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Heute vor... 5. Juli: Hello, Dolly!

Ob die Wissenschaftler auch diesen Song in den Ohren hatten, als sie Dolly heute vor 23 Jahren in Schottland auf die Welt halfen? Mir hat er sich bei den Recherchen zur heutigen Kolumne sogleich als Ohrwurm eingestellt. Sicherlich aber ist Dolly mit einem herzlichen, ja, begeisterten «Hello» in dieser Welt begrüsst worden.

Denn Dolly war das erste Schaf und damit das erste Tier, das durch Klonen geschaffen wurde. Die Spenderzellen stammten aus dem Euter eines Schafes. Deren Zellkerne wurden in die Eizellen von weiteren Spendertieren eingepflanzt. Daraus entstanden 29 Embryonen. Eines überlebte: Dolly.

Die Lorbeeren für diesen Aufsehen erregenden Erfolg erntete der britische Embryologe Ian Wilmut. Das bedeutete für ihn nebst einer hohen Auszeichnung durch Queen Elisabeth II vor allem auch hochdotierte Wissenschaftspreise und damit viel Geld für weitere Forschungsprojekte. Rund 10 Jahre später gab Wilmut jedoch zu, dass eigentlich seinem Kollegen Keith Campbell die Ehre des geistigen Vaters von Dolly gebührte. Doch da waren alle Titel schon verliehen und das Geld verbraucht.

Dolly ist dann relativ früh gestorben. Typische Alterungssymptome sind bei ihr früher als üblich aufgetreten. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass der Zellkern, der am Anfang ihres Daseins stand, eben bereits ein paar Jahre alt war. Schafe dieser Rasse werden in der Regel 10 bis 12 Jahre alt. Dolly musste mit 6 Jahren eingeschläfert werden. Dem verstorbenen Tier wurde eine Totenmaske abgenommen. Anschliessend wurde Dolly ausgestopft und im Royal Museum of Scotland ausgestellt.

Übrigens: Namensgeberin wurde die Countrysängerin Dolly Parton, freilich ohne ihr Wissen. Mit Blick auf die Tatsache, dass der Zellkern aus einer Euterzelle stammt, erinnerten sich die Namensgeber – das müssen Männer gewesen sein – an die grosse Oberweite von Dolly Parton und benannten das Schaf nach ihr. Allen Neuentdeckungen zum Trotz, die Menschen, insbesondere die Männer bleiben die alten.

 

xeiro ag