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Heute vor ... 9. April: Karfreitag für die Kirche

Zurecht erinnern in diesen Tagen zahlreiche kirchliche und nichtkirchliche Medien daran, dass heute vor 75 Jahren Dietrich Bonhoeffer, der Pfarrer und Lehrer der Bekennenden Kirche, der Mitverschwörer beim Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944, hingerichtet worden ist.

Berühmt und viel gesungen ist sein Gedicht «Von guten Mächten wunderbar geborgen...» Mit seinen posthum veröffentlichten Briefen aus der Gefangenschaft hat er weit über die Kirchgrenzen hinaus Menschen in seinen Bann gezogen. Nicht zuletzt diesen Briefen ist zu entnehmen, wie bewusst Bonhoeffer den Weg seines Sterbens gegangen ist. «Das ist das Ende. Für mich der Beginn des Lebens», soll er unmittelbar vor seiner Hinrichtung gesagt haben. Vielleicht nicht ohne Angst, jedoch voller Gottvertrauen ist er seinem Tod entgegen gegangen. 

Ein wichtiges Zitat von ihm, das mir nicht nur im Studium immer wieder begegnet ist, lautet: «Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist.» Die Kirche ist kein Selbstzweck, ihr Ziel und Zweck liegt im Dienst an den Menschen. Kaum je zu hören bekam ich den Satz, der unmittelbar daran anschliesst: «Um einen Anfang zu machen, muss sie (d.h. die Kirche) alles Eigentum den Notleidenden schenken.» Solche Sätze werden nicht so gern zitiert, weil sie Angst machen. Sie wären das Ende der Kirchen, wie wir sie in der Schweiz kennen. 

Aber könnte es nicht ähnlich wie für Bonhoeffer auch den Beginn des Lebens bedeuten? Würden unsere Kirchen alles Eigentum den Armen schenken und diesen Weg mit dem Gottvertrauen gehen, wie wir es bei Bonhoeffer sehen können, dann würden sie sehr bewusst auf ihren Tod, ihren Karfreitag zugehen. Das macht Angst, zweifellos. Aber gerade die Kirchen wissen doch von der Auferstehung zu erzählen. Wieso sollte dieser grosse Schatz nicht gerade auf diesem Weg seine volle Kraft entfalten? Würde man dann nicht ganz neu singen: «Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag...»?

xeiro ag