Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Reality-TV einmal anders

MGM-Co-Präsident Alain Chervet konnte eine stattliche Anzahl Besucher inklusive Gemeindepräsident Christoph Hiller begrüssen. Man fand sich an diesem durchgehend milden Abend auf der Dorfplatztreppe ein, um der Aufführung des Heimatstücks von Markus Köbeli durch das TKZ beizuwohnen.

  • Show für die staunenden Touristen: Die Holzers spielen «heile Welt». Foto: MAZ

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Dank für das Sponsoring ging an die Gemeinde Meilen und für die bequemen Sitzkissen an die Infrastruktur Zürichsee AG.

Unter der Regie von Rüdiger Burbach spielten in den Hauptrollen für das Theater Kanton Zürich (TKZ) Katharina von Bock, Anja Rüegg, Nils Torpus, Michael von Burg und Stefan Lahr, in Nebenrollen Daniela Fehr, Saskia Keel, Sarah Schneider, Mato Rajic und Sascha Simic (als Touristen). Für die Dramaturgie zeichnete Ann-Marie Arioli, für das Licht war Patrick Hunka zuständig.

In «Holzers Peepshow» geht es um «Selfmarketing und Zusammenhang von Wohlstand, Wandel und Identität» – so der Flyer.

Ein lebendes Museum

Im ersten Bild fand man sich – zu Alpengesang aus Lautsprechern – am 90. Geburtstag des offenkundig recht dementen und von der Familie auch dementsprechend behandelten Grossvaters Hans (Stefan Lahr), dessen Herzschrittmacher «regelmässig wie eine Schweizer Uhr funktioniert». Anfänglich zu dritt, fanden sich sukzessive fünf Hauptdarsteller auf der Bühne ein, diskutierten gesten- und mimikreich über die Idee, das Loch in der Haushaltskasse zu stopfen, indem man – gegen Gebühr – vorbeiziehenden Touristen durchs Fenster Einsichtnahme in den eigenen Wohnraum gewährte: «Wir sind ein lebendes Museum!» 

Typisch helvetische Verklemmtheit gipfelte alsdann in der Behauptung «wir können noch sagen, was es zu sagen gibt» und der Replik «nur – was?!» Ebenso schweizerisch dann der Jodelversuch der Tochter (Anja Rüegg), vom Greis zittrig begleitet.

Endlich reich

Im zweiten Bild konnte das Proben eingespielter «Familienszenen» verfolgt werden, zunehmend schiere Aufgesetztheit vermittelnd. Das Geschäft aber brummt: Die Touristen profitieren vom bezahlten Einblick ins inszenierte Privatleben immer mehr, die Familienkasse füllt sich, die Ehe- und Familienprobleme aber bleiben. 

Im dritten Bild spielte man für die Touristen vor dem Fenster eine Szene aus Johanna Spyris «Heidi», alsbald sogar in (helvetisiertem) Englisch.

Das vierte Bild zeigte die Individualisierungsmöglichkeiten nach gewonnenem «Reichtum»: Mutter Martha hat sich die lang ersehnten Stiefel und Sohn Hans endlich seine 250-er Kawasaki erstehen können. Dies alles im Umfeld des 91. Geburtstages von Grossvater Hans und der Auflösung des gehabten Haushaltes. So findet sich der Greis schliesslich alleine auf der Bühne und gibt – plötzlich recht agil aus dem Rollstuhl aufgestanden – für die letzten Touristen-Voyeure die Worte der geheilten Klara aus «Heidi» ab Lautsprecher zum Besten. Wunder über Wunder!

Das Ensemble erhielt vom gut unterhaltenen Publikum grossen, klangintensiven Applaus.

xeiro ag