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Heute vor ... 8. Februar: Die Geburt einer Nation

Als der Film heute vor 104 Jahren in Los Angeles seine Premiere hatte, hiess er noch «The Clansman». Doch dann wurde er für die Weltpremiere in New York in «The Birth of a Nation» (Die Geburt einer Nation) umbenannt.

Wenn man sich ein wenig über den Film schlau macht, sind ausschliesslich Superlative über ihn zu hören. Der dreistündige Historienfilm war das finanziell erfolgreichste Werk aus der Stummfilmzeit. Er basiert auf zwei Roman des baptistischen Predigers Thomas F. Dixon und kostete die für damalige Verhältnisse astronomische Summe von 100’000 Dollar. Der Produzent und Regisseur D. W. Griffith konnte die geforderten 10'000 Dollar für die Rechte des Buches nicht auch noch bezahlen und bot dem Autor stattdessen 10 Prozent der Einnahmen. Nach anfänglichem Zögern akzeptierte Dixon den Vorschlag, was ihn schliesslich zum Millionär machte.

Der Film, der eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des amerikanischen Bürgerkrieges erzählt, brachte das Publikum in Scharen in die Kinos. Filmhistorisch ist er bedeutend, weil er viele filmtechnische Neuerungen einführte, die für das weitere Filmschaffen grundlegend wurden. Erstmals wurde in der Nacht gefilmt, es gab Schlachtenszenen mit Tausenden von Statisten, am Schluss wurden sogar einzelne Szenen eingefärbt usw.

Einen wesentlichen Schönheitsfehler aber hat der Film: Seit seiner Premiere wird er wegen seines rassistischen Inhalts kritisiert, da er unmissverständlich eine White Supremacy, eine weisse Überlegenheit, propagierte und offensichtlich massgeblich zur Neugründung des Ku-Klux-Klans beitrug. Der Regisseur Griffith nahm für sich in Anspruch, die historische Wahrheit dargestellt zu haben. Es war wohl die Wahrheit aus Sicht der weissen Südstaatler. Und dann gibt es noch die Wahrheit, dass alle Menschen gleichwertig sind. Es gehört zur Geburtsgeschichte dieser Nation, dass diese beiden Wahrheiten noch immer miteinander ringen.

 

xeiro ag