Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Seit 120 Jahren im Zentrum von Meilen

Die evangelische Freikirche Chrischona Meilen feiert dieses Jahr ihr 120-jähriges Bestehen. Das Jubiläum wird mit einem Fest-Wochenende begangen.

  • Damals allein auf weiter Flur: Das Chrischona-Gebäude an der Pfannenstielstrasse 1 im Jahre 1911. Foto: zvg

  • Der multifunktionale Saal aus dem Neubau-Siegerprojekt. Grafik: zvg

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Die heutige Freikirche Chrischona hat ihren Ursprung einige Jahre vor der vorletzten Jahrhundertwende. Im September 1893 versammelten sich 17 Männer, um einen «Christlichen Jünglings- und Männerverein» zu gründen. Vereinszweck gemäss Statuten: «…auf der Basis des Wortes Gottes christliche Erkenntnis und christliches Leben zu fördern…». 

Die Zusammenkünfte fanden vorerst nicht in kirchlichen Räumen, sondern in Privathäusern statt. Da sich das Raumangebot bald einmal als zu knapp erwies, keimte der Wunsch nach einem eigenen Vereinshaus. Als der Verein 1897 von einem anonymen Spender «mit der schönen Summe von 100 Fr. beschenkt wurde» und ein Mitglied ein Stück Rebland unentgeltlich zur Verfügung stellte, nahm das Vorhaben konkretere Formen an. Am 14. April 1900 wurde das Baugesuch eingereicht, Ende Mai der Grundstein gelegt und bereits am 14. Oktober Einweihung gefeiert. Also benötigte man für die Realisierung der Kapelle gerade einmal sechs Monate – aus heutiger Sicht eine beneidenswerte Leistung.

Vom Sinn und Zweck

Da zwei Mitinitianten des Vereins sich bei der Pilgermission auf St. Chrischona als Prediger ausbilden liessen, bestand früh eine Verbindung zu diesem Werk, das auf Christian Friedrich Spittler zurückgeht. Der Name Chrischona bezieht sich auf eine Ortsbezeichnung – auf den Berg St. Chrischona in Bettingen bei Basel –, wo Spittler 1840 die kleine, verwahrloste Kirche wieder aufgebaut und sein Werk, die «Pilgermission St. Chrischona», gegründet hatte. Spittlers Idee war es, junge Handwerker auszubilden, die als «pilgernde Missionare» im Lande wirken sollten. Die Verkündigung des Evangeliums, gepaart mit praktischer Hilfe war sein Hauptanliegen. 

Dies veranlasste ihn, gut 30 weitere kirchliche und soziale Institutionen zu gründen. Bis heute ist die Ausbildungsstätte, das theologische Seminar St. Chrischona (tsc), das Herzstück des Werkes. Der Gemeindeverband umfasst rund 200 Gemeinden mit wöchentlich ca. 20‘000 Gottesdienstbesuchern in der Schweiz, Deutschland, Frankreich sowie Südafrika, Namibia und Luxemburg. Fundament der Chrischona-Gemeinden ist die Bibel als Wort Gottes und der Glaube an den dreieinigen Gott. Als Mitglied im Verband der Freikirchen.ch und durch die Schweizerische Evangelische Allianz sind sie mit vielen andern Christen verbunden und teilen mit ihnen die Glaubensbasis der Europäischen Evangelischen Allianz. 

Nachdem der offizielle Anschluss ans Chrischona-Werk besiegelt war, wurde am 1. September 1900 der erste Prediger nach Meilen beordert.

Bewegte Zeiten

Die ersten 50 Jahre der Gemeindegeschichte fielen in eine turbulente Phase: neben einer Blütezeit in den 1920er-Jahren galt es, den Ersten Weltkrieg, die Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre und den Zweiten Weltkrieg zu überstehen. Dies wirkte sich auch auf die Gemeinde aus: Die Kirche schrumpfte auf eine kleine Schar zusammen und verlor den eigenen Prediger. Von 1956 bis 1979 wurde sie vom Pastor der Gemeinde in Stäfa fremdbetreut. Später wurde sie wieder eigenständig und umfasst heute rund 100 Gemeindeglieder.

