Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Nachbarschaftshilfe made in Meilen

Was tun, wenn man selber nicht mobil, im Seniorenalter oder gar Corona-positiv ist und deshalb das Haus auch für kurze Einkäufe nicht verlassen sollte? Seit Anfang Woche sorgt eine Nachbarschaftshilfe in Meilen dafür, dass diesen Menschen geholfen wird.

  • Jessica Mor ist einer der freiwilligen Helferinnen und Helfer, die für Menschen einkaufen, die das Haus wegen Alter oder Krankheit nicht verlassen sollten. Foto: zvg

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Die erste offizielle Anfrage für Hilfe im Quartier kam am vergangenen Montag: Das «Nachbarschaftstelefon» der Wachtvereinigung Dorfmeilen (WDM) erhielt den Anruf einer älteren Dame, die frisches Brot, Milch, Orangensaft und Pflästerli benötigte. Initiantin Jessica Mor-Camenzind kaufte das Gewünschte im Volg und legte den gefüllten Poschtisack anschlie-send in den Milchkasten der Meilemerin.

Zentrale Koordination und Einsatzplanung

Der Vorstand und freiwillige Helfer übernehmen den Einkauf und sonstige Erledigungen wie den Gang zur Apotheke oder zur Post für in Meilen lebende Einwohnerinnen und Einwohner, die auf Unterstützung angewiesen sind, weil sie im Seniorenalter, krank oder möglicherweise Corona-positiv sind. Gegründet wurde die Nachbarschaftshilfe von WDM-Vorstand Jessica Mor, die sich auch um die Koordination und Einsatzplanung der zahlreichen Helferinnen und Helfer kümmern wird. «Bis jetzt haben sich nach unserem Aufruf auf Facebook zwanzig Personen gemeldet, die helfen wollen», sagt sie, auch die anderen Quartiervereine haben ihre Hilfe zugesichert. 

Weitere Helfer aus dem gesamten Gemeindegebiet werden noch gesucht. Am Ende sollen alle Quartiere in Feldmeilen, Dorfmeilen, Obermeilen und Bergmeilen gut abgedeckt sein, so dass die einzelnen Helfenden nicht überansprucht werden, selbst wenn die Anfragen zunehmen. Wer ein Auto hat, um Besorgungen zu erledigen: umso besser – das ist aber nicht Bedingung. «Matthias Schaufelberger von der Rothaus-Apotheke hat uns spontan sein Geschäftsauto angeboten, falls wir mal eines benötigen», freut sich Jessica Mor. Und er hat ihr eine grosse Packung Einweghandschuhe geschenkt, die die helfenden Hände schützen. Desinfektionsmittel sind allerdings in der Rothaus-Apotheke, wie überall, Mangelware.

Auch ein simples Telefongespräch kann helfen

Jessica Mor weiss, dass in der Gemeinde in den kommenden Wochen viele Menschen auf Solidarität und Hilfe im Alltag angewiesen sein werden. Bereits haben sich – neben Gemeindepräsident Christoph Hiller – auch zwei betagte Damen beim Nachbarschaftstelefon gemeldet, nur, um sich für die Initiative zu bedanken. «Mit einer von ihnen habe ich ein Weilchen geplaudert», sagt Jessica Mor. Dabei habe sie realisiert, wie gross das Bedürfnis nach Kommunikation ist: «Wenn man weiss, man hat einen älteren Nachbarn, könnte man ihn doch einfach spontan anrufen und fragen, wie es ihm geht.» Jüngere Menschen sind über soziale Medien vernetzt, doch die ältere Generation, teils ohne Internetzugang, ist in der aktuellen Situation stark aufs Telefon angewiesen. 

Nachbarschaftshilfen werden überall im Land gegründet. Jessica Mor hatte das Nachbarschaftstelefon der Wachtvereinigung Dorf kaum auf Facebook publik gemacht, als sie schon die ersten Reaktionen erhielt – sogar aus dem Kanton Glarus. Die Frage lautete, ob man die Idee kopieren dürfe. Natürlich, sagt Jessica Mor, die sich vor der Corona-Krise bereits im Hilfswerk Swiss4Syria engagierte: Sie würde sich freuen, wenn noch ganz viele solcher Nachbarschaftshilfen entstehen würden. «Die Menschen rücken wieder näher zusammen», sagt sie, «wenn auch mit mindestens zwei Metern Abstand.»

Das «WDM-Nachbarschaftstelefon» wird zwischen 08.00 und 17.00 Uhr unter 079 151 87 72 bedient. Man kann sich auch per E-Mail melden: vorstand@wdm-zh.ch. Was die Betroffenen benötigen und wie die Bezahlung organisiert wird, wird telefonisch oder per E-Mail besprochen und entsprechend koordiniert. Freiwillige Helfer dürfen sich ebenfalls gerne unter dieser Nummer melden.

Der Quartierverein Feldmeilen und der WDM betreiben zudem ab Freitag gemeinsam die Website www.quartiernetz.org, die ebenfalls für das Erfassen von freiwilligen Helfern verwendet wird.

 

Weitere Initiativen für Nachbarschaftshilfe

www.hilf-jetzt.ch ist eine Internet-Plattform, über die man Unterstützung in der Nachbarschaft suchen oder eine neue Gemeinschaft gründen kann. Es sind bereits mehrere Hundert Gruppen aktiv. Die Gruppe aus Meilen wird von Pascal Nydegger koordiniert: Telefon 079 797 67 81, pascalnydegger@hotmail.com.

Die App «Five up» des Schweizerischen Roten Kreuzes koordiniert Freiwilligenarbeit, z.B. auch für eine Fahrt in eine Arztpraxis. Man kann sich gratis registrieren und geschlossene Gruppen erstellen, um die Hilfe im nahen Umfeld leichter zu koordinieren. Vorteil: Im Gegensatz zu Gruppen auf WhatsApp und Facebook sieht man bei «Five up» direkt, wo es noch Hilfe braucht und wo sich bereits Personen gemeldet haben.

Um sich gegen allfälligen Missbrauch zu schützen, bildet man am besten geschlossene Gruppen, in denen man die Personen kennt oder zumindest zuordnen kann. In die eigene «Community»-Gruppe kann man unbegrenzt Kontakte einladen und Quartiergruppen, Schulgruppen oder Familiengruppen bilden. Bevor man unbekannten Personen mit konkreten Aufgaben betraut, sollte man sie am besten kurz kennenlernen. 

Aktivitäten können in der App direkt auf anderen Kanälen via WhatsApp, Facebook, Instagram etc. geteilt werden, damit die Chance grösser wird, Hilfe zu vermitteln.

Freiwillige, die einen Hilfsdienst leisten möchten, sowie Personen, die einen bestimmten Dienst benötigen, können Angebote auch öffentlich ausschreiben. Kontakte werden in der App erst ersichtlich bei gegenseitiger Bestätigung

xeiro ag