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Heute vor ... 6. Oktober: Jom Kippur

Der Jom Kippur, der Tag der Versöhnung mit Gott, ist der höchste Feiertag im jüdischen Jahr. Und es ist kein Zufall, dass die arabischen Länder unter der Führung von Ägypten und Syrien diesen Tag ausgesucht hatten, um heute vor 44 Jahren Israel anzugreifen.

Sie rechneten damit, dass Israel dann besonders verwundbar sein würde. 

Die Israelis wurden tatsächlich auf dem linken Fuss erwischt. Aber weniger wegen des Feiertages. Seit ihrem glänzenden Sieg im Sechstagekrieg von 1967 hielten sie sich für unverwundbar. Daher hatten sie auch alle Warnungen, die es im Vorfeld sehr wohl gegeben hatte, in den Wind geschlagen. In dieser Situation hatte der Angriff an dem hohen Feiertag eher den Vorteil, dass das öffentliche Leben praktisch zum Erliegen gekommen war, somit alle Strassen frei waren und die Mobilmachung seitens der israelischen Streitkräfte rasch und ungehindert stattfinden konnte.

Zu Beginn konnten die Angreifer einige Erfolge verzeichnen. Je länger der Krieg aber dauerte, desto deutlicher konnten die Israeli die Angreifer nicht nur zurückdrängen, sondern sogar in Richtung Kairo und Damaskus vordringen. Ein von der UNO erwirkter Waffenstillstand beendete die Kampfhandlungen nach knapp drei Wochen. Obwohl der Krieg für die Angreifer militärisch ein Fiasko darstellte, konnten der ägyptische Staatspräsident Sadat und der Syrische Diktator Assad dies innenpolitisch als Erfolg verkaufen und ihre Machtpositionen stärken, während umgekehrt die siegreichen Israeli in ihrem fast grenzenlosen Selbstvertrauen erschüttert wurden und die Regierungschefin Golda Meir zurücktreten musste. 

Sechs Jahre später unterzeichneten Ägypten und Israel den Friedensvertrag von Camp David. Für diesen Tag der Versöhnung miteinander wurden die beiden Staatschefs Anwar as-Sadat und Menachem Begin zu Recht mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Das Bild, das sich mir daraus ergibt: Man kann den Frieden mit Gott nicht wirklich feiern, ohne auch den Frieden mit dem Nachbarn zu suchen.

 

xeiro ag