Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Pop-up-Galerie Erlenbach

In der Pop-up-Glaerie an der Bahnhofstrasse 15 in Erlenbach zeigen zwei Künstler – einer davon aus Meilen – und eine Künstlerin ihre neuesten Werke.

  • Thomas Severin Spuler: «Zürich». Was passiert wohl unter diesen Dächern? Fotos: zvg

  • Das Bild «Zähringerplatz» von Thomas Severin Spuler regt den Betrachter zum genauen Beobachten an.

  • Tiefe Schale, Klarglas, opal und kobaltblaues Glas, satiniert.

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Dieses Jahr wurde die Galerie neu eröffnet, doch nach der Eröffnung wegen Corona sofort wieder geschlossen. Nun zeigen Thomas Severin Spuhler, Josef Andraska und Birgit Kraus ihre neuesten Arbeiten. Es entstand eine spannende, interessante und sehr schöne Ausstellung. 

Die drei Kunstschaffenden arbeiten ganz unterschiedlich. Spuhler malt traumhafte Städtebilder, Andraska verführt uns mit seinen Gasobjekten in eine Traumwelt, und Kraus verzaubert uns mit ihren Keramikarbeiten. Und trotz ihrer unterschiedlichen Arbeitsweisen entstand eine einheitliche, überzeugende Präsentation.

Bilder, die nie langweilig werden

Der seit vielen Jahren in Meilen wohnende und arbeitende Thomas Severin Spuhler bewegt sich auf verschiedenen Malebenen. Einerseits sind seine Bilder photorealistisch, aber nicht eine genaue photographische Wiedergabe, sondern durch das Erleben des Augenblicks und des Sehens durch den Maler neu gestaltet. Am besten ist dies beim Bild Zähringerplatz ersichtlich. In den Blättern der Bäume bricht sich das Licht, an den Tischen sitzen viele Menschen, doch einen Tisch liess der Maler frei, damit sich der Betrachter in Gedanken dazusetzen kann. 

Oft erinnern die Gemälde den Betrachter durch ihre Sujets auch an die Naiven oder an die Neue Sachlichkeit. Thomas Severin Spuhler ist ein Träumer, ein Geschichtenerzähler. So steht er auf dem Balkon des Grossmünsterturms und lässt den Blick über das Dächermeer der Zürcher Altstadt schweifen. Jedes Haus kann genau zugeordnet werden, und man fragt sich, was gerade jetzt unter diesen Dächern passiert. 

Er verfügt über eine unglaubliche Sensibilität und Feinheit und zeigt uns die Schönheiten der Stadt aus einer neuen Perspektive. Es sind Bilder zum Träumen, Bilder, die dem Betrachter nie langweilig werden, weil er immer wieder Neues darin entdeckt. Er ist aber auch ein hervorragender Porträtist, der uns die porträtierte Person lebendig erscheinen lässt. Es gibt nicht viele Maler, die die Farbpalette so beherrschen wie er.

Vergesst Murano und die Glaskünstler Italiens!

Ergänzend zu den Bildern zeigt Josef Andraska aus Uetikon seine Glasobjekte. Es ist grossartig, ja man kann ruhig sagen einmalig, was er hier ausstellt. Seine Objekte lassen Murano und die Glaskünstler Italiens vergessen. Es sind wunderschöne, herrliche Vasen, Schalen und Objekte, jedes ein Unikat. Wie die Farben in den Objekten verlaufen, wie sie dem Glas Leben einhauchen, ist einfach zauberhaft. Jedes Objekt hat ein Eigenleben, erzählt eine Geschichte, verführt uns zum Träumen. 

Andraska wurde 1944 in Ungarn geboren und entdeckte schon in seiner Kindheit seine Liebe zum Glas. Nach dem Besuch des Kunstgymnasiums in Budapest absolvierte er ein Praktikum als Glas-Designer. Anschliessend folgte das Studium an der Kunstakademie in Budapest. Nach seiner Heirat 1970 emigrierte er in die Schweiz und wohnt seither in Uetikon. In seinen Arbeiten versteckt sich sehr viel geistige, künstlerische und vor allem handwerkliche Arbeit. Speziell bei den Lichtobjekten, bei denen das Glas zuerst in einzelne Glasscheiben zerlegt werden muss, die nachher wieder zusammengefügt werden. Ins Ganze kommt eine Beleuchtung, die ferngesteuert wird. Es entsteht so eine einmalige Stimmung, die Farbe beginnt unten schwach und verstärkt sich nach oben und ändert sich nach einer gewissen Zeit. 

So kann man im Raum mit diesen kleinen Objekten eine beruhigende, erholsame Stimmung erzeugen und sich jedes Mal von Neuem am Kunstobjekt erfreuen. Oder man betrachte, ja berühre und spüre den Sand auf der Vase «Sandsturm». Man fühlt sich in die Wüste versetzt.

Porzellanarbeiten mit kleinen Punkten

Dazwischen befinden sich die Porzellanarbeiten von Birgit Kraus. Sie dreht jedes Stück einzeln auf der Töpferscheibe, stempelt dann ein Muster ins Porzellan oder trägt eines mit einem Pinsel auf. Dann entfernt sie die Masse, so dass kleine Punkte im Scherben durchscheinen. Anschliessend wird jedes Stück mehrmals gebrannt und stellenweise glasiert. 

Pop-up-Galerie Erlenbach, Bahnhofstrasse 15. Ausstellung bis Freitag, 31. Juli, offen donnerstags und freitags von 15–19 Uhr und samstags von 14–18 Uhr. Die Künstler sind jeweils anwesend.

xeiro ag