Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Rührender Abschied in St. Martin

Am vergangenen Sonntag verabschiedeten sich Pfarrer Otmar Bischof und das gesamte Pfarreiteam der katholischen Kirche St. Martin in einem bewegenden Gottesdienst von ihrer Meilemer Gemeinde.

  • Religionspädagoge Karl Furrer, Pfarreisekretärin Rossana Bellusci-Tinello, Pastoralassistentin und «Mini-Mami» Heidi Kallenbach, Pfarrer Otmar Bischof und Pastoralassistent Olivier Walser sagen der Kirche St. Martin auf Wiedersehen. Nicht auf dem Bild ist Katechetin Barbara Bartl, welche die Kirche St. Martin ebenfalls verlässt. Fotos: MAZ

  • Pfarrer Otmar Bischof erteilte am Sonntag ein letztes Mal Gottes Segen in der Kirche St. Martin.

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Nach Unstimmigkeiten, die dazu führten, dass Pfarrer Otmar Bischof und das gesamte Pfarreiteam geschlossen ihre Kündigung einreichten, war der Abschied am Sonntag ein versöhnlicher. Man wolle nach vorne schauen und all die positiven, schönen Erinnerungen aus Meilen mitnehmen, die man in den vergangenen Jahren erlebt habe, sagte der scheidende Pfarrer. Es sind auch viele schöne Erinnerungen, ist sich das Pfarreiteam einig. Die Begegnungen mit Menschen, deren Geschichten und Erlebnissen, sind es, die bleiben. Liebgewonnene Menschen zu verlassen, ist aber auch das, was am meisten weh tut. 

Keine klassische Predigt

Auf eine klassische Predigt wurde verzichtet. Vielmehr sollte noch einmal das ganze Team zu Wort kommen und seinen Gedanken zu den vergangenen Jahren freien Lauf lassen. Der Religionspädagoge Karl Furrer verglich seine Tätigkeit mit einer gepackten Unterrichtstasche: Die Tasche sei immer gefüllt gewesen mit dem grossen Interesse an den Kindern, die am Unterricht teilnahmen, mit Ideen und der frohen Botschaft des Evangeliums. Die Freude des Evangeliums weiter zu geben und mit den Ministranten in verschiedenen Altersklassen zu arbeiten war es auch, was Pastoralassistentin Heidi Kallenbach in ihren zwölf Jahren in Meilen motivierte. «Die Saat der Freude und des Guten ist an vielen Orten aufgegangen, das ist schön zu sehen», sagt sie. Auch dem Pastoralassistenten Olivier Walser und der Pfarreisekretärin Rossana Bellusci-Tinello fällt der Abschied nicht leicht. Sie alle nehmen «bunte Erlebniesse und viele Stunden schöner Erinnerungen» mit. 

Frieden für alle und fünf neue «Minis»

Pfarrer Otmar Bischof verglich die christliche Gemeinschaft mit einem Orchester. Schöne Musik könne nur entstehen, wenn alle das gleiche Notenblatt vor sich hätten und die verschiedenen Talente die gleiche Leitmelodie spielten. Wichtig dabei sei der Dirigent. Das gelte auch für das Leben. Jesus Christus sei der Dirigent, das Leben der Menschen ist das Musikstück. 

Er habe als Kind Klarinette gespielt. Seinen ersten Auftritt in einer Kirche hatte er, als er auf seinem Instrument «Hevenu shalom alechem» zum Besten gab. Für den Abschied in Meilen wagte er sich nach 40 Jahren Pause erneut an die Klarinette und gab das Lied zum Besten, das übersetzt «Wir wünschen Frieden für alle» bedeutet. 

Zum Abschied durfte Heidi Kallenbach noch einmal fünf neue Ministranten aufnehmen und deren fünf verabschieden: «Es findet eine Stabsübergabe statt, und ich freue mich besonders, dass ich diese heute noch vollziehen konnte.» 

Standing Ovations und dankende Worte

Zum Schluss durften auch freundliche und würdigende Worte nicht fehlen. Den Anfang machte Oberministrantin Tanja Bleiker. Besonderer Dank, im Namen aller Ministranten (oder eben «Minis»), galt «Mini-Mami» Heidi Kallenbach. Sie habe damals mit zehn Ministranten angefangen. Heute sind es über 50. «Heidi hat unsere Ministranten-Zeit zu einem wunderbaren Erlebnis gemacht, dafür sind wir sehr dankbar und wir werden sie vermissen», sagt sie und überreichte einer sichtlich gerührten Heidi Kallenbach ein von allen Ministranten gestaltetes Erinnerungsbuch. 

Geschenke hatte auch Gemeindepräsident Christoph Hiller dabei. Als Politiker in einem Gottesdienst das Wort zu ergreifen sei unüblich, aber aussergewöhnliche Ereignisse erforderten ausserordentliche Massnahmen. Ein ganzes Pfarrei-Team als Ganzes zu verabschieden, sei ohne Frage aussergewöhnlich. Die Umstände zu kommentieren sei nicht an ihm, sagte der Gemeindepräsident. Er sei aber sehr wohl legitimiert, danke zu sagen für die geleisteten Stunden im Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinde. «Der Staat wäre nicht in der Lage, ein Netzwerk zu schaffen, wie es die Kirche hat, um individuelle Notlagen aufzufangen, soziale Kontakte zu pflegen und sich ums Seelenheil so vieler zu kümmern. Hier leistet die Kirche einen grossen Beitrag.» Mit dem Abgang des Pfarreiteams verliere Meilen viele vertraute Gesichter. «Ich wünsche jedem von Ihnen nur das Beste für den weiteren Weg.» 

Auch Pfarreirats-Präsident Roberto Martullo ist sich sicher, dass das Team in Meilen eine grosse Lücke hinterlassen werde. Das Team habe in den vergangenen Jahren viele Hochs und Tiefs mitgemacht und sich immer mit grösstem Engagement für die Kirche St.Martin eingesetzt. Dafür gebühre ihm höchster Dank. 

Unter Applaus und Standing Ovations wurde das Team von den fast 200 Gemeindemitgliedern in der Kirche verabschiedet, bevor sie beim Apéro vor der Kirche die Möglichkeit zu persönlichen Gesprächen rege nutzten. 

xeiro ag