Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Rekordaufmarsch an der Generalversammlung

Endlich konnte sie durchgeführt werden, die im Mai Corona-bedingt abgesagte Generalversammlung der Vereinigung Heimatbuch: Am Freitagabend trafen sich fast hundert Personen im Saal des «Löwen». Auf die GV folgten das «Forum» und der gemeinsame Znacht.

  • Befragt zum Thema «Einwanderer in Meilen»: Franziska Rentsch und Michele McCoig mit Moderator Hansruedi Galliker, daneben Stephan Heuel und Simi Singh mit ihrem Vater Amitabh (v.l.). Foto: MAZ

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Er sei überwältigt von der Zahl der Anwesenden, sagte Heimatbuch-Präsident Hans Isler und fragte: «Sind es Entzugserscheinungen oder liegt es am Programm?» Tatsächlich sassen an den runden, weiss gedeckten Tischen doppelt so viele Gäste wie in den letzten Jahren üblich, einige von ihnen begrüsste Hans Isler persönlich: Ehrenmitglied Peter Kummer, den Gemeindepräsidenten Christoph Hiller sowie zwei Gemeinderäte, Vertreter der reformierten und, erstmals, auch der katholischen Kirchenpflege, den ehemaligen Vereinspräsidenten Hanspeter Greb und weitere. Anschliessend führte Isler gekonnt durch die Traktanden – als ehemaliger Gemeindepräsident für ihn eine leichte Übung.

Besser als erwartet

Er konnte ein hervorragendes Rechnungsresultat präsentieren, das deutlich besser ist als der eigentlich budgetierte Verlust. Dies einerseits wegen Beitragsaufrundungen beim Buchkauf, anderseits dank Geldern von Gönnern, unter anderem der Bolleter Stiftung und der Gemeinde. «Das ermöglicht uns Rückstellungen, die für die Digitalisierung älterer Ausgaben des Heimatbuchs verwendet werden», sagte Isler. Ausserdem können Audiogeräte für die höchst beliebten Dorfrundgänge angeschafft werden, bisher wurden sie jeweils ausgeliehen. Weshalb das letzte Heimatbuch auf so grossen Zuspruch stiess, konnte auch Hans Isler nur vermuten: Vielleicht lag es an den guten Beiträgen zum Fokus «Corona in Meilen», welche die Leserinnen und Leser berührten.

Anschliessend wurden alle Vorstandsmitglieder inklusive des Präsidenten einstimmig für zwei weitere Jahre gewählt. Neu ist Francesca Carabelli-Fierz. Die Mutter von zwei erwachsenen Kindern hat sich bereits um die neue Website gekümmert und ist nun Heimatbuch-Webmasterin.

Die Welt in Meilen, Meilen in der Welt

Redaktor Hansruedi Galliker stellte den Inhalt des neuen Heimatbuchs vor, das im November erscheinen wird. Geplant sind etwa Beiträge zu Herbst- und Weihnachtsmarkt, zu 50 Jahren Frauenstimmrecht, zu vielen Vereinen plus das Porträt des letzten Meilemers, der hingerichtet wurde: Hans Ulrich Hochstrasser starb 1803 als verurteilter Mörder. Im Zentrum steht indes das Thema «Die Welt in Meilen – Meilen in der Welt». Neben Hintergrundinfos zur Ein- und Auswanderung seit dem 19. Jahrhundert sind die Porträts zahlreicher Ein- und Auswanderer vorgesehen. 

Nachdem die Anwesenden, wenig überraschend, der Herausgabe des Heimatbuchs 2021 zugestimmt hatten, präsentierte Kassier Hans Isler das Budget, «sicherheitshalber pessimistisch», wie er sagte – also mit einem kleinen Verlust rechnend. Der Buchpreis von 32 Franken, der auch gleichzeitig den Vereinsbeitrag darstellt, bleibt gleich. Die Auflage beträgt übrigens rund 1900 Stück, wovon einige jeweils als «Appetizer» u.a. an Neu-Meilemer versandt werden. So kann trotz natürlichen Abgängen die Zahl der Mitglieder des grössten Meilemer Vereins immer in etwa konstant gehalten werden.

Tausend Seiten Chronik

Auch zwei Ehrungen wurden vorgenommen: Die Schreibende, Karin Aeschlimann, erhielt von Hans Isler einen Gutschein für eine Übernachtung auf dem Säntis als Dank für «tausend Seiten Chronik-Redaktion in den letzten 26 Jahren». Chronistin Beatrix Ewert-Sennhauser konnte ihren Blumenstrauss für 21 Jahre Sport-Chronik-Beiträge nicht persönlich entgegennehmen, sie war verhindert, ebenso Jacqueline Sonego (Chronik Kirchen 2017 bis 2020). Ihre Nachfolger sind Barbara Zimmermann (Chronik Sport) und Heinz Bösch (Kirchen). Ebenfalls geehrt wurde Walter Wegmann, der ab 2010 im Beirat gesessen hatte.