Am Gebäude selber gab es – abgesehen vom Aufbau der Wohnung über der Kapelle im Jahre 1905 – äusserlich nicht viele Veränderungen. Das Jubiläumsjahr 1975 wurde aber zum grossen Baujahr: Neben einer Totalsanierung des Altbaus wurde ein Anbau realisiert. Mit diesem Annexbau erhielt das Gebäude die aktuelle äussere Gestalt.

Gemeindealltag und Höhepunkte

Grundanliegen der heutigen Gemeinde ist es, den Glauben im Alltag zu leben und Menschen die verändernde Kraft des Evangeliums zugänglich zu machen. Durch Gemeinschaft, praktische Hilfe und Gebet sollen Menschen Hoffnung erfahren und eine geistliche Heimat erhalten. Neben den Grundangeboten wie Gottesdienste, Treffen in Kleingruppen oder Kinder- und Jugendarbeit gab es immer wieder spezielle Anlässe. 

Höhepunkte waren die zahlreichen Evangelisationsveranstaltungen oder Kinderwochen, die über all die Jahrzehnte regelmässig durchgeführt wurden. 

In den 1990er-Jahren erlangten die von der Jugendgruppe «Wällebrächer» organisierten Musik-Openairs überregionale Resonanz. Seit 2015 ist man die 100. Abgabestelle von «Tischlein deck dich» in der Schweiz, einer Organisation, die Esswaren an sozial Benachteiligte verteilt – ein sozial-diakonisches Engagement ganz im Sinne Spittlers.

Festwochenende bringt Kinder-Chilbi und Podium

Am Wochenende vom 24./25. Oktober wird nun Jubiläum gefeiert. Den Auftakt macht am Samstag eine «Kinder-Chilbi» mit diversen Attraktionen auf dem Dorfplatz in Meilen. Am Samstagabend findet eine öffentliche Podiumsdiskussion mit interessanten Gästen aus Wirtschaft und Gesellschaft zum Thema «Warum heute glauben?» im Jürg-Wille-Saal im «Löwen» statt.

Die Podiumsteilnehmer sind: Damaris Buchenhorner, Verwaltungsratspräsidentin der Eptinger Mineralquellen AG; Jyoti Guptara, Fantasy-Bestseller-Autor und Business-Storytelling-Berater; Sibylle Forrer, Pfarrerin reformierte Kirche Kilchberg und TV-Pfarrerin; Christian Haslebacher, Vorsitzender Chrischona Schweiz. Moderiert wird der Anlass von Ladina Spiess, Texterin, Moderatorin und Schulungsleiterin, ehemalige Radiojournalistin.

Am Sonntag werden die Jubiläumsfeierlichkeiten schliesslich mit einem Festgottesdienst abgerundet.

Ausblick in die Zukunft mit Neubau

Seit 2013 wirkt David Morf als Pastor in der Gemeinde. Er ist der 20. Prediger der Kirche und fühlt sich dem Erbe der Gründer und dem Auftrag von Jesus Christus unverändert verpflichtet. Um diesem Auftrag auch künftig bestmöglich gerecht zu werden, ist die Gemeindeleitung seit 2014 an der Planung eines Neubaus. 

Geplant ist ein Mehrgenerationen-Haus für vielfältige Begegnungen unterschiedlichster Menschen. Das Siegerprojekt aus einem Architekturwettbewerb sieht einen multifunktionalen Saal, grosszügige Kinderräume sowie Alterswohnungen vor. So kann nun konkret an der Realisierung gearbeitet und die Geschichte im Zentrum von Meilen weitergeschrieben werden. 

xeiro ag