Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Kampf gegen den Knöterich

Spaziergängern im Bereich Pünten- und Schumbelstrasse oberhalb des Vitaparcours ist sie vielleicht schon aufgefallen: Eine grosse Fläche an einem Hang im Wald ist mit einer grünen Vliesfolie bedeckt. Handelt es sich um ein Kunstprojekt oder steckt eine andere Geschichte dahinter?

  • Nach der Entfernung des Neophyten mit dem Schaufelseperator wurde die Fläche mit einem stabilen Vlies abgedeckt. Foto: MAZ

  • Der Knöterich verbreitet sich schnell und überwuchert ganze Areale. Das Bild ist vor der Entfernung entstanden. Foto: zvg

  • Foto: zvg

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Das Grundstück, auf dem sich die Installation befindet, gehört der Firma Schneider Umweltservice. «Wir haben im Jahr 2016 festgestellt, dass unser Umschlagplatz Schumbel auf grösseren Flächen bis weit in den Wald hinein mit dem Japanischen Staudenknöterich überwachsen ist», erklärt Peter Wohriska von der Schneider Umweltservice AG die Vorgeschichte. Dies ist ein Problem.

Denn der Japanische Staudenknöterich ist ein besonders aggressiver invasiver Neophyt. Er destabilisiert Böschungen und ist schädlich für Flora und Fauna. Der Knöterich verbreitet sich metertief unterirdisch – und damit unsichtbar – über seine Wurzeln, die aufwändig entfernt werden müssen, um eine weitere Verbreitung zu verhindern. Es gibt mehrere sinnvolle Wege, um den Staudenknöterich loszuwerden, wobei der Einsatz von Gift für Schneider von Anfang an nicht in Frage kam, denn neben Bächen darf kein Pflanzengift eingesetzt werden. Stattdessen wurde auf dem Umschlagplatz das ganze Material ausgegraben und auf geeignete Deponien transportiert. An anderen befallenen Stellen wurde der Knöterich mechanisch bekämpft, weil eine Ausbaggerung nur mit grossem Aufwand zu bewältigen gewesen wäre. 

Rhizome ausgraben

Hier kommt nun die grüne «Installation» ins Spiel: Mit einem Schaufelseparator, einem Bagger mit integriertem Sieblöffel, wurden die Wurzeln des Knöterichs zerstört und herausgefiltert, Reststücke des Wurzelmaterials wurden gar von Hand herausgesucht und entsorgt. «Wichtig ist, dass der Schaufelseparator so tief wie möglich in die Erde gräbt, weil die Rhizome – die Wurzeln des Knöterichs – bis zu vier Meter in die Tiefe wachsen», sagt Roeland Kerst, der als Biologe und Botaniker für die Ausführung der Arbeiten hinzugezogen wurde.

Da bereits Wurzelteile von wenigen Zentimetern für eine erneute Ausbreitung ausreichen, muss man hier sehr gründlich arbeiten.

Anschliessend wurde die behandelte Fläche mit einer sehr stabilen grünen Vliesfolie abgedeckt, um sie vor Sonneneinstrahlung zu schützen. Durch den Lichtentzug wird ein Nachwachsen verhindert. 

Regelmässig werden nun die 2019 behandelten Flächen kontrolliert. Sie müssen für mindestens drei Jahre abgedeckt bleiben. Werden neue Triebe des invasiven Neophyten entdeckt, werden sie von Hand ausgegraben und entsorgt. Roeland Kerst ist zufrieden: «Zwar wissen wir noch nicht, ob die Flächen nach dem Entfernen der Folie wirklich frei bleiben. Bis jetzt drücken aber noch keine neuen Stauden durch. Wir gehen deshalb davon aus, dass die Bekämpfung erfolgreich war.» 

Grosse Gefahr einer Ausbreitung

Auch die Gemeinde Meilen setzt alles daran, eine Ausbreitung von invasiven Neophyten zu verhindern. Von Zivildienstleistenden werden die Meilemer Tobel regelmässig gejätet und invasive Neophyten werden entfernt. Besonders in der Nähe von Bächen ist die Gefahr einer Ausbreitung gross, weil fliessende Gewässer als Transportmittel fungieren. Die Gemeinde konzentriert sich auf naturnahe Räume wie den Wald, Naturschutzgebiete und Landwirtschaftszonen. «So können wir die vorhandenen finanziellen Mittel in ökologisch wertvollen Gebieten einsetzen», sagt Sarah Marthaler, Sachbearbeiterin Umwelt, Landschaft und Gewässer der Gemeinde Meilen. 

Auf privaten Grundstücken hat die Gemeinde indes keinen Handlungsspielraum. Es sei aber im Interesse jedes Grundstückbesitzers, invasive Neophyten, besonders den Japanischen Knöterich und den Essigbaum, so gründlich wie möglich zu entfernen. Beim Einreichen eines Baugesuches wird überprüft, ob das Bauland von invasiven Neophyten befallen ist, und gegebenenfalls droht ein gesetzlich vorgegebener Aushub. Weil sich Neophyten sehr schnell vermehren, ist es auch aus diesem Grund sinnvoll, mit der Entfernung so früh wie möglich zu beginnen. 

Sarah Marthaler, Sachbearbeiterin Umwelt, Landschaft und Gewässer der Gemeinde Meilen, hilft bei Fragen aus der Bevölkerung gerne weiter, Tel. 044 925 93 32.

 

Gefahr für Flora, Fauna und Gesundheit

Invasive Neophyten sind Pflanzenarten, die in der Schweiz nicht heimisch sind und eingeschleppt wurden. Sie breiten sich stark aus und verdrängen einheimische Pflanzen. Damit sind sie eine Gefahr für die einheimische Flora und Fauna. Eine Verschleppung, absichtlich oder unabsichtlich, kann zu einer Busse führen. 

Ausserdem sind manche dieser invasiven Neophyten gefährlich für Allergiker oder – durch Gifte – für alle Menschen und Tiere. Ambrosia, Riesenbärenklau und Schmalblättriges Greiskraut unterstehen sogar eine Bekämpfungspflicht. Grundeigentümer im Kanton Zürich sind verpflichtet, diese Pflanzen zu entfernen.

Ob eine Pflanze zu den invasiven Neophyten gehört, kann auf www.neophyten-schweiz.ch oder auf www.jardinsuisse.ch überprüft werden. Dort findet man einen Index und eine Online-Broschüre mit Bildern und Beschreibungen der einzelnen Pflanzen. 

 

Japanischer Staudenknöterich

Der Japanische Staudenknöterich (Reynoutria japonica (spp.)) stammt aus Ostasien. Er wird zwischen einem und vier Meter hoch, ist mehrjährig, und hat kräftige, unterirdische Ausläufer. Die Blätter sind bis zu 20 Zentimeter lang und am Grunde rechtwinklig gestutzt. Die Blattunterseite ist kahl oder an feuchten Standorten auf den Nerven warzig. 

Dichte Bestände verdrängen andere Arten. Die oberirdischen Teile sterben im Winter ab, was zur Erosion von Böschungen führt. 

Wegen der Ausläufer, die bis vier Meter tief in den Boden reichen, ist bei der Entfernung professionelles Vorgehen nötig. Wurzelstücke sind im Umkreis von bis zu drei Meter auffindbar. Pflanzenmaterial muss in der Kehrichtverbrennungsanlage oder in der Biogasanlage entsorgt werden.

Quelle: neophyten-schweiz.ch

 

 

xeiro ag