Die Schweiz ist nicht wie Bollywood

Passend zum Hauptthema 2021 hatte Redaktor Hansruedi Galliker fünf Einwanderer auf die Löwen-Bühne gebeten, die alle auch in drei- bis vierseitigen Porträts im Buch vorgestellt werden. Mit der Meilemer Auswanderin Sibylle Wenger unterhielt er sich per Skype, wegen einer technischen Störung nicht ganz leicht verständlich. Sibylle Wenger vom Verein «Ayoba, Lebensperspektiven für Aids-Weisen» in Margate in der südafrikanischen Provinz Kwazulu-Natal hat mit ihrer Familie ein Ausbildungszentrum für Kinder und Jugendliche aufgebaut: «Wir wollen hier etwas bewirken mit Schweizer Qualität», erklärte sie. Es sei vergleichsweise schwieriger, in der Schweiz Ideen umzusetzen, «weil dort alles perfekt sein muss». 

«Wenn Menschen Meilen verlassen, ist wieder Platz für die, die nach Meilen kommen», sagte Hansruedi Galliker und stellte einige der Zuwanderer vor: Franziska Rentsch aus Kuba, Michele McCoig aus den USA, Stephan Heuel aus Deutschland sowie Amitabh Singh mit seiner 14-jährigen Tochter Simi aus Bangalore (Indien). 

Der Cybersecurity-Crack Amitabh Singh verlas eine Botschaft an die Meilemer: «Ich stellte mir die Schweiz wie aus Bollywood-Filmen vor und war überrascht, wie die Gesellschaft die Hand ausstreckt zu einem herzlichen Händedruck.» Der Nachbar von Gemeinderat Alain Chervet wanderte mit seiner Familie vor rund zehn Jahren ein und nannte unter anderem als Ziel, eine Brücke zwischen den Kulturen bauen zu wollen. Tochter Simi hat sogar bereits einige Bekanntschaft erlangt als Mitgründerin des Vereins «Girls Can Code», der Mädchen ermutigt, in der digitalen Welt ihren Weg zu gehen oder, noch besser, als Unternehmerinnen Firmen zu eröffnen. Die Singhs sagen, ihre Familie habe in der Schweiz sehr viel Unterstützung erfahren.

Der Liebe wegen aus Kuba und Deutschland gekommen

Franziska Rentsch kam der Liebe wegen aus Kuba in die Schweiz und arbeitet in Meilen als Englischlehrerin. Sie hat hier viele Freunde gewonnen und mit dem Motto «es muss nicht alles perfekt sein, aber gut genug, um mit den Schweizern zu leben» gute Erfahrungen gemacht. Pünktlich zu sein sei hier aber schon sehr wichtig, sagte sie lachend.

In vielen Ländern gelebt hat Michele McCoig aus den USA. In Meilen hat sie nun Wurzeln geschlagen, engagiert sich auch in diversen Vereinen in Feldmeilen: «Wir sind integriert, geniessen es hier zu arbeiten und zu leben. Zu Hause ist, wo das Herz ist.» Den Kontakt zu den Freunden in Amerika hält sie mit Facebook oder Instagram.

Auch Stephan Heuel, er arbeitet für einen Finanzdienstleister, kam wegen der Liebe in die Schweiz. 2007 zog er mit seiner damals schwangeren Frau nach Meilen, die Familie fühlt sich bis heute wohl hier. «Ja, es gibt viele Deutsche in der Schweiz», sagte er lachend, «aber inzwischen laufen Schweizer Jungs mit Fussballtrikots von deutschen Spielern herum, das hätte es früher nicht gegeben.» Will heissen, er fühlt sich akzeptiert. 

«Weitere solche wunderbare Beispiele dafür, wie reichhaltig die Meilemer Gesellschaft ist, kann man im kommenden Heimatbuch nachlesen», warb Redaktor Hansruedi Galliker abschliessend, bevor die Löwen-Crew das Abendessen auftischte. Noch bis etwa 22 Uhr sassen die Gäste zusammen und hatten sich viel zu erzählen. Es lag also, zumindest teilweise, sicher auch an den Entzugserscheinungen nach der gesellschaftlichen Corona-Dürre, dass der Löwensaal so voll war.

www.heimatbuch-meilen.ch

 

xeiro ag