Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Quirlige Aufführung an lauschigem Ort

Molières letztes Werk hat enorme Berühmtheit erlangt. Der Schauspieler und Autor Jean Baptiste Poquelin (1622 – 1673) war vielseitig interessiert.

  • Theater Poetenpack Potsdam: Schauspielerisch aufwändige Darstellung in nie abnehmender Intensität. Foto: MAZ

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Nebst vaterseits verlangter Ausbildung zum Tapissier bildete sich Molière auch in Jura aus und interessierte sich eingehend für Naturwissenschaften. Ein facettenreicher Lebenslauf – mit Schwerpunkt Theater – war logische Folge. Seine Schauspielkollegin und spätere Frau Madeleine Béjart begleitete ihn, trotz Ehekrisen, durch seine Karriere.

Schauspielkunst von Feinerem

Das Parktheater Meilen erstrahlte in vollem Sonnenschein, als nach  dem gespendeten Apéro Co-Präsident Alain Chervet zur Begrüssung der 225 Besucher schritt. Er verdankte nicht nur die wohltätige Unterstützung durch die Wunderly-Böhme-Stiftung, sondern auch den bedingungslosen Einsatz des «Theater Poetenpack Potsdam». Tatsächlich ist es hoch zu schätzen, dass sich professionelle Schauspieler aus Berliner Umgebung an den Zürichsee begeben, um ihre hervorragend geglückte deutsche Fassung des altfranzösichen Textes darzustellen. Um es vorweg zu nehmen: Man erlebte Schauspielkunst von Feinerem – rundum geglückt! 

Geschickte Szenenwechsel

Schon der Auftritt der Protagonisten – sie gingen durch das Publikum auf die Bühne – bestach ungemein. Der einleitende vierstimmige «Schwebe-Gesang» verhiess einiges, und durch die diversen Schattierungen der komödiantischen Szenen führten die Schauspieler, verlockendes Chargieren grenznah vermeidend, mit Akkuratesse und beneidenswertem Engagement. Auch die Anpassung der Schauspieler an die räumlichen Verhältnisse der Parktheater-Bühne war bewundernswert: Geschickt wurden die zwei Turmteile für Szenenwechsel benutzt. Musikalische Unterstützung in einigen Szenen bot Regisseur Teo Vadersen mittels Gitarre respektive Cinelle. 

Das wahrlich zentrale pièce de résistance, die/der Multifunktions- Wanne, -Sessel, -Sarg, -Gondel, fand eine mittige Stellung auf der Bühne. Was an Requisiten nicht aufgebaut werden konnte, imitierten die Schauspieler vokal (Türeknirschen usw.) gekonnt. Mimisch boten die Protagonisten eine reiche Palette an Ausdrucksmöglichkeiten, selbst wenn sie nicht selbst am Sprechen waren. Die vom Autor bewusst beschwerlich gehaltene Anbiederungsrede fand schauspielerisch aufwändige Darstellung in nie abnehmender Intensität. Dazu kamen, locker eingestreut, einige Gesangsszenen, in denen professionelle Schauspiel-Erfahrung deutlich wurde.

Die Lymphe ist an allem schuld

Molières bekannte Selbstkritik fand u.a. in «der Vater denkt an sich allein» deutlichen Niederschlag, ehe in Cowboy-Manier durch das Publikum hinaus «geritten» wurde. 

Nach der Pause – mittlerweile war es dunkel und merklich kühler geworden – fanden die der Komödie zugrundeliegenden «Scheiss-Nöte» des Malade imaginaire ebenso Niederschlag wie die Weisheiten «du lebst trotz deiner vielen Medikamente noch!» oder «die Ärzte werden Opfer ihres eigenen Tuns – und leben davon!» Dies alles, bevor die vom Dienstmädchen zum imaginären Arzt mutierte Toinette ihren ausgedehnten Auftritt hat, in welchem sie alle Schuld für das Leid auf der Welt der «Lymphe» zuschreibt. Kunstvoll fand das inszenierte Gedankenwesen Molières im vierstimmig gehaltenen Schlussgesang seinen Ausklang.

Dank für emsige Organisation

Anhaltender Beifall war nichts als verdient, viel Bühnenapplaus die logische Folge – ein äusserst gelungener Abend! Dank sei der Mittwochgesellschaft Meilen für emsiges Organisieren gesagt.

Die nächste Veranstaltung à la française findet am 8. September ab 10 Uhr in der Seeanlage statt: «Pétanque pour le plaisir» heisst es dann – ein «JeKaMi» (jeder kann mitmachen) für alle!

xeiro ag