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Ratgeber Ihr Hausarzt: Pseudodemenz

Demenz ist ein geistiger Abbau im Alter, der die Betroffenen und die Angehörigen belastet. Pseudo heisst «ähnlich», «scheinbar», «sieht so aus wie». Eine Pseudo-Demenz kommt wie eine Demenz daher, ist aber keine.

In meiner psychosomatischen Praxis sehe ich immer wieder schwer depressive Patienten, die mich fragen, ob sie wohl an einer Demenz leiden. In solchen Fällen kann ich sie beruhigen und erwähnen, dass diese Pseudo-Demenz sich wieder zurückbildet, wenn die Depression erfolgreich behandelt ist.

Wieso kommt es bei der Depression zu demenzähnlichen Symptomen? – Depression ist nicht nur ein psychisches Problem. Auch zahlreiche körperliche Systeme sind davon betroffen. Auf der Ebene der Hormone kommt es zu einer Zunahme des Cortisols, weshalb man die Depression auch als chronischen Stresszustand verstehen kann. Dieses Cortisol hat die unangenehme Eigenschaft, dass es die Strukturen im Gehirn, die man Hippocampus nennt, mit der Zeit schrumpfen lässt. Nun aber ist dieser Hippocampus quasi die Eintrittspforte für unsere Erinnerungen. Alles, was wir uns merken wollen, muss da durch. 

Wird die Depression richtig behandelt, was für alle Beteiligten viel Geduld erfordern kann, dann profitiert der Patient gleich doppelt. Sein Leben hat wieder Lebensqualität, und die Freude kommt zurück. Mit der Zeit beginnt der Hippocampus wieder an Grösse zuzunehmen, und die Pseudodemenz bildet sich zurück. 

In der Praxis ist es allerdings nicht so einfach, Demenz und Pseudodemenz sauber auseinander zu halten. Das ist auch für uns Ärzte eine Herausforderung. Manchmal kann man erst aus dem Verlauf Klarheit bekommen. Wenn die Demenzsymptome mit dem Abklingen der Depression wieder verschwinden, dann war es eine Pseudodemenz.

Obwohl zeitaufwändig und schwierig, lohnt sich die Behandlung der Depression auf jeden Fall, manchmal gleich doppelt.

Dr. med. Martin Jost, Meilen

www.drjost.ch

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