Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Lernen auf Distanz

Für mehr als 1480 Kinder und Jugendliche in Meilen ist am Montag die gewohnte Tagesstruktur weggebrochen, denn nicht nur das öffentliche Leben der Erwachsenen steht still. Auch die Schulhäuser, Turnhallen, Mittagstische sind leer.

  • Seit dem 16. März und mindestens bis am 27. April findet in der Schule Meilen kein Unterricht statt. Foto: MAZ

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Mitte letzter Woche sah sie es kommen: «Wir haben bereits vor dem Entscheid des Bundesrates, die Schulen zu schliessen, eine Taskforce gebildet», sagt die Meilemer Schulpräsidentin Cordula Kaiss. Am Samstag nahm sie gemeinsam mit Rektor Jörg Walser an der Sitzung des «Krisenstabs Corona» teil, um die Lehrerinnen und Lehrer fundiert informieren zu können. 

Bereits am Freitag erhielten die Klassenlehrpersonen aller Schüler und Kindergartenkinder sowie der Vorstand des Vereins FEE (Familienergänzende Einrichtungen) einen Infobrief zuhanden der Eltern, den sie mit WhatsApp oder per Mail verschickten. Darin die klare Ansage: Vorerst bis nach dem Frühlingsferien, also bis am Montag, 27. April, bleibt die Schule geschlossen. In dieser Zeit beschäftigen sich die Kinder mit Arbeitsmaterialien.

Ideen fürs Lernen und den Alltag

Es gehe nun darum, den Kindern in den kommenden Wochen Anregungen zu geben, wie sie weiterhin gezielt lernen können, sagt Cordula Kaiss. Damit sie eine Tagesstruktur haben und um die Langeweile zu bekämpfen erhalten sie für jeden Tag Aufgaben. Sogar von den Turnlehrern, diese haben Filme gedreht, in denen sie Fitnessübungen für zuhause zeigen. 

Indes: «Unterricht hat sehr viel mit der persönlichen Beziehung zwischen Schüler und Lehrperson zu tun, deshalb ist digitales Unterrichten eigentlich gar nicht möglich», sagt die Schulpräsidentin. Was man aber sehr wohl machen könne, sei digital lernen. Auch Rektor Jörg Walser sagt: «Wir können keinen eigentlichen Unterricht abhalten, aber Unterstützung bieten. Wir formulieren Aufträge und stellen Ideen zur Verfügung, wie man das Lernen und den Alltag in diesen Wochen gestalten kann.»

Schon seit einiger Zeit sind gewisse Lehrmittel nicht mehr physisch, sondern nur noch in digitaler Form vorhanden. Ab der 5. Primarschulklasse verfügen zudem fast alle Meilemer Kinder über ein iPad, das ihnen von der Schule zur Verfügung gestellt wird. Eine Neuerung, die im letzten Sommer im Zusammenhang mit dem Lehrplan 21 eingeführt wurde, und die in der aktuellen Situation äusserst segensreich ist. Wegen der Coronakrise bietet der Lehrmittelverlag den Schulen ausserdem die Lizenzen für Lernsoftware zurzeit gratis an.

Telefonischer Kontakt mit den Klassenlehrern

Alle Schülerinnen und Schüler kamen am Dienstag ein letztes Mal – in Gruppen gestaffelt – in die Schulhäuser, um ihre Bücher und Hefte abzuholen. Die Kindergartenkinder und die Primarschüler bis und mit 4. Klasse erhielten dabei auch gleich die ersten Aufträge für das Lernen zuhause, denn auf dieser Stufe hat Lernen mit dem Computer noch wenig Sinn. Weiteres Material in Form von Aufgabenmäppchen wird ihnen in geeigneter Form zugestellt werden. Ausserdem bleiben die Klassenlehrerinnen und -lehrer aller Stufen mit den Kindern telefonisch in Kontakt, und die Schüler sowie die Eltern haben auch die Möglichkeit, sie innerhalb bestimmter Zeitfenster anzurufen, wenn Fragen auftauchen oder sie einen Rat benötigen.

Einige Kinder sind auf eine Notfallbetreuung angewiesen, weil vereinzelte Eltern (noch) keinen Hütedienst für sie organisieren konnten, besonders, wenn die Mütter oder Väter alleinerziehend sind und beispielsweise in der Pflege oder im Verkauf arbeiten. «Wir versuchen uns hier fallweise zu engagieren, denn gerade jüngere Schüler dürfen auf keinen Fall in dieser Situation allein gelassen werden», sagt Cordula Kaiss. Bis jetzt waren nur wenige Kinder in der Notfallbetreuung. Sie kommen in die Schule und werden in kleinen Gruppen von Lehrpersonen betreut.

Auch um die Schülerinnen und Schüler, die Spezialunterricht wie Psychomotorik oder Heilpädagogik benötigen und um Jugendliche, die mitten in der Lehrstellensuche sind – diese kann sich erfahrungsgemäss bis in den Sommer hineinziehen – kümmert man sich individuell. «Wir befinden uns in einem Prozess und werden laufend herausfinden, wie man mit der Situation am besten umgeht», sagt Schulpräsidentin Cordula Kaiss. 

Auch die Lehrpersonen selber sollten so oft wie möglich zu Hause bleiben, vor allem, wenn sie für die Anreise den öffentlichen Verkehr benötigen oder wenn sie selber Kinder zu betreuen haben. Dennoch sind Sitzungen in kleinen Gruppen geplant, natürlich mit allen Vorsichtsmassnahmen.

Spielen nur zu zweit oder zu dritt

Und wenn die Kinder die Arbeitsaufträge erledigt haben und sich mit Freunden treffen oder draussen herumtollen wollen? «Kinder dürfen und sollen miteinander spielen, am besten jedoch zu zweit oder zu dritt», sagt Cordula Kaiss, «und es sollten möglichst immer dieselben Kinder oder Jugendlichen sein, die zusammen Zeit verbringen. Wechselnde oder grössere Gruppen sind jetzt wirklich zu vermeiden, und für die Erwachsenen gilt: Eltern sollten zu den anderen Eltern unbedingt Abstand halten.» 

Tipps und Links für gute Arbeitsmaterialien werden laufend auf www.schulemeilen.ch aufgeschaltet.

xeiro ag