Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

«im focus» im Ortsmuseum Meilen

Zwei sehr interessante Kunstschaffende fanden sich im Ortsmusemum zu einer gemeinsamen Ausstellung zusammen, deren Titel auch «Kontraste» lauten könnte – obwohl die beiden bei allen Gegensätzen viel Gemeinsames haben.

  • Das Humayun-Mausoleum in Neu-Delhi, gesehen von Ulrich Pfammatter.

  • Peter A. Schmid zeigt die Schönheit der Unterwasserwelt.

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Auf das Trennende und Gemeinsame wird man schon beim Betreten des Museums aufmerksam, indem die Räume links von Ulrich Pfammatter und die Räume rechts von Peter A. Schmid bestückt wurden. Im Kellergeschoss wird das Ausstellungskonzept etwas weniger konsequent fortgesetzt. 

Pfammatter wuchs in Meilen auf und studierte nach der Matura an der ETH Zürich Architektur. Seit vielen Jahren wohnt er nun im Aargau, aber die Verbindungen nach Meilen blieben bestehen. Er ist ein Architekt, für den stets der Mensch, der die Bauten bewohnt und benützt, zentral ist. Diese Grundhaltung widerspiegelt sich in seiner spätimpressionistischen Malerei. Er verbindet in seinen Bildern stets die Schönheit der Architektur mit dem Lebensgenuss der Menschen. 

So sind seine Bilder nicht nur eine reine Wiedergabe des Gesehenen, sondern es sind Erinnerungen, die dem Betrachter zeigen, wie er als Künstler das Dargestellte erlebt und gesehen hat. Da finden wir uns im Sikh-Tempel in Neu-Delhi, in dem vorher die Gläubigen miteinander diskutierten, dann sich der Andacht hingaben und anschliessend ein Fest feierten. All dies verwebt Pfammatter in einem Bild.

Im Bahnhof von Budapest sehen wir die grossartige Stahlkonstruktion des Daches aus dem Jahr 1860 und erleben gleichzeitig, wie ein moderner Zug bald ausfährt und die Menschen voneinander Abschied nehmen. 

Pfammatter führt den Pinsel leicht und schwungvoll. Seine Farbenwelt ist oft irisierend, durchscheinend und doch wieder kräftig, wobei einzelne Farbtöne sich im Bild wie Wegweiser wiederholen können. Sehr gut sichtbar wird dies im Palmhouse in London, wo man den Sprühnebel förmlich zu spüren scheint. 

Pfammatters spätere Arbeiten werden freier, indem er die Konturen nicht mehr in der gleichen Schärfe darstellt, sondern die Farben fliessen lässt, leicht die Formen abstrahiert und die Flächen verwischt. So gewinnt er an Tiefe und noch mehr Ausdruckskraft. Er ist ein sehr einfühlsamer Maler, der seine Farbintensität stets dem Licht des jeweiligen Landes anpasst und dem Betrachter sofort die Gewissheit gibt, in Afrika, Südamerika oder Asien zu sein. 

Er malt seine Bilder im Atelier, aber als Gedankenstützen dienen ihm seine jeweiligen Skizzen und Fotografien. Grossartig sind die Bergbilder, in denen der Bergsteiger zum Teil des Berges wird. Man spürt die Anstrengung des Steigens sowie die Ruhe und erlebt die Befreiung bei der Bezwingung des Gipfels und die Belohnung durch die wunderbare Rundsicht. 

Hervorragend sind die Aquarelle links vom Eingang. Es sind Winterdarstellungen vom Emmental. Hier gewinnt Pfammatter durch die Technik des Aquarellierens eine Freiheit in der Darstellung, die grandios ist. Hervorragend, wie er die freie Fläche des Papiers in die Gestaltung mit einbezieht, so wie es Cézanne in seiner Malerei als erster gewagt hat. Und Schnee zu malen ist etwas vom Schwierigsten.

«UnterwasserOberflächlichkeiten»

Peter A. Schmids Unterwasserfotografien sind ein wahrer Kontrast zu Pfammatters Bildern. Sie zu beschreiben ist nicht leicht, da sie auf den ersten Blick unspektakulär wirken und ihre Schönheit erst bei längerem genauem Hinblicken entfalten. 

Peter A. Schmid war zuerst Biologe, bevor er Mediziner wurde. Nachdem er in Küsnacht als Gastroenterologe praktiziert hatte, ist er seit 2011 in einer Gemeinschaftspraxis in der ehemaligen Kaffee Haag in Feldmeilen tätig. Jeder Patient kennt seine dort aufgehängten, wunderschönen Unterwasserfotografien. 

Aber er ist nicht nur Arzt und Fotograf, sondern er ist auch musikalisch mit Bassklarinette, Taragot und Flöten aktiv. Seine Aufnahmen inspirieren ihn und seine musikalischen Freunde – sie spielen Flöten bzw. Hackbrett – zu Kompositionen, d. h. seine Bilder werden oft musikalisch begleitet. Man erhält in der Ausstellung den Eindruck, dass er als Arzt gewisse Lebewesen in der Wasserwelt mit denselben Augen sieht, wie das Innere des Menschen. 

Schmids Fotografien wirken auf den ersten Blick wie abstrakte Gemälde, denn er zeigt uns nicht die üblichen Klischeebilder mit schönen Korallen, Haien und bunten Fischen, sondern die Schönheiten des ganz Einfachen, auf den ersten Blick Unscheinbaren. Er hat ganz bewusst Bilder ausgewählt, die Details von Korallen und anderen versteckten und oft kaum sichtbaren Lebewesen in den Fokus rücken. So sieht man einmal einen Seestern in einer blauen Umgebung und ein anderes Mal in einer gelblichen. Für die Fotografie mussten die Seesterne kurz umgedreht werden, damit man deren Öffnung sieht. Sie sitzen auf einer Steinkoralle, und um sie herum befinden sich wie Blütenzweige kleine Polypen, die nachts wie Blüten an Zweigen an die Oberfläche der Koralle kommen und tagsüber unsichtbar sind. 

Die fotografierten Lebewesen befinden sich in einer Tiefe von ungefähr zehn Metern, Licht scheint praktisch keines bis zu ihnen. Daher ist der Form- und Farbenreichtum dieser Hart- und Weichkorallen, Seesterne, Seegurken und anderen Wirbellosen nicht augenfällig. Ihre Farben werden erst durch den Scheinwerfer sichtbar. 

Einmalig ist eine Hartkoralle in Braun-, Blau- und Grüntönen. Die Fotografie wirkt wie ein Aquarell, das Grün erinnert an das Nordlicht. All diese Schönheiten sind im Original nicht grösser als eine Handfläche. 

Die Fotografien wurden von einem hervorragenden Drucker in Deutschland gedruckt und sind mit Museumsglas versehen. Die Ausstellung zeigt uns auch, wie wichtig die Unterwasserwelt im Kleinen ist, und dass wir unbedingt Sorge zu ihr tragen müssen.

Die Ausstellung dauert von heute Freitag, 18. Januar (Vernissage um 18.30 Uhr, Türöffnung um 18.00 Uhr) bis zum 17. Februar und ist geöffnet am Samstag und Sonntag von 14.00 bis 17.00 Uhr. Konzerte mit Peter A. Schmid: 20.00 Januar und 17. Februar um 17.30 Uhr.

xeiro ag