30 Uhr» ausgehändigt. An der Rückseite der Kabinen und der Wand entlang geht es ins Freie und dort mit ein paar Schritten in ein weisses Zelt, den Wartebereich auf dem Schulhausplatz West. Zwei Studentinnen, die im Stundenlohn angestellt sind, empfangen die Senioren freundlich und weisen ihnen fürsorglich einen Stuhl zu. «Und en Kafi git’s käne?» fragt Elsbeth Casparis augenzwinkernd, sie erhält aber ein Fläschchen Mineralwasser. 

Im Wartebereich ist es still, eine Dame tippt auf ihrem Handy. «Kürzlich hat mich ein ehemaliger Klassenkamerad angerufen und gefragt, ob ich glaube, dass die von Juni 2020 auf dieses Jahr verschobene Klassenzusammenkunft durchgeführt werden kann», erzählt Elsbeth Casparis. «Ich sagte nein, das glaube ich nicht. Im Juni ist es noch zu früh, trotz der Impfungen.» Auch sie vermisst die sozialen Kontakte, die gemeinsamen Ausflüge, und sie möchte möglichst bald wieder reisen können: «Ich habe schon Reisekataloge zusammengesucht, denn zu meinem Achtzigsten im nächsten Dezember möchte ich mir eine Reise nach Australien und Neuseeland schenken. Aber ich glaube eigentlich, die wird nicht vor kommendem Frühling möglich sein.» 

Noch keine elektronische Bestätigung möglich

Die Viertelstunde ist um, nun geht es zur Abmeldung beim Zeltausgang, wo die Impfbestätigung ausgestellt wird: Es gibt ein Blatt und einen handschriftlichen Eintrag ins Impfbüchlein. «Kann ich die Bestätigung auch elektronisch bekommen?», fragt ein Senior. «Erst wenn der Bund die entsprechende Lösung parat hat, und wir wissen nicht, wann das sein wird», lautet die Antwort. 

Vor dem Zelt nickt Elsbeth Casparis zufrieden: «So, jetzt hätten wir das. Und der Arm tut noch gar nicht weh.» Sie gehe jetzt ein paar Blumen kaufen, zur Feier des Tages. «Und dann mal schauen, wie ich mich morgen fühle. Eine grosse Wanderung habe ich für den Tag nach der Impfung auf jeden Fall nicht geplant.» 

Keine Nebenwirkungen

Wir haben im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie schon einmal über Elsbeth Casparis berichtet: Vor einem Jahr hat sie geschildert, wie sie den Lockdown erlebt und von ihrem selbst genähten Plisseerock erzählt, den sie «nach Corona» anlässlich eines Theaterbesuchs zum ersten Mal ausführen will. Im Sommer hat sie den passenden Blazer dazu gekauft. Beides hängt vorläufig noch im Schrank und wartet auf den ersten Einsatz. Einen schweren Arm oder Mattigkeit fühlte Elsbeth Casparis übrigens auch am Tag nach der Impfung nicht, «nur direkt an der Einstichstelle spürte ich ein bisschen etwas».

xeiro ag