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Heute vor ... 28. August: Black lives

«Was hätte ich denn sonst tun sollen? Er dachte doch tatsächlich, er habe dieselben Rechte wie ein Weisser.» – Das war die auf ihre Art entwaffnende Antwort von J.W. Milam auf die Frage, weshalb er Emmett Till umgebracht habe.

Emmett Til war ein schwarzer Junge von 14 Jahren. Bei seinem Onkel zu Besuch, kaufte er in einem Laden Süssigkeiten und eine Limonade. Die weisse Frau hinter der Theke war einmal Schönheitskönigin ihrer Schule gewesen. Beim Verlassen des Ladens hat Emmett einen Pfiff von sich gegeben. Er hatte es wohl als Kompliment gedacht. Die Frau verstand es als Anzüglichkeit. 

Jedenfalls hatte er sich etwas erlaubt, was einem Schwarzen offensichtlich nicht zustand. 

Der Mann der Verkäuferin, Roy Bryant, und sein Halbbruder, der eben zitierte J.W. Milam, machten sich daher am nächsten Tag auf, holten den Jungen bei seinem Onkel unter Gewaltandrohung ab und brachten ihn auf brutalste Art und Weise um. Das war heute vor 65 Jahren. 

Der Prozess gegen die beiden Mörder war eine Farce. Die Geschworenen waren ausschliesslich weisse Männer. Belastungszeugen verschwanden plötzlich, und wer dennoch aussagte, wurde bedroht. Nach kurzer Zeit waren sich die Geschworenen einig und sprachen die beiden frei.

Wenig später gaben die beiden einem Magazin ein Interview, in dem sie zugaben, den Jungen ermordet zu haben. Juristisch hatten sie nichts mehr zu befürchten, da sie für dasselbe Verbrechen nicht ein zweites Mal angeklagt werden konnten. Immerhin wurden sie danach gesellschaftlich geächtet und starben arm und vereinsamt.

Die Mutter des getöteten Emmett Till bestand auf einer Beerdigung mit offenem Sarg, damit die ganze Welt sehen konnte, wie übel die Mörder ihn zugerichtet hatten. Die weltweite Empörung über den Mord und den Freispruch sowie das ebenfalls weltweite Mitgefühl beim Anblick des geschundenen Emmett machten deutlich, dass für die meisten Menschen eigentlich klar ist, dass ein Schwarzer tatsächlich dieselben Rechte hat wie ein Weisser.

xeiro ag