Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Heute vor ... 31. März: Das Watschenkonzert

Mit der Kunst ist es so eine Sache. Kunst ist zu einem guten Teil Geschmackssache. Und über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Dennoch würde ich sagen, gibt es Kriterien, um gute Kunst von schlechter Kunst zu unterscheiden. Wobei sich auch hier trefflich streiten lässt.

Mit der Kunst ist es so eine Sache. Kunst ist zu einem guten Teil Geschmackssache. Und über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Dennoch würde ich sagen, gibt es Kriterien, um gute Kunst von schlechter Kunst zu unterscheiden. Wobei sich auch hier trefflich streiten lässt. Und ebenso klar ist, dass Neuerungen in der Kunst immer auch Widerspruch hervorgerufen, ja die Menschen zuweilen provoziert haben. Aber bei alledem Ärger und Unmut, der neue Kunst hervorrufen kann, sollte man sich doch einig sein, dass Gewalt keine Lösung sein kann. 

Genau dazu ist es aber heute vor 104 Jahren gekommen. Arnold Schönberg dirigierte den Wiener Konzertverein. Sie spielten Werke von Anton von Webern, Alexander Zemlinsky, vom Dirigenten Arnold Schönberg selber und von Alban Berg. Wenn ich mir diese Liste der Komponisten anschaue und die Zeit bedenke, in der dieses anspruchsvolle Programm aufgeführt worden ist, dann kann ich mir gut vorstellen, dass so einige im Publikum überfordert gewesen sind und sich provoziert gefühlt haben.

Jedenfalls kam es zu kleineren Tumulten im Auditorium, die nur noch grösser wurden, als der Dirigent damit drohte, nötigenfalls mit der öffentlichen Gewalt für Ruhe und Ordnung im Saal sorgen. Offensichtlich hatten mehrmals Empörte versucht, das Dirigierpult zu erklimmen und Schönberg an seiner Arbeit zu hindern. Gegner und Befürworter der neuen Musik hätten sich gegenseitig angeschrien, mit Gegenständen beworfen und das Mobiliar zerstört. Und beim gerichtlichen Nachspiel gab ein mit Schönberg verfeindeter Operettenkomponist zu Protokoll, die ausgeteilten Watschen seien noch das Melodiöseste am ganzen Konzert gewesen.

Alles in Allem also ein Verhalten, das man in den 60er Jahren bei einem Konzert der Beatles oder Rolling Stones erwartet hätte. Aber nicht beim gediegenen Konzertpublikum in Wien. Aber hey, Wiener sind auch nur Menschen!

xeiro ag