Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Kunst aus Meilens Partnergemeinden

Meilens drei Partnergemeinden wurden dazu eingeladen, je zwei Kunstschaffende auszuwählen, die im OMM ihre Werke zeigen dürfen. Es ist die wohl beste, interessanteste und künstlerisch wichtigste Kunstausstellung der letzten Zeit in Meilen, die ab Samstag im Ortsmuseum gezeigt wird.

  • Papierschnitt von Monika Flütsch.

  • Reto Scheiber zeigt eine ganz neue Sicht auf die Welt. Fotos: MAZ

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Der zweite einst in Bauen (UR) wohnhafte Künstler und Innenarchitekt (vgl. Meilener Anzeiger vom 28. August) ist der Schattdorfer Reto Scheiber. Auch er arbeitet mit Holz und schuf zusammen mit der Künstlerkollegin Anita Sieber eine begehbare Raum-Installation. 

Innere Ruhe im Kunstwerk

Ein kristalliner Körper aus Pappelholz, dessen Wände mit einer Ausnahme über keinen rechten Winkel verfügen. Der Innenraum ist in einem hellen Blau ausgemalt, und von der Decke strahlt ein mildes Licht. Man betrete den Raum, schliesse die Türe, setze sich in die Kissen und geniesse die einmalige, äusserst beruhigende innere Ruhe.

Reto Scheiber ist bildender Künstler und Innenarchitekt und arbeitet mit einer geometrischen, reduzierten Bildsprache. Das ist auch in seinen Bildern und seiner Plastik sichtbar. In seinen Tafelmalereien erkennt man bei genauem Hinsehen, wie sich auf ihnen die ornamentalen Muster mit kleinen Bewegungen von Bild zu Bild verschieben und ein Ganzes ergeben. Seine Skulpturen aus Paraffin ergänzen die Malereien. 

Steine unter dem Mikroskop

Urs A. Furrer und Monika Flütsch kommen aus St. Antönien (GR). Sie zeigen in geheimnisvollen Bildern die Schönheit ihrer Berge und Natur. Aber nicht in klassischen Bildern, sondern im Zurückführen auf den Ursprung des Entstehens unserer Welt. 

Urs Furrer wurde an der Kunstgewerbeschule Zürich zum Grafiker ausgebildet. Aber da er ein Suchender ist, der alles hinterfragt, der von der anorganischen Materie, von den Gesteinen fasziniert ist, zog er im Jahr 2005 nach St. Antönien. 

Die Mineralien im Gestein ergeben ganz eigene Effekte. Es sind Pigmente voller Strahlkraft und einer grossartigen Reflektion, speziell das sich darin befindende Kristalline stellt alle Spiegelsäle der grossen Schlösser mit seiner Strahlkraft in den Schatten. Furrer arbeitet in der Freskentechnik, d.h. nass in nass. Die gesammelten Steine, die immer nur aus einer bestimmten Gegend stammen, werden zu einem Steinmehl verrieben. Auf einer Holzplatte wird eine dünne Schicht aus Leim, Magerquark, Sand und Löschkalk aufgetragen. Darauf wird dann mit einer Spritzpistole das Steinmehl aufgetragen, gefolgt von einer dünnen Schicht Kalzit, die dem Bild das Geheimnisvolle, die Leuchtkraft gibt. Der Trocknungsprozess ist die Zurückbildung zum Stein. 

Mit einer neuen Technik geht Urs A. Furrer aber noch viel weiter. Er zerlegt die Steine unter dem Mikroskop in ihre Kristalle, oft nur Millimeter gross, betrachtet sie dann und wird von der Strahlkraft und Vielseitigkeit förmlich geblendet. Diese Bilder fotografiert er digital und transformiert sie mit dem elektronischen Pinsel in die Landschaften, in der die Steine gefunden wurden. Dies ergibt eine ganz geheimnisvolle, einmalige, neue Welt und Sichtweise, die uns das Entstehen unserer Natur neu verstehen lässt und uns zu deren Schutz auffordert.

Wuchtige Schönheiten

Monika Flütsch wuchs in Klosters auf, schloss die Handelsschule mit dem Diplom ab und war Skiinstruktorin, bis sie die Liebe nach St. Antönien zog. Sie konnte bereits einmal ihre hervorragenden Arbeiten, die auch schon international ausgestellt wurden, in Meilen präsentieren. Ihre Werke bilden mit jenen von Urs Furrer eine verblüffende Einheit. Er zeigt uns die verborgenen Schönheiten eines Steines, sie nimmt die Wucht und Schönheit ihrer Bergwelt auf. Es sind schlichte, aber sehr aussagekräftige Papierschnitte, die uns die eindrückliche Bergwelt St. Antöniens näherbringen. 

Beim Scherenschnitt wird mit der Schere, beim Papierschnitt aber mit dem Messer geschnitten, was viel grössere Flächen ermöglicht. Es ist die Sicht von oben, die Monika Flütsch darstellt. Dabei reduziert sie die Umgebung, lässt den Hintergrund weg, was bewirkt, dass ein Felsenturm viel mächtiger und imposanter erscheint. Besonders gut sieht man das beim Bild «Schijenzahn», einem 30 Meter hohen Kletterturm. Den Hintergrund bilden Streifen aus grauem Steinpigment, das mit einer Bürste aufgetragen wird. 

«Blankoscheck» im Ortsmuseum Meilen, Kirchgasse 14, mit Bildern und Installationen. Vernissage morgen Samstag, 5. September, 14.30 Uhr. Ausstellung bis 4. Oktober. Offen jeweils Samstag und Sonntag 14.00 – 17.00 Uhr. 23. September: Steinpigmentkurs für Kinder mit Urs A. Furrer.

xeiro ag