Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Selbstwirksamkeit und Depression

In den vielen Gesprächen, die ich in der Praxis führe, erlebe ich leider immer wieder, dass Patienten nicht daran glauben, dass sie ihr Leben spürbar verändern können.

Wenn man nicht daran glaubt, dann erreicht man das Ziel auch nicht. Seit ein paar Jahren spricht man zunehmend von Selbstwirksamkeit (SW). Es ist die Überzeugung einer Person, auch schwierige Situationen und Herausforderungen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen zu können.

Selbstwirksamkeit ist zunächst eine Erwartungshaltung. Es ist aber auch eine Erfahrung. Wer immer wieder realisiert, dass er sein Leben verändern kann, der wird auch für die Zukunft optimistisch sein. Es gibt nun verschiedene Querverbindungen zu anderen Begriffen. Eine betrifft die Resilienz, die Widerstandskraft gegen belastende Lebensumstände. Eine andere nennt sich Hilflosigkeit. Das ist ziemlich genau das Gegenteil der SW. 

«Was ich auch tue, es ändert sich nichts». Damit führt die Hilflosigkeit zur Resignation. Das ist in gewissermassen ein Totstellreflex. «Wenn ich nichts verändern kann, dann tue ich eben gar nichts». Eine letzte und sehr wichtige Querverbindung geht zur Depression. In einer schweren Depression realisiert man, dass die Leistungsfähigkeit massiv eingeschränkt ist. Gleichzeitig sind die Gedanken negativ geprägt und ersticken jede Hoffnung auf Besserung. Die Beziehung zwischen Depression und SW ist wechselseitig. Die Depression untergräbt die SW. Umgekehrt ist eine fehlende SW ein Acker, auf dem sehr oft Depressionen zu spriessen beginnen.

Was können wir tun, um die SW zu stärken? Zum Glück können wir viel dazu beitragen. Ein Stichwort dazu: Erfolgserlebnisse. Auf weitere Faktoren werde ich aus Platzgründen in einem späteren Artikel noch eingehen. 

Dr. med. Martin Jost

Praxis für Psychosomatik

www.drjost.ch

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