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Heute vor… 3. Dezember: «Die Gesundheit seiner Majestät…

…ist niemals besser gewesen.» Mit diesen Worten endet das berühmte 29. Bulletin Napoleons. Er trat damit Gerüchten entgegen, er sei bei schlechter Gesundheit oder gar tot. Heute vor 209 Jahren diktierte er den Text, 14 Tage später erschien er in der französischen Zeitung «Le Moniteur Universel».

Eigentlich aber ging es in diesem Bulletin um etwas ganz anderes. Nämlich um das Eingeständnis, dass der Russlandfeldzug gescheitert und die französische Armee im Rückzug begriffen sei. Nun gibt niemand gerne eine Niederlage zu. Der sieggewohnte Napoleon schon gar nicht. Deshalb begann er seinen Bericht mit den Worten: «Bis zum 6. November war das Wetter perfekt…» Doch der danach einsetzende Kälteeinbruch habe dazu geführt, dass die meisten Pferde erfroren seien, die Kavallerie nicht mehr einsatzfähig gewesen sei und der Tross schweres Gerät und Nachschub habe zurücklassen müssen.

Mit anderen Worten, Napoleon setzte die Legende in die Welt, die Grande Armée sei einzig und allein am kalten russischen Winter gescheitert. Dass die russische Armee derselben Kälte ausgesetzt, aber offensichtlich besser vorbereitet war, erwähnte er nicht. Auch dass die russische Armee sich taktisch klug verhalten hatte, fand in seinem Bericht keinen Platz. Der harte Winter sollte schuld sein und damit quasi höhere Gewalt. 

Für das übrige Europa war diese Niederlage ein Fanal. Rund eine halbe Million Soldaten waren entweder gefallen oder in Gefangenschaft geraten. Die als unbesiegbar geltende Grande Armée hatte ihren Nimbus verloren. Das Ende des Russlandfeldzugs war zugleich der Anfang vom Ende Napoleons als Kaiser Frankreichs. Zu sehr hatte er sich selbst bei der Verarbeitung der Niederlage belogen. Seine körperliche Gesundheit mag «niemals besser gewesen» sein. Für seinen Seelenzustand galt dies nicht mehr. 

xeiro ag