Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Heute vor ... 9. Juli: Mord im Zug

Es war der erste Mord in einem Zug in Grossbritannien, und er sorgte daher für besonderes Aufsehen. Nicht einmal mehr in der geschlossenen Welt des Zuges war man seines Lebens sicher!

Heute vor 157 Jahren geschah das Verbrechen an einem siebzigjährigen Bankangestellten. Der Mörder stahl die goldene Uhr des Toten sowie dessen Hut und eine goldumfasste Brille. Den eigenen Hut liess er am Tatort zurück. Das war ungeschickt. Denn ein Hut fällt auf. Kommt hinzu, dass Dick Tanner, einer der ersten hauptamtlichen Detektive von Scotland Yard, auf ihn angesetzt wurde. Der brauchte gerade mal elf Tage, um den Juwelier aufzuspüren, der die gestohlene Uhr gegen eine andere Uhr eingetauscht hatte. 

Besagter Kunde hatte die neue Uhr in einem Karton mitgenommen, der bald danach bei einer Zimmerwirtin auftauchte. Bei der Befragung der Zimmerwirtin konnte diese bestätigen, dass sie einen Mieter hatte, der vor wenigen Tagen heimlich und überstürzt abgereist war. Ihr war überdies aufgefallen, dass er einen neuen Hut trug, weil er den anderen «verloren» habe. Den sichergestellten Hut konnte sie als den ihres Mieters identifizieren. Franz Müller hiess der. Müller hatte der Wirtin zudem schriftlich mitgeteilt, dass er an Bord des Segelschiffes «Victoria» nach New York reisen werde. Spuren verwischen war wirklich nicht seine Stärke. Man fühlt sich unwillkürlich an das Sprichwort erinnert, dass jeder Täter insgeheim entlarvt werden will.

Jedenfalls begab sich Detektiv Tanner daraufhin mit ein paar Zeugen an Bord eines Dampfers, um noch vor Müller in New York zu sein. Als schliesslich die «Victoria» eintraf, sollen ihr kleine Boote entgegengefahren sein und Müller mit «Hallo, Mörder Müller, wie geht es dir?» begrüsst haben. Noch am Pier konnte er verhaftet und schliesslich nach England zurückverschifft werden, wo er verurteilt und öffentlich gehängt wurde. Ein Mord ist ja an sich schon eine üble Sache. Aber wenn dann soviel Dummheit des Täters hinzukommt, wird man als Aussenstehender fast schon ärgerlich.

 

xeiro ag