Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Mit unverkennbarer Handschrift

Gespannt wartete man auf die zweite Ausstellung des Toggenburger Malers Daniel Gisler. Schon die erste war ein einmaliges Erlebnis, sah man doch sofort, über welches Können dieser Künstler verfügt, wie elegant und gekonnt er den Pinsel führt und wie traumhaft schön er die Toggenburger Landschaft wiedergibt.

  • Daniel Gisler malt kompromisslos das, was ihm gefällt. Fotos: zvg

  • Schwemmholz plus Rechen gleich Tier.

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Der Betrachter fragte sich, wie Gisler sich weiter entwickeln wird –   wird er sich noch steigern können? Erfreut stellt man nun fest, dass er seinen Weg konsequent weiter ging und sein Können einen neuen Höhepunkt erreicht hat. 

Er wurde in der Darstellung freier, löste er sich doch ein wenig von der klassischen Bauernmalerei und entwickelte sich hin zur freien Pleinair-Malerei. Er ist einer der klassischen und wohl letzten Bauernmaler, ein Autodidakt, gelernter Käser. So sind auch seine Bilder kraftvoll, doch oft zart und fein, aussagestark und verträumt, schlicht und einfach sagenhaft schön. 

Landschaft, wie sie wirklich ist

Gisler wurde 1972 in Libingen im Toggenburg geboren, ist heute nebenbei auch als Krankenpfleger SKR tätig und bringt uns Unterländern die wunderschöne Toggenburger Landschaft nahe. Seine Landschaften sind oft geheimnisvoll, sagenumwoben, leichter Herbstnebel steigt aus dem Weiher, die Herbstsonne bricht gelb leuchtend langsam durch, das Laub der Bäume strahlt golden. Beim Betrachten dieser Bilder wandert man im Geiste durch diese Landschaft, lässt die Seele baumeln und geniesst die Entspannung und Ruhe. 

Den Besucher empfängt in der Galerie ein in voller Blüte stehender Kirschbaum. Man sieht Wolken, aber bereits bricht das Blau des Himmels durch, leichter Regen fällt noch und der Wind bläst die Blüten des Baumes, in zarten Farbtönen gemalt, durch die Landschaft. Man riecht beim Betrachten förmlich den Frühling. Die Wiese ist übersät mit goldigen Tupfern, die blühenden Löwenzahn darstellen. Gisler liebt das Detail in seiner Malerei, ohne sich darin zu verlieren, und er zeigt uns die Landschaft, wie sie wirklich ist.   

Hervorragend ist das Triptychon. Es zeigt eine Herbststimmung, im Vordergrund eine hügelige Landschaft mit einigen Kühen, begrenzt durch einen einfachen Weg, der um eine Kurve an einem Haus vorbei führt, von dem nur ein angeschnittenes Dach sichtbar ist. Dahinter ein majestätisches Alpsteinpanorama, eine traumhafte Farbsinfonie. Hier erkennt man, dass Gisler kompromisslos das malt, was ihm gefällt. 

Wahre Meisterwerke sind seine im klassischen Bauernmalerstil gemalten kleineren Bilder. Sie sind nicht eine Kopie seiner Vorgänger, sondern es sind Werke, die unverkennbar seine Handschrift tragen. Man spürt die Kälte des Schnees, die Trostlosigkeit und Härte des Winters, die Flächen aufgeteilt in das schneebedeckte Weideland, eingerahmt von den schwarz dastehenden Wäldern. Oft strahlt ein beleuchtetes Fenster Wärme aus und lässt uns fragen, was die Menschen dahinter wohl machen. Diese klassischen Bilder sind oft mit alten Fensterrahmen gerahmt und erhalten so eine noch stärkere Aussagekraft. 

Neues ist weniger stark

Gisler versucht sich auch in Neuem. Das Bild einer jungen Frau mit roten Haaren ist sehr beeindruckend. Sie wird von zwei Raubvögeln eingerahmt, die sie betrachtend auf je einer Hand sitzen. Die junge Frau zeigt einen sehr herrschenden, ungeduldigen Gesichtsausdruck. Es ist ein Bild, das an mittelalterliche Darstellung erinnert. 

Daneben befindet sich ein grosses Blumenbild mit Tulpen in kräftigem Rot, hingeworfen mit starkem Pinselstrich. Reizvoll ist auch die Innenansicht eines Bistros, in dem eine junge, sitzende Frau in Rot ihr Gesicht einem Herrn zuwendet, der dem Bildbetrachter den Rücken zuwendet. Man hat den Eindruck, als würde sie schimpfen. Der daneben stehende Kellner verfolgt die Auseinandersetzung interessiert. Es sind gute Bilder, aber sie erreichen nicht die einmalige Kraft der meisterhaften Landschaftsdarstellungen. 

Humorvoll interpretiertes Schwemmholz

Ergänzend dazu sind Objekte von Frank Züblin ausgestellt, die wahrlich über Patina verfügen. Sie sind witzig, humorvoll und zeigen uns, was man mit altem Werkzeug und altem Holz machen kann und weshalb man alte Gegenstände nicht immer sofort wegwerfen soll. 

Züblin ist ausgebildeter Möbelschreiner und lebt im toggenburgischen Ganterschwil. In der Nähe fliessen der Neckar und die Thur zusammen, ein grosses Gebiet mit angeschwemmtem Holz. Hier sucht sich Züblin die entsprechenden Hölzer aus und fügt sie dann mit altem, ausgedientem Werkzeug zu lustigen Objekten zusammen. Es entstehen aus alten Hämmern und Holz Ziegen. Aus einem schön geschwungenen Holz wird ein eleganter Schwan. Kopf, Schnabel und Körper werden durch das Holz gebildet, Kopfschmuck und Schwanzfedern bestehen aus alten Rasenrechen – teils leicht grün, teils rostig. 

Schmunzeln lässt den Betrachter eine aufrechtstehende Katze sowie eine Figur mit dem Titel «Dem Schöpfer sei Dank», die aus einer Kurbel und einem alten Schloss besteht und um den Bauch einen Rosenkranz gewickelt hat. Einmalig sind auch die Kühe: ein zerfressenes Holzstück, zwei echte Kuhhörner sowie etwas Fell auf dem Kopf. Diese Objekte besitzen eine interessante Patina und lassen sich auch sehr gut im Garten oder auf dem Balkon aufstellen. 

Schwabach Galerie, Schwabachstrasse 50, Feldmeilen. Vernissage morgen Samstag, 6. Oktober von 17.00 bis 19.00 Uhr. 

Ausstellung bis 4. November. Öffnungszeiten jeweils Donnerstag und Freitag von 18 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag von 15 bis 17 Uhr. Der äusserst beliebte Apéro findet am 21. Oktober um 15 Uhr statt und bietet die Gelegenheit, sich von den beiden Künstlern ihre Werke persönlich erklären zu lassen. 

xeiro ag