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Sehnenriss an der Schulter – immer operieren?

Dank seiner besonderen Anatomie erlaubt das Schultergelenk einen beeindruckenden Bewegungsumfang. Möglich ist das, weil der grosse Oberarmkopf in einer – im Vergleich zur Hüfte – nur kleinen Pfanne liegt. Dies setzt wiederum voraus, dass Sehnen, Bänder, Muskeln und ein Knorpelring das Gelenk stabilisieren.

Während in der ersten Lebenshälfte meist Unfälle für Schäden an der Schulter verantwortlich sind, überwiegen in der zweiten Hälfte degenerative Veränderungen. Ganz besonders betroffen ist hierbei die Rotatorenmanschette. Ihren Namen verdankt sie den vier Muskeln, die den Oberarmkopf wie die Manschette eines Hemdärmels umfassen. Zusammen mit dem grossen, aussen liegenden Deltamuskel bewegen sie das Schultergelenk. 

Am häufigsten von degenerativen Schäden betroffen ist die Sehne des Supraspinatusmuskels. Diese verläuft unter dem Schulterdach auf dem Oberarmkopf. Der sogenannte Subacromialraum weist im Normalfall eine Weite von mindestens 7 bis 8 mm auf. Zudem enthält er einen Schleimbeutel. Wird dieser schon im Normalfall enge Bereich durch eine Arthrose zusätzlich verschmälert kommt es zur schmerzhaften chronischen Schleimbeutel- und Sehnenentzündung.

Typischerweise verschwinden diese Schmerzen auch in der Nacht beim Liegen nicht. Dauert die Entzündung an, so nimmt die Sehne Schaden. Sie verliert ihre Festigkeit und Elastizität und kann auch bei geringer Belastung reissen. Dies manchmal im Rahmen eines «normalen» Armeinsatzes, aber auch ohne eigentlichen Auslöser.

Anders als die Supraspinatussehne sind die drei anderen Sehnen deutlich weniger von degenerativen Veränderungen betroffen, weil sie ausserhalb des subacromialen Engpasses verlaufen. Zur Diagnose eines Sehnenrisses wird nebst der klinischen Untersuchung stets eine MR-Untersuchung mit Kontrastmitteln benötigt. Bestätigt sich der Verdacht, so kann ein Konzept zur Behandlung erarbeitet werden.

Weil dank des Deltamuskels ein grosser Teil des Funktionsausfalles kompensiert werden kann, muss eine Sehnenoperation nur in relativ wenigen Fällen empfohlen werden. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass eine gute und schmerzfreie Gelenksbeweglichkeit erreicht werden kann. Gelegentlich ist hierzu eine arthroskopische Erweiterung des Subakromialraumes erforderlich.

Spontanverläufe mit gutem Ergebnis kommen durchaus vor, aber auch die rasche Entwicklung einer schweren Schulterarthrose ist möglich. Aus diesem Grund sollten akut aufgetretene Schulterbeschwerden immer abgeklärt werden. 

arthromedmeilen, Dr. med. Hans Stalder

Orthopädie und Gelenkschirurgie FMH, Meilen 

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