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Machen Medikamente dick?

In meinen zahlreichen Gesprächen ergibt sich oft die Notwendigkeit, Psychopharmaka als Unterstützung einzusetzen. Dass Patienten dazu Fragen haben, versteht sich. Am häufigsten kommt: «Nehme ich damit zu?» Das ist eine wichtige Frage. Einerseits geht es ums Aussehen, was psychologisch wichtig ist, aber es geht auch um die medizinischen Folgen von Übergewicht.

Dass einige Psychopharmaka zu Übergewicht führen können, ist unbestritten. Andere können auch Diabetes begünstigen. Allerdings ist das individuell sehr unterschiedlich.

Wieso nimmt man bei einzelnen Medikamenten zu? Es gibt mehrere Mechanismen. Einzelne Medikamente machen Hunger und verursachen damit indirekt eine Gewichtszunahme. Andere steigern das Gewicht, ohne mehr Hunger zu verursachen. Ein klassischer Mechanismus liegt vor, wenn das Medikament das Histamin im Gehirn senkt. Zudem spielen die Serotonin- und auch die Dopamin-Rezeptoren im Gehirn manchmal mit. Bei Lithium, das bei schweren Depressionen oder bipolaren Störungen eingesetzt wird, ist der Mechanismus weitgehend unklar. Fakt ist, dass Lithium auf der Ebene der Erbsubstanz einzelne Gene aktiviert oder blockiert.

Warum lässt man die potentiellen Dickmacher nicht einfach beiseite? Dazu gibt es eine Faustregel: Medikamente, die beruhigen oder den Schlaf verbessern, können potentiell zu Übergewicht führen. Bei vielen psychischen Störungen, besonders bei Angst oder Schizophrenie, spielen Unruhe oder Schlaflosigkeit meistens mit. Schlafstörungen sind auch bei Depressionen eher die Regel. Deshalb lässt sich oft der Einsatz dieser Medikamente nicht vermeiden. 

Was können wir tun? Wenn möglich nicht mehrere Medikamente kombinieren, die kritisch sind. Beim Essen ist Disziplin angesagt, was erfahrungsgemäss schwierig ist. Schliesslich sollte man auch sich bewusst mehr bewegen. Auf jeden Fall ist die Medikamentenabgabe eine Gratwanderung, und ein guter Bergführer ist dabei hilfreich.

Dr. med. Martin Jost,

Psychosomatische Medizin, Meilen.

www.drjost.ch

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