Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Kunst aus Meilens Partnergemeinden

Vor vier Jahren präsentierte sich die Partnergemeinden von Meilen – Ausserberg (VS), Bauen (UR) und St. Antönien (GR) – im Ortsmuseum. Nun wurden die drei Gemeinden eingeladen, je zwei Kunstschaffende auszuwählen, die im OMM ihre Werke ausstellen.

  • Neben den Bildern von Helga Zumstein sind wunderschöne antike Möbel des Antik-Möbelschreiners Thomas Anklin aus Bauen ausgestellt. Foto: MAZ

1/1

Bei der gut besuchten Ausstellung von 2016 wurde unter anderem gezeigt, was mit den finanziellen Beiträgen von Meilen in den Gemeinden alles geleistet worden ist. Diesmal nun geht es ausschliesslich ums Thema Kunst: Zu sehen sind die Werke von sechs Künstlern aus Ausserberg, Bauen und  St. Antönien die teilweise auch schon internationale Erfolge feiern konnten. Die Arbeiten in der sehenswerten Schau umfassen die ganze Bandbreite heutigen Kunstschaffens.

Eine Installation als Aufforderung zur Mässigung

Eva-Maria Pfaffen aus Ausserberg bringt mit ihrer eindrücklichen Installation «Mehlweiss in den Raum gestellt» die Besuchenden an die Grenzen des Verstehens. Sie bespielt den Raum links beim Eingang des Ortsmuseums, den man nicht betreten kann, da er gefüllt ist – mit grossen, weissen Getreidesäcken. Die Künstlerin hat den braunen Innensack vom weissen Aussensack getrennt und an den Boden des weissen gestopft, damit die Säcke stehen können. 

Die Rauminstallation ist eine Erinnerung an ihre Kindheit in Ausserberg, die sich in der Auseinandersetzung mit alltäglichen Materialien wie Butterbrotpapier, Milchpulver, Mehlsäcken und Lärchennadeln in ihren Rauminstallationen niederschlägt. Die Fragen, die sich stellen, hallen im Kopf noch viele Tag nach: Es ist wohl das Vergängliche, das Verschwenderische unseres Alltags, das uns hier in Erinnerung gerufen wird, die Aufforderung zur Mässigung. 

Gezeigt werden auch Steinabriebe. Die Steine werden befeuchtet, das Papier daraufgelegt, dann erfolgt der Abrieb. Zurück auf dem Papier bleiben Strukturen des Steins, kleine Mineralienüberreste sowie Farben von Moos, Erde und Pflanzen. 

Eva-Maria Pfaffen liess sich nach dem Schulabschluss zur Kinderschwester ausbilden. Schon bald begann sie eine künstlerische Ausbildung und schloss diese mit 1995 mit dem Bachelor in Design und Kunst ab. Seither ist sie freischaffend und seit 2001 als Dozentin an der Hochschule Design & Kunst in Luzern tätig. Sie konnte ihre Rauminstallationen in vielen Museen und Galerien im In- und Ausland ausstellen und erhielt verschiedene Förderbeiträge.

Ihr Werk hängt im Amtsraum einer Bundesrätin

Die zweite Künstlerin aus Ausserberg ist Helga Zumstein. Ihre Bilder befinden sich im Kellergewölbe. Sie widmet sich der Malerei, ist witzig, fröhlich, aber mit den Bildtiteln auch hinterfragend. Nach der Matura bildete sie sich neben der beruflichen Tätigkeit autodidaktisch zur Malerin weiter. Mit 40 absolvierte sie dann einen vierjährigen Lehrgang an der Schule für Gestaltung in Bern. 

Seither malt sie jede Woche ein kleinformatiges, farbintensives, meist quadratisches, gegenständliches Bild. Auf den ersten Blick erscheinen sie sensationslos. Bei genauem Hinschauen stellt man fest, dass es schonungslose Zeitdokumente sind, die uns einen Spiegel des Alltags vorhalten: heiter, verspielt, liebevoll, der Alltag voller Kuriositäten und Absurditäten. 

Ein Bild trägt den Titel «Vor jeder starken Frau macht der Mann den Kopfstand», abgewandelt von «Hinter jedem Mann steht eine starke Frau.» Es ist herrlich, wie er auf dem Kopf steht und sie ihm kritisch zuschaut. Oder «Schönheit geht baden». Da liegen zwei junge Frauen am Strand und schauen offensichtlich aufs Wasser hinaus – wunderbar, wie zweideutig der Titel das Gezeigte wiedergibt. 

Helga Zumstein hat auch das Bild gemalt, das jetzt im Amtsraum von Bundesrätin Amherd hängt. Ihre Bilder wurden schon international in grossen Galerien ausgestellt.  

Augenweide in Holz

Neben den Bildern von Helga Zumstein sind wunderschöne antike Möbel des Antik-Möbelschreiners Thomas Anklin aus Bauen ausgestellt. Es ist eine wahre Augenweide, diese kostbaren Stücke zu betrachten. Speziell im heutigen Zeitalter von Ikea, wo man Möbel als Wegwerfware behandelt. Thomas Anklin übt seinen Beruf schon in der vierten Generation aus. Nach der Lehre als Möbelschreiner bildete er sich viele Jahre in Innenarchitektur und Kunst weiter und machte sich 1981 in Seedorf, das zu Bauen gehört, selbstständig. Er ist als Experte und Handwerker sehr gefragt, auch vom Bund, vom Kanton, von Museen. 

Zu sehen ist etwa ein wunderschöner, fast nie benutzter Luzerner Sekretär von 1740 mit einmaliger Einlegearbeit. Oder Louis-XVI-Fauteuilles mit prächtigen Stoffüberzügen und passenden Fussschemelchen. Einmalig in seiner Art ist auch das Louis-XVI-Sofa, dessen Füsse umgekehrte Basler Stäbe bilden, sowie alte Türschlösser. 

«Blankoscheck» im Ortsmuseum Meilen mit Bilder und Installationen feiert am Samstag, 5. September um 14.30 Uhr Vernissage und dauert bis am 4. Oktober. In der nächsten Ausgabe des Meilener Anzeigers werden die weiteren Künstler vorgestellt.

 

xeiro ag