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Medikamente – muss ich, soll ich, darf ich?

Medikamente sind, sofern richtig eingesetzt, ein Segen. Dennoch werden sie häufig nur ungern eingenommen oder ganz weggelassen. Gemäss Studien werden ca. 30 Prozent der verschriebenen Medikamente nicht eingenommen, bei chronischen Erkrankungen liegt der Anteil noch höher. Aber wieso eigentlich?

Die Verunsicherung gegenüber Medikamenten scheint gross zu sein. Sei es aus Angst vor Nebenwirkungen, aus Skepsis gegenüber den Ärzten und Pharmakonzernen oder aus Kostengründen.

Grundsätzlich ist ein Hinterfragen der Medikation der richtige Ansatz: So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Aber wie viel ist nötig? 

Es gibt Erkrankungen, bei welchen man die Symptome bekämpft, damit sich der Patient wohler fühlt, teils auch, um Komplikationen zu vermeiden. In solchen Fällen ist ein gewisser Diskussionsspielraum möglich, im besten Fall kann man mit dem Patienten besprechen, was er möchte. Bei anderen Erkrankungen jedoch geht es darum Langzeitfolgen zu verhindern, teilweise ohne dass der Patient einen unmittelbaren Effekt verspürt. 

Gerade bei diesen chronischen Erkrankungen wie Diabetes (Zuckerkrankheit), arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) oder Hypercholesterinämie (hoher Cholesterinspiegel) ist es essentiell, dass sie früh und konsequent behandelt werden, um Spätfolgen zu verhindern. 

Dabei ist es unabdingbar, dass der Patient weiss, warum er ein gewisses Medikament einnehmen sollte und welche Konsequenzen eine fehlende medikamentöse Behandlung haben könnten. Auch das Wissen um potentielle Nebenwirkungen ist wichtig, und Bedenken von Seiten des Patienten sollten unbedingt mit dem Arzt besprochen werden. Entscheidet sich ein Patient gegen das Medikament – aus welchen Gründen auch immer –, ist es wichtig, dass er dies dem Arzt mitteilt. Gemeinsam kann gegebenenfalls eine andere Lösung gefunden werden, der Arzt kann die medizinische Situation einschätzen und den Patienten entsprechend begleiten. 

Die Einnahme von selbst gekauften Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln sollte dem Arzt gegenüber ebenfalls erwähnt werden, da auch diese zu Nebenwirkungen oder Interaktionen führen können. 

Und nicht zuletzt sollten die Medikamente auch immer wieder dahingehend überprüft werden, ob sie noch eingenommen werden müssen oder die Therapie abgeschlossen werden kann.

Dr, med. Sophie Ito-Jung
Fachärztin Allgemeine Innere Medizin, Dorfstrasse 24, Meilen, Tel. 044 923 25 71

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