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Heute vor ... 8. September: David und Goliath

Sie gilt als die bekannteste Skulptur der Kunstgeschichte. Es ist jene biblische Szene, in der der Jüngling David gegen den Riesen Goliath zum Zweikampf antritt und diesen zur allseitigen Überraschung besiegt.

Der David von Michelangelo hält den Moment unmittelbar vor dem Kampf gegen Goliath fest. Die Augen sind konzentriert auf den Gegner gerichtet. Die Steinschleuder ist zum Wurf bereit. Aber ansonsten ist die Körperhaltung locker. Davids Oberkörper ruht auf dem Standbein. Das Spielbein ist bereit, den nächsten Schritt zu tun. 

Rund vierzig Jahre zuvor schon hatten zwei Bildhauer sich an diesem grossen Marmorblock versucht und hatten aufgegeben. Michelangelo nahm sich der Herausforderung an und schuf den vom Auftraggeber gewünschten David. Und mit über vier Metern ist sein David selber ein Goliath geworden. Durch seine schiere Grösse und seine unverkrampfte, aber aufmerksame Körperhaltung strahlt er grosses Selbstbewusstsein aus.

In der Antike wurden Götter so dargestellt. Michelangelo meisselte einen Menschen in dieser Grösse. Damit brachte er das Selbstbewusstsein der seiner Zeit zum Ausdruck. Sein David ist ein Sinnbild der Kraft, die dem zukommt, der auf Gott vertraut. Das ist denn auch das Selbstverständnis der Renaissance-Menschen. Es gibt keinen Goliath, den wir zu fürchten hätten. Denn in Sachen Kraft und Verstand sind wir allen möglichen Herausforderungen und Gefahren gewachsen. Einmal gefragt, wie ihm dies Werk gelungen sei, antwortete er, der David habe ja immer schon in diesem Marmorblock gesteckt. Er selber habe einfach weggenommen, was nicht dazu gehörte.

Heute vor 513 Jahren ist sein David aufgestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Der David als Goliath – mich beeindruckt dieses Selbstbewusstsein! 

 

xeiro ag